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„ISPARIZ, eine Vision“ Die neue CD von Christina Meißner

05.08.2020 | cd

„ISPARIZ, eine Vision“ Die neue CD von Christina Meißner

 Hildegard von Bingen gilt als erste Vertreterin der deutschen Mystik des Mittelalters. Vielleicht ist es ihr Geist, der das CD-Projekt von der in Weimar lebenden Cellistin Christina Meißner nicht in Zeiten des Shutdowns sterben lies. „ISPARIZ, eine Vision“ heißt das Mitte Mai erschienene Album. Geboten wird eine Musik, die vom Mittelalter inspiriert und in das Jetzt oder besser in die Zeit- und Ortlosigkeit transponiert wurde. Eine Musik die Entschleunigt und in ihre Ruhe, trotz einer teilweisen Lebhaftigkeit, die die Musik enthält, einen zur Innerlichkeit kommen lässt. Urbane und fast mystische Momente mit einer großen Räumlichkeit, obwohl es nur eine Musikerin mit einem Violoncello ist.

„Ispariz“ bedeutet Geist und diesen will Christina Meißner bewahren und dieser beflügelte sie, für das von ihr eigens für das Violoncello arrangierte Gesänge der  Hildegard von Bingen mit zeitgenössischer Musik zu kombinieren. Dieser Ansatz ist ihr nicht fremd, denn als Mitbegründerin des Ensembles „klangwerkstatt weimar“, prägte Christina Meißner über sehr lange Zeit die künstlerische Qualität in dem Ensemble. Auch setzt sie mit dieser CD-Produktion ihren solistischen Weg fort, hat sie doch bereits fünf weitere CDs geschaffen. Mit den CDs spannt Christina Meißner den farbenreichen Bogen vom Mittelalter über die Renaissance bis zur Modernen.

Auf dieser CD teilt sie ihre Begeisterung zu den Gesängen und den Lehren von Hildegard von Bingen mit weiteren Menschen, die Verehrung von Hildegard von Bingen. Anders als Christina Meißner greift die 1931 in Tschistopol geborene Komponistin Sofia Gubaidulina nicht auf die Gesänge selbst zurück, sondern transformiert die Visionen von  Hildegard von Bingen in bizarre Klänge. Für Sofia Gubaidulina ist das Komponieren beten. Ihre Visionen spielt Christina Meißner auf ihrem Violoncello mit einer tiefen Inbrunst.

Viel jünger hingegen ist der schwedische Komponist Esaias Järnegard. Der 1983 geborene Järnegard widmete seine Dissertation den Techniken der Ekstase. „Klang als Zustand des Seins“ treibt ihn an. Seine Klangwelten sind geheimnisvolle Räume der Vergangenheit und der Gegenwart, die durch die Hände und den Cellokörper von Christina Meißner ins Schwingen versetzt werden.

Auch der 1988 in Norwegen geborene Martin Rane Bauck ist den Gedanken Hildegard von Bingen verbunden.  Er schenkt uns in seiner Komposition Freiheit und Kraft. „Die Luft, sie fliegt dahin“ zeigt welche Energie die Musik haben kann, auch wenn diese nur von einem Instrument und einer Musikerin gespielt wird.

Die 1985  geborene schwedische Komponistin Lisa Steich wird von tiefer Spiritualität angeregt und sie schenkt dieser CD zwei Kompositionen. Schmerz und innere Unruhe sind in ihren Werken deutlich wahrzunehmen.

Die längste Komposition auf der CD entstammt der Feder von  1979 in San Francisco geboren Joseph Andrew Lake. Mit der Komposition: „I am a clock“ beschreibt er die Einstellung zum inneren Ich.

Für mich ist es auch der ganze Geist dieser Musik, die Besinnung und das Selbsterleben. Die Musik bietet uns diese Erkenntnis und wenn wir uns hierauf einlassen, werden wir tief berührt. Es zeigt, dass die Selbstbesinnung keine Frage des Alters sondern die der Erkenntnis ist. Gerade in diesen Zeiten der Pandemie könnte die CD uns viel innere Ruhe geben. Ich  freue mich, dass ich diese CD entdecken konnte.

Luzern, den  5. August 2020

Olaf Schnürpel

 

 

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