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JEAN-PHILIPPE RAMEAU: PYGMALION , Les Fêtes de Polymnie – apartemusic CD Les Talents Lyriques, Arnold Schoenberg Chor, Christophe Rousset

23.10.2017 | cd

JEAN-PHILIPPE RAMEAU: PYGMALION , Les Fêtes de Polymnie – apartemusic CD

Les Talents Lyriques, Arnold Schoenberg Chor, Christophe Rousset

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Die Erkundung der Musikgeschichte auf Tonträgern bewegt sich – zumindest was die Ära des frz. Barocks betrifft – erfreulicherweise auf einem erstaunlich hohen Niveau. Viele der bedeutendsten Opern Lullys, Rameaus, Charpentiers liegen dank des Engagements von Musikern wie Christie, Magloire, Leppard, Harnoncourt, Minkowski, Pichon, Haim oder Rousset in mustergültigen Einspielungen vor. Sogar von der selten gespielten Acte de ballet „Pygmalion“ von Rameau ist die im Theater an der Wien entstandene Aufnahme bereits die zehnte im Katalog. Rousset koppelt „Pygmalion“ mit der Suite d‘orchestre „Les Fêtes de Polymnie“ aus 1745.

Rameaus „Pygmalion“ erzählt und besingt – inspiriert von Ovids Metamorphosen – in fünf Szenen die skurrile Geschichte eines Bildhauers, der sich in eine von ihm selbst geschaffene perfekte Frauenskulptur verliebt. Venus soll zum Missfallen von Céphise, die selber gerne Pygmalion heiraten will, nicht nur in Pygmalion diese Leidenschaft erweckt haben, sondern sie lässt die Skulptur auch lebendig werden. Klar, dass die Liebe gegenseitig ist und bei (zwei) Tänzen das neue Glück ausführlich zelebriert wird. Das Stück wurde zuletzt bei den diesjährigen Innsbrucker Festwochen der Alten Musik aufgeführt. Udo Pacolt hat darüber beim Online Merker mit Begeisterung, zumal über die musikalische Leitung von Christophe Rousset, berichtet.

Rameau hat das Werk 1748 innerhalb kürzester Zeit verfasst. Das Ballett war auch ökonomisch ein Riesenerfolg. In dem kurzweiligen knapp 50-minütigen Einakter begegnen wir einem ausbalancierten Kondensat des innovativen Genies Rameaus. Cyrille Dubois verkörpert mit seinem unverwechselbaren höhenlastigen Charaktertenor höchst reizvoll unseren Titelhelden, Marie-Claude Chappuis darf als erboste Céphise dennoch charmantest flöten und gurren, Céline Scheen singt die Statue und Eugénie Warnier den wie immer intriganten, äußerst einfallsreichen Amor.

Christophe Rousset beweist mit seinen untadeligen Les Talents Lyriques wieder einmal, dass er zu den führenden Interpreten dieses exquisiten Repertoires aus dem 17. Jahrhundert gehört. Prächtiger barocker Klangreichtum, die deftige Bodenständigkeit der Tänze, Tempo, Lebenslust, artikulatorischer Humor und sprachlicher Witz, all das lassen die neue CD zum vergnüglichen Hörerlebnis werden. Endlich einmal leistbarer moussierender musikalischer Champagner für jeden Sonntagmorgen!

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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