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KARLSRUHE/ Badisches Staatstheater: ELEKTRA

Galavorstellung mit Catherine Foster und Waltraud Meier

17.03.2019 | Oper

Bildergebnis für catherine foster
Catherine Foster. Foto: Uwe Arens

KARLSRUHE

„ELEKTRA“ 16.3. 2019. Galavorstellung mit Catherine Foster und Waltraud Meier  

Was in aller Welt ist in den Karlsruher GMD Justin Brown bloß gefahren, daß er die „Elektra“-Gala derart das Trommelfell gefährdend wiederzugeben glaubte? Dabei wurde doch sein  ganz im Sinne des Schöpfers überaus sensibles Dirigat anlässlich der Premiere Ende Jänner von mehreren Seiten besonders hervor gehoben. Unwillkürlich kam mir die Karikatur nach den Erstaufführungen um 1910 in den Sinn, als über eine„elektrische Hinrichtung“ der Zuhörer gelästert wurde. Lediglich in der zentralen Auseinandersetzung zwischen Elektra – Klytämnestra sowie der Erkennungsszene Elektra – Orest war er bereit, das Orchester (hervorragend an allen Pulten die Badische Staatskapelle) zurückzunehmen und für zeitweilige Hörwonnen zu sorgen.

Für uneingeschränkte Begeisterung sorgte indes der Gaststar Catherine Foster, die die Wahnsinnspartie der Elektra mit einer Leichtigkeit sang, dass einem der Mund offen blieb. Sie ordnete sich perfekt dem Regiekonzept Keith Warners unter und zeigte auf, dass eine Elektra nicht nur aus hinaus geschleuderten Trompetentönen bestehen muss. Fosters herrlich aufblühende Stimme scheint schlackenlos, ohne Verhärtungen und schriller Töne ihrem Körper zu entströmen. Eine fabelhafte Leistung, die vom Publikum auch gebührend gewürdigt wurde. Gaststar Nr. 2 war (anstelle der ursprünglich angekündigten Agnes Baltsa) Waltraud Meier, in diesem Fach nach wie vor eine Ausnahmeerscheinung. Ein Bild von Eleganz, eine großartige Schauspielerin mit einer nach wie vor intakten Stimme. Beeindruckend! Wie schon bei der Premiere, sang auch diesmal wieder  Sarah Cambidge die Chrysothemis und konnte (mich) mit ihren ungezügelten Angriffen auf die Hörorgane gar nicht beglücken, zumal die Stimme auch keinerlei Strauss-typisches Qualitätstimbre besitzt. Ganz große Klasse war hingegen Renatus Meszar– ein Orest wie aus dem Bilderbuch, ein wahrlich festspielwürdiger Sänger mit schönem, kernigem Bassbariton. Die Erkennungsszene zwischen ihm und Frau Foster wurde von beiden besonders intensiv und berührend gestaltet, dieser Moment der Menschlichkeit wird lange nachwirken. Hochkarätig besetzt waren auch die mittleren und kleineren Rollen: Mathias Wohlbrecht gab einen herrischen, stimmpotenten Aegisth, die teilweise aus einem Lautsprecher (!!) übertragene Eingangs- und Folgeszene der Mägde wurde von Ariana Lucas, Luise von Garnier, Jennifer Feinstein, KS Barbara Dobrzanska und Jessica Muirhead a. G. stimmlich fein differenziert wiedergegeben. Christina Niessen (Aufseherin), Dagmar Landmann (Vertraute), Cornelia Gutsche (Schleppträgerin), Yang Xu (Pfleger des Orest), James Edgar Knight (junger Diener), Luiz Molz (alter Diener) ergänzten das Ensemble vorteilhaft.

Regisseur Keith Warner wurde vermutlich von der zurzeit in Karlsruhe stattfindenden Ausstellung über den Mythos Mykene inspiriert. Er verlegte die Handlung in ein Museum (auch schon ein alter Hut!) mit antiken Gegenständen, das von Personen der Gegenwart besucht wird. Eine Besucherin (Elektra) lässt sich im Museum einsperren und erlebt in der Nacht das Attriden-Drama. Neben äußerst fesselnden Szenen sorgte so manches für Kopfschütteln (z. B. das mehrmalige Hin- und Hergeschiebe einer Küche! – Klytämnestras Reich ? sowie Chrysothemis’ Jungmädchenzimmer). Hofmannsthals, auf Sophokles basierendes Drama sollte stark genug sein, um auf derartige Mätzchen verzichten zu können.

Ungetrübte Zustimmung, Jubelstürme,  vor allem für die Damen Foster und Meier.

Dietmar Plattner

 

 

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