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KARLSRUHE/ Badisches Staatstheater: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER. Premiere

11.12.2022 | Oper international

Karlsruhe: Der Fliegende Holländer 10.12. 2022   Premiere

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Dorothea Herbert (Senta). Foto: Arno Kohlem

Das Staatstheater Karlsruhe kommt mit einer Neuinszenierung des Fliegenden Holländers heraus. Man wundert sich über wenig Bühnenbild. Meereswellen werden durch auf die Bühne flatternde Vorhänge versinnbildlicht, die Seile eines nicht vorhandenen Schiffs werden aus einem demolierten Flügel  als Saiten von den Blaumännern herausgezogen und Kapitän Daland damit auf dem Klavier schnell hin- und herbewegt. Im Vorspiel diente es zwei KinderstatistInnen Senta und Holländer (Ida Müller, Leonard Kloes) in Frack-Anzügen dazu, sich mit Noten daran zu erproben, am Ende stehen die leiblichen Protagonisten auf der leeren Bühne, und die dämolierten  Klavierbestandteile hängen vom Bühnenhimmel herab. Soweit die Regie-Idee von Ludger Engels, die er mit seinem Team Volker Thiele/Bühne und Heide Kastler/Kostüme eingebracht hat.

Die Musik wird von GMD Georg Fritzsch im Ganzen sehr schnell genommen und kommt auf eine pausenlose Dauer von 2 1/4 Stunden. Besonders im 3.Akt hätte man sich aber auch etwas langsamere Gangarten gewünscht. Die Badische Staatskapelle spielt hingegen einen sehr guten frühen Wagner, was Dramatik und hintergründige Düsterheit angeht. Besonders die vier Hörner können durch butterweich romantisches Spiel klanglich überzeugen.

Dagegen verbreitet die Szene Biederkeit, wenn im Mittelakt eine Art Ikea-Ausstattung mit weißen Schreibtischen, auf der einen Seite mit  Nähmaschinen darauf, und dahinter eine kleine Bühne wieder mit einem diesmal heilen Flügel darauf, gezeigt werden.  Die Frauen tragen grelle rote Tüllkleidchen, bonde Toupets und große dreieckig gestylte Brillen und erwarten so die Rückkunft  des Patrons Dalands, der mit der Reisetasche des Holländers, in der der  Schmuck drin ist, auftaucht. Senta ist als verstocktes Popkind, das kaum stillhalten kann, und im schwarzen Trainingsanzug samt Kapuze gezeichnet. Dazu trägt sie ein Holländer-Fotoalbum spazieren. Der Holländer in schwarzglänzender Jacke hat bei ihr leichtes Spiel, wobei die ganze Bühne für ihren Disput genutzt wird. In selbiger Szenerie dann der Steuermanns-Chor, immer auch mit den Frauen als Showgirls  in einer unbändigen Hochzeitsfeier, bis die schwarzen Männer des Geisterchors links und rechts, aber geordnet, hereinplatzen und bei den ‚Christlichen‘ Chaos verursachen. Die Feierlaune schlägt in Wut und Aggressivität um,und besonders Senta demoliert die schöne Ikeaeinrichtung  und reißt die Bühnenvorhänge herunter. Interessant, dass es am Ende auch mal für sonst gar nicht verfremdete Aufführungen einige Regie-Bus gibt.

Die Herrenchöre, die von Arbeit-shirts als Matrosen bei der Feier zu ärmellosen Shirts wechseln, bieten durchweg kraftvollen natürlichen Gesang, während die Damen in der Spinnszene einen doch sehr manierierten Gesangsstil pflegen. Später fügen sie sich aber gut in den Chorklang ein, dominieren ihn auch teilweise (zusammen mit Extrachor).

Den  Daland gestaltet Konstantin Gorny mit seinem kernig voluminösen Baß bei sehr ausdrucksvoller Stimmgebung, dabei spielfreudig und kantig, gar kein ‚gepflegter‘ Spielbass. Die Senta der Dorothea Herbert kommt  beim Höhepunkt ihrer Ballade und bei den Steigerungen ihrer exaltierten Gesänge am Ende doch zu kleinstimmig herüber, sonst ist ihr Sopran angenehm timbriert und trägt auch gut bei dem interessanten Rollenporträt. Der Erik Mirko Roschkowski ist ein wunderbar singender lyrischer Tenor, der in seinen beiden Arien zu glänzen vermag. Ähnliches gilt für den Steuermann Michael Porter, dem aber gefühlt eine Strophe seines Liedes abhanden kommt, wohl um noch schneller ‚durchzukommen‘, und der in der Chaotik des 3.Aufzugs eher ganz untergeht. Die Mary singt Julia Faylenbogen, herausstechend kraß in rotem Minirock und sich bei allen Mädchen einmischend, aber mit gut über die Rampe kommendem Mezzo.

Den Holländer wünscht man sich natürlich dämonischer als Thomas Hall (auch er wie alle SängerInnen außer K.Gorny Gäste) es vermag. Mit langen Haaren entspricht er zwar dem Klischee, wirkt aber im Gegensatz zu Gorny zu zahm und lieb. Auch ist er ein angenehmer Bariton,  der aber seine Stimme nicht in Regionen hineinsteigert, die bei der Emphase, die er ausstrahlen soll, unumgänglich erscheinen.                                  

Friedeon Rosén

 

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