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KARLSRUHE/ Badisches Staatstheater: BREAKING THE WEAVES von Missy Mazzoli. Premiere

19.01.2026 | Oper international

Karlsruhe: Breaking the Waves von Missy Mazzoli, 18.1.2026, Premiere 

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Foto: Felix Grünschloss

Im Kleinen Haus des Staatstheater Karlsruhe wurde jetzt die Oper ‚Breaking the Waves‘ gespielt, die 2016 in Philadelphia uraufgeführt und 2017 bei den International Opera Awards als beste Uraufführung nominiert wurde. Es ist seither nicht die einzige erfolgreiche Oper von Missy Mazzoli,die bei der Karlsruher EA persönlich zugegen war. Diese Oper auf ein Libretto von Royce Vavrek erinnert vom Sujet her, und weil auch das Meer eine nicht unwichtige Rolle darin spielt, an B.Brittens „Peter Grimes“ und „Billy Budd“. Die Komponistin stellt aber klar,dass für sie die eigentliche Inspiration der gleichnamige Film von Lars von Trier gewesen ist.

Bess lebt in einer streng calvinistischen Gemeinde an der Küste Schottlands und verliebt sich in einen Fremden Jan, der auf einer Ölbohrinsel arbeitet Nach der Hochzeit lässt sie ihn nur widerwillig fort, da sie vielleicht das Unglück vorausahnt: Jan wird bei der Rettung eines Arbeitskollegen zum Querschnittsgelähmten! Auf dem Krankenbett schlägt er ihr vor, mit anderen Männern zu schlafen und ihm davon zu erzählen. Nach erster Spontanablehnung tut Bess es aber und gibt sich Männern des Dorfes hin, auch dem Arzt, sogar bei laufender Radio-Rockmusik. Die Dorfbevölkerung stellt sich aber gegen sie und schließt sie aus der Gemeinschaft aus. Am Ende sucht sie den Tod von sadistischen Seeleuten, da auch Jan verstirbt.

Mizzy Mazzoli schreibt dazu eine packend dramatische, äußerst farbige Musik, die aber durchgehend tonal verbleibt. Besonders fällt eine einschneidende Behandlung von Klanggeräuschen auf, aneinander geriebenen Steinblöcke, rhythmisches Kettengerassel und dröhnender Glockeneinsatz begleiten in gnadenlos zuspitzender Weise die sich immer düsterer gerierende Handlung. Es ist eine so nie gehörte, wie ins musikalische Mark eingewobene Percussion.

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Foto: Felix Grünschloss

Der Regisseur (auch Lightdesign) Christoph  von Bernuth möchte sich der Filmvorlage annähern, indem er die verschiedenen Orte, Wohnzimmer der Mutter, Kirchen-, Kranken- und Arztraum auf der Bühne (Oliver Helf) nebeneinander setzt,indem sie auch simultan bespielt werden können. Darüber befindet sich die „Bohrinsel“, wobei die Arbeit der Bohrmänner zuvorderst in einer eindrücklich ausgefuchsten Regie plausibel gemacht wird.Die Kostüme sind schöne Kleider für Bess, die auch in Unterwäsche und als ‚Hure‘ in rotem Ledermini und Netzstrümpfen auftritt. Die Mutter und Dodo sind dezenter gewandet, aber nicht einheitlich schwarzgrau wie die Männer und Kirchenbesucher (Tatjana Ivschina).

Die musikalische Wiedergabe ist wunderbar gestaltet mit der Badischen Staatskapelle unter dem bedächtigen bis enthusiastischen Dirigat von Giuseppe Barile. Der Staatsopernchor erscheint klanglich gut prononciert (E.: Ulrich Wagner). Young und Sadistic Sailor sind in tollen Ledermonturen Wei Liu und Dylan Glenn, Councilman Liangliang Zhao. Terry ,einen Feund Jans, gibt gewievt  Ogulcan Yilmaz. Dr. Richardson erscheint in Gestalt von Matthias Wohlbrecht baritonal sehr sonor und präzis ausgehört. Barbara Dobrzanska glänzt wieder einmal in der Rolle der Mutter, kann aber das tragische Ende auch nicht verhindern. Marie-Sophie Janke ist eine sehr quicke und lustige Gefährtin im buntgescheckten Kleid. 

Tomohiro Takada erscheint als ein exzeptioneller Bariton mit großem Stimmumfang und vielen Schattierungen seines festen gleichzeitig weich einschmeichelnden Timbres. Besonders auch in der über weite Strecken hochfixierten Stellung seines Krankenlagers.

Die Schwägerin Dodos Bess McNeill beherrscht in der Gestalt Martha Easons aber die Szene völlig. Sie wirbelt auf der Bühne und im Zuschauerraum herum und ist völlig überzeugt von sich und will immer, von ihrer Liebe beherrscht uneigensüchtig  das beste tun und bewirken. Das drückt sie auch phänomenal in ihrem splendiden Sopran aus, den sie in einer selten erlebten  Weise total in die Waagschale wirft.Bis in höchste Lagen kann sie ihr prunkendes Timbre in manchmal quasi veristischer Weise versprengen. Man möchte sie gerne in Opernpartien der 20er Jahre und auch in modernen Opern (Henze, Reimann, Glanert etc) erleben.

Friedeon Rosen

 

 

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