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KARLSRUHE/ Staatstheater: SALOME

09.07.2022 | Oper international

Karlsruhe: „SALOME“: Besuchte Aufführung am 08.07.2022

sall
Copyright: Felix Grünschloss

Nachdem ich die Premieren-Photos sah entschloss ich mich die Neuproduktion der „Salome“ von Richard Strauss am Badischen Staatstheater zu ignorieren – jedoch erlebte ich kürzlich Miriam Clark im Leipziger „Rienzi“ als schönste Stimme des Abends und dachte diese grandiose Sängerin als Salome nicht zu erleben wäre unverzeihlich, ebenso den Gast-Herodes zu versäumen. Im Laufe der letzten Jahrzehnte ließen wir Opernfreunde schon so manche Regie-Flops über uns ergehen nun siegte erneut die Liebe zum Komponisten, die Neugierde auf die musikalischen Komponente. Das Trio aus Absurdistan Sláva Daubnerová (Regie), Boris Kudlicka (Bühne), Cedric Mpaka (Kostüme) fanden sich zum sträflichen  Werk-Abusus und seien lediglich zur Abschreckung erwähnt. Ich schloss  zuweilen die Augen und träumte von der vor wenigen Tagen erlebten Produktion in Kaiserslautern. Die nun heutige Optik zu beschreiben erachte ich als pure Materialverschwendung. Entschuldigung, was haben so manche Theatermacher eigentlich in der Birne, einem Publikum derartige dampfende Misthaufen vor die Nase zu setzen – einfach unverschämt! Intendanten welche diesen groben Unfug mutwillig zulassen, sollte man endlich die Subventionen kürzen oder ganz streichen.

Nun jedoch zum Erfreulichen und der Abend war wenigstens teils gerettet. Miriam Clark war mir noch während ihres Engagements im NT Mannheim als hervorragende Norma-Aida-Leonora sowie als großartige Kaiserin in bester Erinnerung, nun erweiterte die ehrgeizige Sopranistin ihr Strauss-Repertoire mit Salome. Nun muss ich gestehen, im Vergleich meiner langen Liste der Salome-Interpretinnen durfte ich Clark unter den Lyrischsten einordnen.

Gewiss entsprach sie vom Stimmtyp den einstigen Vorstellungen des Komponisten, doch wirkte ihr Sopran in meinen Ohren zuweilen überfordert, dachte so bei mir, die Stimme wäre ideal als Daphne, Arabella oder Chrysothemis? Salome kam etwas zu früh? Überlegungen welche jedoch nicht mir obliegen sondern allein im Bereich der Künstlerin liegen. Angesichts der skurrilen Regie-Überforderungen, der orchestralen Dominanz sang Clark ihren Part mit bewundernswerter Noblesse, kultiviert, herrlich melodiös erklang ihr schönes Belkanto-Timbre. In Momenten in welchen die Partie nach innen gewandt, wo das von Strauss hinein komponierte Fragile zum Ausdruck kam, wirkte die Sängerin unschlagbar zerbrechlich, mädchenhaft im vokalen Pathos.

Wenn man bedenkt, dass Jochanaan während seiner gesamten Szene halbnackt an Armen und Füßen unbeweglich am (elektrischen?) Stuhl arretiert seinen Part absolvieren musste (einer weiteren Regie-Schandtat) erhielt die Vokalleistung von Thomas Hall doppelte bedeutungsvolle Dimensionen. Mir erschien sein prägnanter, markant-viriler Bassbariton noch imposanter als vor wenigen Tagen am Pfalztheater, die Aufschwünge seiner metallisch höhensicheren Stimme noch voluminöser, kurzum einfach exaltierter. Chapeau!

Vincent Wolfsteiner erlebte ich vor wenigen Jahren als großartigen Tristan, Siegmund, Siegfried und letztlich in Berlin als Herodes, ein Tetrarch fernab der bisher gewohnten Charakterstudien sang er den ebenso von der Regie gebeutelten Stiefvater mit bemerkenswert-intakten tenoralen Facetten. Ebenso im Vollbesitz ihrer Sopran-Nuancierungen profilierte Christina Niessen die Herodias. Schwärmerisch mit tenoralem Glanz umwarb Narraboth (Nutthaporn Thammathi) die angebetete Salome. Im satten Mezzotönen warnte Zsófia Mózer als Page weitsichtig vor dem Unheil.

Vokal homogen zeterten die fünf Juden (Torsten Hofmann, Merlin Wagner, Harrie van der Plas, Eleazar Rodriguez, Yang Xu) als Vertreter der großen Weltreligionen. Gut bei Stimme vernahm man ebenso die Nazarener, Soldaten, Cappadocier, Sklavin (Vazgen Gazaryan, Florian Tavic, Nathanael Tavernier, Yang Xu, Henriette Schein.

Jede Menge unnötiger Tänzerinnen und Statisten bevölkerten zusätzlich die Bühne.

Zwar auf Differenzierungen und klangexotische Details der Partitur bedacht führte Georg Fritzsch die nicht immer sauber intonierende jedoch vehement aufspielende Badische Staatskapelle durch den schillernden Strauss´schen Klangkosmos, setzte zuweilen zum Leidwesen der Solisten mehr auf brachiale Fortissimo denn umsichtiger Tempi oder feingliedriger Balancen.

Bravorufe für Solisten und Orchester sowie herzlichen Applaus des Publikums.

 

Gerhard Hoffmann

 

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