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Irina LUNGU – eine vielseitige junge Künstlerin

15.09.2015 | Sänger

IRINA LUNGU – Gespräch mit einer sehr vielseitigen jungen Künstlerin

Interview im September 2015

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Irina Lungu. Copyright: Светлана Синявская / @LivingItaly

Die junge russische Sopranistin stammt aus Moldavien, wuchs aber in Russland auf. Auf meine Frage, ob ihr Name Lungu italianisiert wurde, nein, das ist kein sardischer Name, das ist ein rumänischer Name, der Großvater stammt aus Rumänien.

 Für sie war Musik immer das Zentrum ihres Lebens. Schon mit ganz jungen Jahren begann sie mit Klavier und einer Dirigierausbildung. Erst dann kam das Gesangsstudium in Voronezh bei Michael Podkopaev, einem russischen Bariton. Ihr Elternhaus war wohl musikalisch, aber die Oper war nie erste Sache, dafür wurde für Irina Lungu die Oper zur Religion.

Mit 23 Jahren ging sie nach Milano und konnte Riccardo Muti vorsingen. Er war sofort von der Stimme und dem Talent der jungen Künstlerin angetan und schon war sie im Studio der Scala aufgenommen und Leyla Gencer unterrichtete sie im Belcanto, gab ihr den Stil und auch die Tricks für dieses Fach auf den Weg mit. Ihre erste Rolle an der Scala sang sie unter Maestro Muti, die Anai in Rossinis Moise ed Pharao.

Durch die Arbeit bei Leyla Gencer wurde natürlich das große Belcantofach vertieft, sie lernte Rollen wie Parisina, und wurde dadurch auch neugierig auf selten gespielte Opern, wie zum Beispiel Ugo, Conte di Parigi. Ihre weiteren Donizetti Rollen sind natürlich Adina, Norina und Lucia. Vor ihrer Zeit in der Accademia gewann sie auch diverse große Wettbewerbe, war immer im Finale und belegte die Plätze von 1 – 3.

Nun ist Irina Lungu bereits 12 Jahre in der Karriere und weiß, dass sie mit dieser Belcantobasis alle Rollen singen kann, auch das von ihr sehr geliebte und angestrebte französische Fach, wie zum Beispiel zur Zeit die Juliette in Romeo et Juliette, die sie letztens in Verona  zur Begeisterung gesungen hat. Sie freut sich aber auch schon auf die Manon von Massenet die für Bilbao geplant ist.

Traviata Scala 2007 @Teatro alla Scala . ed Cavani
Irina Lungu als Violetta in „La Traviata“ (Teatro alla Scala): Foto: Ed Cavani

Ihre wichtigste Rolle ist aber die Violetta geworden. Ihre „hunderste“ sang sie in Cagliari. So ist sie froh, sich mit dieser Rolle erstmals an der Wiener Staatsoper zu präsentieren. Das Wiener Opernpublikum konnte sie bereits in der Produktion der Traviata des Theater an der Wien erleben. Ihre erste Violetta sang sie in Milano unter Lorin Maazel in der Regie von Liliana Cavani, später dann in Rom unter der Regie und Ausstattung von Franco Zeffirelli und nahm ungeheuer viel Wissenswertes zu dieser Rolle von diesem Altmeister auf. Auf Grund vieler weiterer Produktionen dieser Partie wächst die Rolle immer weiter und auch die Auffassung zu manchen Dingen kann sich ändern. Wichtig ist immer, seine Persönlichkeit mit einzubringen und das Publikum muss mitgehen und ergriffen sein, sonst macht es keinen Sinn. Die Violetta brachte sie auch wieder an die Scala Milano, sie ersetzte einen Abend Diana Damrau, das lief alles innerhalb weniger Stunden ab, von Probe keine Rede, kurzer Blick in die DVD, ein paar Worte von der Abendspielleitung und ab ging es ins Abenteuer. Eine ganz große Hilfe war Mara Zampieri, die als Annina wie in der Wiener Inszenierung immer auf der Bühne ist. Sie wies sie liebevoll in diese Aufführung ein und half sicher zu einem großen Erfolg einer jungen Kollegin mit. Zu der Zeit hatte sie auch Auftritte in Verona und raste zwischen den beiden Städten hin und her.

Aber auch Mozart spielt für Irina Lungu eine große Rolle. Diese Musik ist technisch sehr anspruchsvoll und auf eine Art „Stimmhygiene“. Die Donna Anna studierte sie innerhalb von fünf Tagen und sang sie mit Saimir Pirgu als Don Ottavio mit größtem Erfolg in Verona. Auch die Fiordiligi ist im Repertoire, aber zur Zeit ein wenig auf Eis gelegt, kommt aber bestimmt wieder, da ist sich die Künstlerin sicher.

Eine Rolle, die sie anfänglich immer ein wenig scheute, war die Gilda. Irgendwie wollte dieses Mädchen so gar nicht zu ihr passen. Aber seit Robert Carsten in Aix en Provence die Gilda mit ihr erarbeitete, findet sie viel mehr Zugang zu dieser Rolle und langsam wurde sie ein ähnliches Herzstück wie die Violetta. Auch der Erfolg an der Met, wo sie zusätzlich die Musetta sang, war mit der Gilda sehr groß – nun wird an der Pariser Oper mit dieser Rolle debütiert.

Ihre wichtigsten Dirigenten sind natürlich (fast Entdecker) Riccardo Muti, Renato Palumbo, Gianandrea Noseda, Daniel Oren, Stéphane Denève und natürlich Marco Armiliato. Auch unter Lorin Maazel hatte sie die Ehre zu arbeiten, natürlich Violetta.

Die nächsten Ziele sind Liu in einer Turandot Zeffirelli Produktion der Arena di Verona in Muscat/Oman und natürlich die Violetta in Seoul, Napoli, Hamburg, Zürich und Berlin. Der „Violetta Marathon“ geht weiter, wann ist die Zielgerade für die „200.“ ?!

In Wien gefällt es ihr ganz besonders gut und sie will alles fotografieren. Aber zu einem großen Stadttrip kommt es leider nicht durch die anstrengenden Proben. Die Zeit ist kurz und wird intensiv genützt. In der Zeit zwischen den Vorstellungen ist sie zuhause in Milano, wo Sohn Andrea am 14.9. die Schule beginnt. Er soll zweisprachig aufwachen, italienische Grundschule und russische Samstagsschule. Im achten Monat schwanger mit dem bezaubernden Sohn sang sie noch, ….na was wohl…Violetta!

Elena Habermann

 

 

 

 

 

 

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