Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

KLAGENFURT( Klassik im Burghof: KONZERT BORIS PINKHASOVICH

26.07.2026 | Konzert/Liederabende

25.7. 2026– Klassik im Burghof, Klagenfurt: KONZERT BORIS PINKHASOVICH

pink

Maria Prinz und Boris Pinkhasovich im Burghof zu Klagenfurt © V. Hribernig-Körber

Leger, in Jeans und Hemd – zu mehr war nicht Zeit gewesen, das Konzert-Outfit lag beim Gastspiel in München nicht parat, von wo aus man am Vorabend, den Applaus für den Valentin in Gounods Faust quasi noch im Ohr, um elf Uhr nachts ins Auto gestiegen und an den Wörthersee geeilt war, um für den aus privaten Gründen verhinderten Kollegen (Tenor Jinxu Xiahou) das vormittägliche Rezital in der Reihe „Klassik im Burghof“ zu retten; doch auch ein Programm musste mit der Pianistin erst erstellt werden, ja wurde teilweise zwischen den Nummern auf offener Bühne im Detail noch ausverhandelt – so trat Star-Bariton Boris Pinkhasovich an diesem strahlenden, doch wohl temperierten Samstagvormittag vor das Klagenfurter Publikum, das vermutlich mit dem Namen des russischen Baritons mit österreichischem Pass noch nicht sonderlich viel anfangen konnte und daher die Reihen im eleganten Arkadenhof des ehemaligen Kollegiums am Rande der Klagenfurter Altstadt nicht bis auf den letzten Platz gefüllt hat. Doch wer ihn bis dahin noch nicht kannte, sollte ihn in den folgenden knapp zwei Stunden kennenlernen – denn was auf den ersten Blick nach einem eilig zusammen improvisierten Notprogramm ausgesehen haben mag, erwies sich auf den zweiten als eine hochkarätige Begegnung mit einem, der sich seinen internationalen Platz unter den ganz Großen längst ersungen hat und dessen „spontan“ dargebotener Lieder- und Arien-Reigen auf jeder der derzeit eifrig bespielten Festspielbühnen Platz finden hätte können. Wenn auch, in diesem Fall, vermutlich mit Smoking und Schleife … 😉

Es ist ja nicht jedem Opernsänger gegeben, auch adäquat als Lied-Interpret zu reüssieren – dass diese Einschränkung für Pinkhasovich nicht gilt, war bereits nach wenigen Takten seiner Auswahl von sieben Stücken aus Schumanns „Dichterliebe“ klar – wie gerne hätte man den gesamten Zyklus von ihm gehört – die er mit stupender Textdeutlichkeit auch musikalisch bis ins Detail ausleuchtete. Ebenso gerieten die vier Stücke aus Mahlers Rückert-Liedern dank seiner technischen Brillanz zu tief empfundenen Psychogrammen – mit „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ als Höhepunkt, auf dem Gesang und Klavierbegleitung zu einer Einheit verschmolzen. Mit schier unerschöpflichem Atem und romantischer Emphase beschloss Pinkhasovich den ersten Teil mit Wolframs Lied an den Abendstern aus „Tannhäuser“ von Wagner.

Im zweiten Teil wurde das Publikum mit vier Stücken von Tschaikowsky und zwei Werken von Rachmaninov in die russische Heimat des Sängers entführt, wobei es sich natürlich als hilfreich erwies, dass die Pianistin auf Anregung Pinkhasovichs jeweils kurze Einführungen zur Handlung der schwermütigen Balladen gab, denen der Bariton mit virilem Timbre, breit strömender Mittellage und wie selbstverständlich sicherer Höhe, mit der gesamten Palette des Ausdruck vom emotionalen Ausbruch bis zur zarten Piano-Phrase Leben einhauchte.

Einen wesentlichen Anteil am Erfolg der Matinee hatte freilich die bulgarische Pianistin Maria Prinz, nicht nur, weil sie in unglaublicher Einfühlsamkeit auf den Sänger einging und ihm dadurch zugleich Stütze und kongeniale Interpretin war. Auch ihre sympathische Zwischenmoderation, unangefochten von ausfallenden Mikrophonen und sonstiger Unbill wie von der Straße herein tönenden Auto-Sirenen und überfliegenden Rettungshubschraubern, tat ein Ihres, um das Verständnis des Publikums für die Spontaneität des Arrangements zu gewinnen.

Die beiden letzten Werke – die Arie des Jeletzki aus Tschaikowskys „Pique Dame“ schloss den offiziellen Teil des Programms ab, „Nemico della patria“ aus „Andrea Chenier“ von Giordano wurde aufgrund des anhaltenden Applauses noch draufgegeben – mochten als Einladung und Hinweis für das Publikum auf die beiden großen Premieren gemeint gewesen sein, bei denen Pinkhasovich in der kommenden Saison an der Wiener Staatsoper in Hauptpartien mitwirkt. Nach dem auch „darstellerisch“, aber vor allem natürlich stimmlich mitreißenden Verismo-Klassiker hielt es das Auditorium jedenfalls nicht mehr auf seinen Stühlen, und so mancher mag sich vielleicht staunend gefragt haben: „Und wie bitte singt dieser Mann, wenn er ausgeschlafen ist?“     

Valentino Hribernig-Körber

 

Diese Seite drucken