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Johannes Sachslehner: BAD ISCHL

04.03.2013 | buch

Johannes Sachslehner: 
BAD ISCHL
K.u.k. Sehnsuchtsort im Salzkammergut
216 Seiten, Pichler Verlag 2012 

Im Anfang war das Salz, erst als aus Ischl im Salzkammergut das „Bad Ischl“ wurde, begann sein Ruhm. Er strahlte zu den Zeiten der Monarchie besonders hell – so sehr, dass er bis heute nachwirkt. Kaiservilla und Konditorei Zauner zählen zum „Muss“ jedes Besuchers des Ortes, und Johannes Sachslehner zeigt in einem wunderschönen, auf kostbarem Hochglanzpapier gedruckten und historisch reich bebilderten Buch, was es mit Bad Ischl, den Habsburgern und anderen Promis auf sich hat – den Liebesgeschichten Arthur Schnitzlers in Ischl etwa folgt er (mit Hilfe von dessen Tagebüchern) bis ins amüsant-lüsterne Detail…

Dass Ischl für die Kaiserfamilie solche Bedeutung gewann, erklärt sich auch daraus, dass Erzherzogin Sophie nach mehreren Fehlgeburten mit Hilfe der Ischler Solebäder ihre Söhne bekam – so heißt es zumindest. Kaiser Franz Joseph, der die meisten Sommer seines Lebens in Ischl verbrachte, wurde also hier gezeugt, und da er hier auch noch seine Sisi traf, wurde es natürlich ein geradezu magischer Ort. Dass ein geschickter Hotelbesitzer sein Hotel dann „Kaiserin Elisabeth“ nannte, versteht sich, und auch von diesem gibt es viel zu erzählen. Wobei Sachslehner durchaus kein Hofberichterstatter und bloß freundlicher Geschichtenerzähler wäre: Dass Erherzherzogin Sophie sich persönlich auf die Spuren des Freigeistes  Konrad Deubler setzte und dafür sorgte, dass ihm für seine religionskritischen Schriften der Prozess gemacht wurde, rechnet der Autor der Kaiserinmutter zurecht übel an…

Franz Joseph kommt besser weg, wenngleich Sachslehner (auch das ist verständlich) für dessen Jagdleidenschaft, der er vor allem im Ischl frönte, wenig Verständnis aufbringen kann. Mit aller Ausführlichkeit wird die Ischler Hochzeit der Kaisertochter Marie Valerie geschildert, auch der bekannte „Rosenkrieg“ der beiden Stars Alexander Girardi und Helene Odilon, der sich teilweise in Ischl abspielte. Ebenso – wie schon erwähnt – Arthur Schnitzlers „Romanzen“ (sehr freundlich ausgedrückt) mit gleich mehreren Damen gleichzeitig und nebeneinander… Dabei war er doch eigentlich hierher gekommen, um seiner Lust am neuen Sport des Radfahrens zu frönen.

In Ischl war der „König von Siam“ (das gab es damals noch) zu Gast, in Ischl verunglückten der russische Fürst Gagarin und sein Sohn tödlich, als sie im harmlosen Bach von den Wasserfluten und Baumstämmen mitgerissen wurden, die die Holzfäller jeden Abend ins Tal schickten. In Ischl gab es die aus Holz errichtete Villa des Autors Oscar Blumenthal, auch „blutiger Oscar“ genannt, was auf die Zeit zurückging, als er noch Theaterkritiken schrieb… (!). Später hat er dem benachbarten „Weißen Rössl“, das er oft besuchte, einen Bühnendenkmal gesetzt, das selbst heute noch glänzt (vor allem, wenn man es nicht mutwillig beschädigt).

Kaiser Franz Joseph, der nach dem Tod seiner Frau die Schratt im Sommer in Ischl eingemietet hat, erhielt eine der vielen schlimmen Nachrichten seines Lebens hier: Nach der Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand musste er sich für den Krieg entscheiden. Das Telegramm, in dem er das Ultimatum an Serbien sanktioniert, trägt das Datum „Bad Ischl, am 28. Juli 1914“.

Für das Ischl der Nach-Monarchie-Zeit hat Johannes Sachslehner nur einen dreiseitigen Epilog, der nicht vergisst, wie schnell man dort 1938 einen „Adolf Hitler Platz“ bekam. Aber der Autor wollte ja den „K.u.k. Sehnsuchtsort“ schildern – und das ist ihm gelungen.

Renate Wagner

 

 

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