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KARLSRUHE / Händel-Festspiele: TESEO von G.F.Händel

25.02.2016 | Oper

Händel-Festspiele 2016 in Karlsruhe: „Teseo“ (Vorstellung: 24. 2. 2016)

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Flavio Ferri-Benedetto als Egeo, König von Athen, mit Roberta Invernizzi als Medea (Foto: Falk von Traubenberg)

Die heuer wiederaufgenommene Oper „Teseo“ von Georg Friedrich Händel wurde im vergangenen Jahr vom Publikum und der Presse zu den besten Produktionen der letzten Jahre erklärt. Kein Wunder also, dass jede Vorstellung im Badischen Staatstheater Karlsruhe ausverkauft ist. Das fünfaktige Werk mit dem Untertitel Dramma tragico, dessen Libretto Nicola Haym nach Thésée von Philippe Quinault verfasste, wurde 1713 in London uraufgeführt und wurde in Karlsruhe in italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln gebracht.

Die mythologische Geschichte um Theseus, Medea und Aigeus, dem König von Athen, wird in der Inszenierung von Daniel Pflüger zur Freude des Publikums nicht in eine andere Zeit verlegt, sondern stilgerecht mit künstlerisch gestalteten Videosequenzen (Video: Benedikt Dichgans, Philipp Engelhardt) dargebracht. Im Programmheft der Händel-Festspiele ist ein lesenswertes Gespräch des Regisseurs mit dem Operndramaturgen Boris Kehrmann unter dem Titel Feier des Gefühls abgedruckt. Daraus ein paar Zitate: „Ich sehe diese Art Oper nicht, sondern spüre sie. … Sie bietet einen Freiraum zwischen den Noten, den man mit seinen eigenen Sehnsüchten, Gefühlen, Bildern füllen kann. Darum funktioniert sie gerade für meine Generation unglaublich gut. Ist es ein Wunder, dass die HÄNDEL-FESTSPIELE immer ausverkauft sind? Barockmusik spricht etwas in uns an, das wir in anderen Formen von Musik nicht finden. … In der Mythologie steckt viel mehr Möglichkeit der Reflexion als in der Psychologie.“

Die mit wenigen Requisiten auskommende Bühnengestaltung oblag Flurin Borg Madsen, die passenden Kostüme entwarf Janine Werthmann unter der Mitarbeit von Kerstin Griesshaber. Für die kreativen Lichteffekte sorgte Rico Gerstner.

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Teseos Geliebte Agilea (Yetzabel Arias Fernández) in der Gewalt von Medeas Geistern (Foto: Falk von Traubenberg)

Auffallend war die gute Personenführung der Regie, wodurch der Spannungsbogen während der fünf Akte nie abfiel. Dazu kam, dass das Sängerensemble auch schauspielerisch stets eindrucksvoll und mit ausdrucksstarker Mimik agierte. In der Titelrolle überzeugte der rumänische Countertenor Valer Sabadus mit seiner prachtvollen Stimme. Seine Arie im zweiten Akt, mit der er die Augen seiner Geliebten Agilea besang, war von einer selten gehörten Innigkeit und beinahe himmlischer Klangschönheit, die das Publikum zu verzaubern schien. Man hätte in dieser Stille eine Stecknadel fallen gehört!

Agilea wurde von der kubanischen Sopranistin Yetzabel Arias Fernández dargestellt, die zu Anfang ein wenig unsicher wirkte, aber danach stimmlich voll überzeugte und eine makellose Leistung bot. Exzellent die italienische Sopranistin Roberta Invernizzi in der Rolle der Medea. Ihre Klage- und Wut-Arien waren von solch inniger Trauer beziehungsweise wilder Leidenschaft beseelt, die das Publikum regelmäßig zu Beifallsstürmen hinriss.

Als Egeo, König von Athen, wartete der junge italienische Countertenor Flavio Ferri-Benedetti mit starker Bühnenpräsenz auf. Er spielte den eitlen König hervorragend und beeindruckte mit seiner großen stimmlichen Bandbreite. Nicht minder eindrucksvoll auch der dritte Countertenor Terry Wey in der Rolle des Arcane, eines Vasalls des Königs. Zu Beginn wirkte er zurückhaltend in Spiel und Stimme, doch überzeugte er im Laufe des Abends voll. Beeindruckend seine Innigkeit in seiner Arie zu Beginn des vierten Aktes und sein herzerfrischendes Spiel in den Szenen mit seiner Geliebten Clizia, die von der deutschen Sopranistin Larissa Wäspy mit großem Temperament gespielt wurde.

In der kleinen Rolle des Priesters der Minerva konnte der junge türkische Bariton Mehmet Altiparmak vom Opernstudio des Badischen Staatstheaters sein Talent unter Beweis stellen. Er wirkte auch im Chor der Athener mit, der als Volk Teseo von einer Loge aus huldigte. Das  Orchester Deutsche Händel-Solisten, das sich aus Spezialisten der europäischen Musikszene zusammensetzt und große Erfahrung in historischer Aufführungspraxis hat, wurde von Michael Form geleitet, der jahrelang als musikalischer Leiter des Barock-Festivals Winter in Schwetzingen durch Neueinstudierungen unbekannter Vivaldi-Opern auf sich aufmerksam machte.

Das begeisterte Karlsruher Festspiel-Publikum, das nach fast jeder Arie reichlich Beifall spendete, überschüttete am Schluss das Sängerensemble sowie das Orchester und seinen Dirigenten mit stürmischem Applaus und vielen Bravo-, Brava- und Bravi-Rufen. Schließlich gab es vom Großteil des Publikums noch Standing Ovations.

 

Udo Pacolt

PS: Für Interessierte an den Händel-Festspielen die Opern-Termine 2017: Wiederaufnahme von Arminio am 24. 2. 2017 (weitere Vorstellungen am 26. 2. & 1. 3. 2017)  – Neuinszenierung von Semele am 17. 2. (Premiere) + 19., 23., 25. & 28. 2. 2017.

 

 

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