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IVAN MAGRI – „Was man singt, muss man lieben“

08.06.2018 | Sänger

IVAN MAGRI debütierte als Einspringer für Juan Diego Florez als Duca in „Rigoletto“ (7.6.2018) an der Wiener Staatsoper

Das Gespräch führte Elena  Habermann am 9.6.2018 im „Cafe Oper“


Ivan Magri beim Gespräch. Foto: Dr. Johann Schwarz

Der aus Catania –Sizilien stammende junge Sänger Ivan Magri kommt aus einer sehr musischen Familie. Seine ersten Gesangsstunden erhielt er noch in seiner Heimatstadt, dann zog es ihn nach Mailand, um bei Giovanna Conetti und Vilma Borelli zu studieren. Auch mit Luciano Pavarotti konnte er noch privat arbeiten. Dieser bestärkte ihn darin, bei seinem natürlichen lockeren Gesangsstil zu bleiben, nie die Stimme künstlich verfärben und nur das singen, was leicht geht. Sein Debüt erfolgte in der Oper „Marino Faliero“ von Donizetti in Bergamo, in dieser Stadt ist nun auch sein Lebensmittelpunkt.

Die einzigen Comprimarirollen in der Anfangszeit sang er in Genua, den „Edmondo“ in „Manon Lescaut“ und den „Sposino- Arturo“ in „Lucia di Lammermoor“ in Bologna. Dann wurde sehr bald eine der ganz großen Lieblingsrollen der „Edgardo“ in dieser Oper. Sehr bald wurden auch die großen internationalen Häuser auf dieses junge Talent aufmerksam. Er sang fast an allen deutschen Häusern, in beiden großen Opernhäuser von Berlin, also fehlt nur die Komische Oper. 2020 schließt sich diese Lücke mit „La Traviata“. Als „Alfredo“ konnte er bereits an der Scala Milano gefallen. Selbstverständlich sang er in allen großen Häusern in Italien, natürlich auch in seiner Heimatstadt Catania „Rigoletto“. Diese Stadt ist wohl ein guter Boden für Tenöre, kam doch der große Giuseppe di Stefano, der natürlich auch neben Pavarotti und den anderen „Größen“ dieser Zeit, eine gewisse Vorbildwirkung für ihn hat. Vorbild ja, aber nie imitieren! An der Royal Opera Covent Garden London konnte man ihn bereits als „Nemorino“ erleben. Eigentlich hat er keine absolute Lieblingsrolle. Alles was er singt muss er lieben, sonst gibt es keine positive Energie und ohne diese geht gar nichts.

Nach Übersee geht es nach Houston und nach Sydney mit „La Boheme“, Einmal sang er auch in Canada, als Student mit einem Gastspiel des Conservatorio von Mailand ein Konzert in Montreal. Beeindruckend finder er das Riesenhaus in Buenos Aires, in dem man infolge der fantastischen Akustik völlig ohne Mikrophon singen kann. Der „Nemorino“ war dort ein sehr großer Erfolg. Gastspiele führten in auch nach Lima/Peru und Sao Paolo in Brasilien. Von den ganz großen internationalen Opernhäusern fehlt jetzt nach Wien nur noch die Met in New York. In den Staaten sang er in Miami, abgesehen von Houston. Ebenso ist er in Spanien ein sehr gern gehörter Gast. In Madrid kommt 2021 Alfredo, in Valencia sang er an der Seite von Domingo in „I due Foscari“.und „Simone Boccanegra“. Auch erinnert er sich sehr gerne an die Zusammenarbeit mit Leo Nucci in Zürich für „Luisa Miller“. Nucci ist ein fabelhafter Kollege, der durch seine Erfahrung sehr viel weiter geben kann. Auch Cavaradossi (Tosca) singt er gerne, weil er davon überzeugt ist, dass er viele schöne Piani in dieser Rolle zeigen kann. Wirklich starkes Forte braucht man nur bei „la vita mi costasse…“ und „Vittoria“.   

Es gibt auch bereits einige Einspielungen auf CD. Luisa Miller mit Marina Rebeka und eine absolute Rarität „Atahualpa“ von Carlo Enrico Pasta. Dieser war ein Zeitgenosse von Giuseppe Verdi. Ivan Magri schwärmt von dessen Musik, die teils sehr belcantesk, aber auch teils doch schon etwas veristisch klingt. Diese Oper würde er gerne auch einmal szenisch singen. Es laufen Gespräche, also vielleicht kann es etwas werden. 

Für das Wiener Haudebüt hatte er kaum Zeit nervös zu sein. Er kam zwei Tage vor der Aufführung direkt aus Lissabon nach Wien und absolvierte auf der Probebühne rasche Einweisungsproben, an seiner Seite natürlich die Kollegen wie Paolo Rumetz. Sehr glücklich ist er über die Zusammenarbeit mit Marco Armiliato am Pult. Er gibt soviel Sicherheit durch sein Können und durch seine so positive Ausstrahlung. Ebenso schätzt er Evelino Pidò, von dem man immer etwas lernen kann. Die Arbeit an der Wiener Staatsoper gefällt ihm außerordentlich gut, er freut sich immer über freundliche Gesichter und nette Menschen um ihn herum. Speziell in Wien fand er all dies und wie sehr sie alle um ihn bemüht waren, von der Maske über den Korrepetitor bis zum Inspizienten. Gerne würde er in nächster Zeit wieder kommen. Dieses Debüt widmete er seiner viel zu früh verstorbenen Mutter, die genau an diesem Tag Geburtstag gehabt hätte.

In Bergamo wartet die Familie auf ihn, speziell kleine Emily, die schon mit zwei Jahren nur tanzen will. Sehr bald kann sie sich über ein Geschwisterchen freuen. Der Familienmensch Ivan Magrri kam mit seinem jüngsten Bruder zum Gespräch ins Cafe Oper. Dieser Bruder studiert in Milano und will bald ein Konkurrent seines Bruders werden. 

Wir würden uns freuen, bald viele Rollen von dem so sympathischen Sänger in Wien erleben zu können.

Elena Habermann (Photo: Dr. Johann Schwarz)

 

 

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