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JURASSIC WORLD: DAS GEFALLENE KÖNIGREICH

07.06.2018 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 7. Juni 2018
JURASSIC WORLD: DAS GEFALLENE KÖNIGREICH
Jurassic World: Fallen Kingdom / USA / 2018
Regie: Juan Antonio Bayona
Mit: Bryce Dallas Howard, Chris Pratt, Toby Jones, Jeff Goldblum, James Cromwell, Geraldine Chaplin u.a.

Man kann auch Dinosaurier melken – an der Kinokasse nämlich. Steven Spielberg hat die „Marke“ namens Jurassic Park einst erfunden, hat die Dinos in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts dreimal (als Goldgrube) auf die Leinwand gebracht. Und 2015 ist man mit „Jurassic World“ wieder auf das Thema aufgesprungen. Wenn man sich recht erinnert, ist der Disneyworld-artige Themenpark um lebende Dinosaurier, den man auf der „Isla Nublar“ bei Costa Rica aufgebaut hatte, am Ende des letzten Films zerstört worden. Was niemanden daran gehindert hat, nun eine Fortsetzung zu drehen… Selbst, wenn man eigentlich nicht weiß, was man erzählen will.

Sind die (aus der Retorte neu geschaffenen) Dinosaurier nun „gut“ oder „böse“, eine erhaltenswerte Spezies oder eine Gefahr für die Menschheit? Immerhin darf Jeff Goldblum als Wissenschaftler uns zu Beginn und am Ende des Films (vor einem Kuratorium) eine Rede dahingehend halten, dass wir uns auf eine genetisch veränderte Welt eingelassen hätten, deren Folgen wir nicht übersehen können… Dürfte ja stimmen, aber schlichte, allerschlichteste Hollywood-Unterhaltung ist vielleicht nicht das Medium, diese beängstigende These zu diskutieren. Geschieht auch nicht.

Da dieser Film mehr oder minder unmittelbar an den vorigen anschließt, gibt es zum Wiedererkennen die zentralen Figuren: Da ist Claire Dearing (Bryce Dallas Howard), einst idealistische Leiterin des Parks, nun noch immer mit der Rettung der Dinosaurier befasst; ihr damaliger Freund Owen Grady (Chris Pratt), der Dino-Flüsterer oder Dino-Dompteur, wie immer man es nennen will: und Dr. Wu (BD Wong), der böse Wissenschaftler. So etwas braucht man immer.

Der Rest der Mannschaft musste für eine neue Story neu aufgestellt werden, und das war gar nicht so schwierig, es verläuft alles in den üblichen Bahnen: Da ist der gute sterbende Millionär (James Cromwell), der für die Rettung der Dinos gewonnen werden kann, aber sein Sekretär Mills (Rafe Spall) ist natürlich ganz böse und will hinter dessen Rücken sein eigenes Süppchen kochen. Da gibt es auch noch die herzige Enkelin Maisie (Isabella Sermon), die in Geraldine Chaplin eine persönlichkeitsstarke Gouvernante erhält und später natürlich in Lebensgefahr gerät… wie auch anders.

Da braucht man auch noch lustige und sympathische Gestalten – die Dino-Ärztin Zia (Daniella Pineda) bekommt weniger zu tun, der junge Computer-Spezialist Franklin (Justice Smith), der sich so drollig vor allem fürchtet (man kann es ihm nachfühlen), mehr.

Wenn dann also, um zur Handlung zu kommen, die auf dem ehemaligen Park-Areal nun wild lebenden Dinosaurier Gefahr laufen, bei einem Vulkanausbruch vernichtet zu werden, ist Claire bereit, alles für deren Rettung zu tun, und der Millionär stimmt zu. Aber böse Menschen (darunter Toby Jones als gewissenloser Händler) sind zu jeder Schandtat bereit, um die Tiere zu fangen, an Freaks zu verkaufen oder ihre DNA zu verwenden, um aus ihnen tödliche Waffen zu züchten…

Haben brutale  Jäger (an der Spitze Ted Levine) die Dinosaurier einmal eingefangen, wird der Film zur Brutalitätsorgie, und Regisseur Juan Antonio Bayona (bekannt geworden mit einem Tsunami-Katastrophenfilm) kann das. Die Versteigerungs-Show der Riesen wird zur Apokalypse, wenn sie dann doch losgelassen werden (sie sind bekanntlich stärker als man denkt, Gitter halten sie auf die Dauer nicht auf). Menschen gegen Tiere, Tiere gegen Tiere, das Schlachtfest beginnt. (Dabei muss man zwischen guten Dinos und bösen Dinos unterscheiden – Owen Grady hat schließlich schon im vorigen Film Dino-Liebling „Blue“ handzahm gemacht… damit das Tierchen gegebenenfalls zur Rettung der Menschen-Freunde herbeizischen kann. Wie das in Filmen, die auf das geistige Niveau von Kindern abzielen, schon mal so ist.)

In IMAX-Größe und mit 3 D-Brillen bewaffnet, vergräbt man sich in dem Kinosessel, so nahe kommen die entsetzlichen Riesenköpfe mit den furchtbaren Gebissen und dem bedrohlichen Gebrülle, und man kann nur froh sein, dass man am Ende nicht zu den Opfern gehört, die sie durch die Lüfte schmeißen, bevor sie sie schmatzend zerkauen… Das ist ein echtes Horrorspektakel mit wüsten Szenen, und die Dinos wirken so echt, als kämen sie wirklich um die Ecke und nicht aus dem Computer.

Glücklicherweise wissen die Tiere immer, dass sie im Ernstfall nur die Bösen fressen dürfen und die Guten übrig bleiben müssen. Und man verrät wohl nichts Unerwartetes, wenn man das Weiterleben der Dinosaurier verkündet – wild verstreut auf der Erde. Da werden sie zweifellos genügend Probleme machen, dass der nächste Film unvermeidlich ist. Der Starttermin mit Sommer 2021 steht jedenfalls schon fest…

Renate Wagner

 

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