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KLAGENFURT/ Stadttheater: SIEGFRIED . 2.Tag des Bühnenfeststpiels. Premiere

17.09.2022 | Oper in Österreich

Stadttheater Klagenfurt – Richard Wagner „Siegfried“

2.Tag des Bühnenfeststpiels

Premiere 15.09.2022

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Tilmann Unger (Siegfried), Ava Dodd (Waldvogel). Foto: Arnold Poeschl, /Stadttheater Klagenfurt)

Das ambitionierte Unterfangen den Ring des Nibelungen in Klagenfurt zu realisieren, ging nach der Walküre im letzten Jahr, heuer mit der 2.Premiere „Siegfried“ weiter. Und wie schon im Vorjahr kann, man nicht nur Respekt zollen, sondern darf von einer vollends gelungenen Premiere berichten.

Die Regie liegt wieder in den Händen des Intendanten Aron Stiehl, der die Handlung weder veränderte noch Zeitgeist gemäß hineininterpretierte. Es lenkt keine Neuinterpretation oder Regiewahn von der Handlung ab, man konnte sich auf die verbale und musikalische Aussage des Werkes konzentrieren.

Der erste Akt wird in einem vermüllten Ambienten begonnen, die mittlerweile kaputte Gondel aus der Walküre dient Mime & Siegfried als Quartier. Bei der Frageszene Mime – Wanderer kokettiert Stiehl mit Quizshow Elementen – Karten & Lichteinsatz spielen deutlich damit. Auch durch die Personenführung verfremdet der Regisseur den Effekt der Handlung – etwa, wenn Siegfried beinahe Schwert und Horn vergisst im Finale des 2.Aktes oder beim Duett mit Mime immer ein Sänger wie eine Puppe stumm stehen bleibt.

Aber alles – auch die Personalisierung des Waldvogels – steht nie im Widerspruch zur Handlung. Auch die Offenlegung von Mimes Intrige durch den Waldvogel, der in des Schmiedes Trank Tropfen einflößt, mag man annehmen. Der Kraft des Wurmes Blutes vertraut der Regisseur hier weniger, für Erstbesucher der Tetralogie aber sicher kein Nachteil.  Für erfahrene Wagnerianer stellt die Aufführung eine Freude dar, da es Stiehl durch den gesamten Abend gelingt, mit seiner Personenführung ein Berühren der Zuhörer zu erreichen. Etwa bei der Szene Alberich Wanderer oder auch die Figur von Mime.

Das Haus schafft es auch musikalisch & sängerisch mit eigenen Kräften zu reüssieren. Nicholas Milton führte das kleine Orchester durch klare Zeichengebung, den feinen lyrischen Passagen und mit allen dramatischen Ansprüchen durch den Abend – kapellmeisterliche Tradition im besten Sinne.

Als Wanderer überzeugte Markus Marquardt mit seinem kräftigen Bassbariton und wenn er mit dem Speer auf die Autorität pocht und seine Stimme erhebt, so sieht & hört man hier wahrlich einen Wotan. Als zweiter Bariton war KS Stefan Heidemann als Alberich aufgeboten, auch er konnte mehr als überzeugen. Fafner war Rafel Pawnuk mit seinem dunklen Bass schon aus der Walküre bekannt.

Als eine wohlklingende Erda hörte man Aytaj Shikhalizada, sie kann auf Engagements ua  in Stuttgart & Berlin verweisen. Der Waldvogel war in Person der Irin Ava Dodd zu sehen – nicht nur zu hören – ein sehr hoher heller Sopran.

Als Brünnhilde überzeugte, die schon erfahrene – ua  als Turandot –  Yuhua Liu durch eine – für Klagenfurt – mächtige höhensichere und dramatische Stimme, sie forcierte leider teilweise stark.  Nächstes Jahr wird sie in Bern als Walküren Brünnhilde zu hören sein.

Als Siegfried machte Tillmann Unger gute Figur, stemmte tapfer die Höhen und konnte auch noch im Duett mit der kraftvollen Brünnhilde reüssieren. Er sorgte für eine gelungene Darstellung des Jung Siegfrieds.

Die überzeugendste Leistung bot der Friesacher Thomas Ebenstein, Mitglied der Wiener Staatsoper seit 2012 dort u.a. als Alfred, David oder Steuermann zu sehen und ein international erfahrener Mime. Er gestalte die Rolle sehr einprägsam, sang diese Partie auch deutlich und verfiel nicht, wie viele seiner Kollegen in einen Sprechgesang. Er steht auch vor seinem Debüt an der Met in New York.

Es verwundert nicht, dass er an diesem Abend zu Recht mit Sonderapplaus für die Leistung bedacht wurde.

Langanhaltender Applaus gut 2o Minuten, Bravorufe für alle Interpreten, Orchester und Dirigent zeigten, dass es ein rundherum gelungener Abend, ganz im Sinne der Besucher war und dieser Siegfried sicherlich eine Reise nach Klagenfurt wert ist.

Rudolf Smolej

 

 

 

 

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