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IRINA LUNGU – die Violetta ist für mich eine Art „Alter Ego“

24.05.2018 | Sänger

Bildergebnis für irina lungu wiener staatsoper
Irina Lungu als Violetta /La traviata an der Wiener Staatsoper.

Irina Lungu wird am 26. und 29. Mai an der Wiener Staatsoper die „Violetta“ in Verdis La traviata singen. Ihre Partner: Bavol Breskik als Alfredo Germont sowie Placido Domingo als dessen unerbittlicher Vater Giorgio.

Zwei Tage vor der ersten Vorstellung (am 24.5.2018) gab sie dem „Online-Merker“ (A.C.) Einblicke in ihre Sicht auf diese Rolle, die derzeit ihre wohl wichtigste ist:

„Die Partie der Violetta in „La traviata“ ist seit meinem Rollendebüt im Jahr 2007 eine Art „Alter Ego“ für mich geworden, sie ist nach fast 150 Vorstellungen ein Teil von mir. Ich lebe fast schon in einer Art Symbiose mit dieser wunderbaren Rolle.

Ich war noch sehr jung, Mitte 20, als ich keinem Geringeren als Maestro Lorin Maazel für diese Rolle an der Mailänder Scala vorsang, für eine Wiederaufnahme von Liliana Cavanis mittlerweile legendärer Inszenierung. Damals sang ich mit dem Klavierauszug in der Hand vor und Maestro Maazel fragte mich: “Signorina, haben Sie die Rolle eigentlich gelernt?”. Ich musste ihm gestehen, dass ich die die Partie noch nie gesungen hatte. Er wählte mich trotzdem aus, mit ihm die Violetta zu singen aus und so kam es zu meinem Rollendebüt als Traviata, im Jahr 2007 an der Mailänder Scala.


Irina Lungu als Violetta in Mailand. Copyright: Marco Brescia/ Milano

Plötzlich stand ich in einer Rolle auf der Bühne eines der wichtigsten Opernhäuser der Welt, in der es nach Maria Callas für jede Sopranistin schwer ist, zu bestehen. Am Abend meines Debüts und auch in allen weiteren Vorstellungen lief alles wunderbar, auch dank meiner Kollegen und Maestro Maazel, die mich wunderbar unterstützten. Ich war damals sehr mutig und auch ein wenig leichtsinnig.

Was dieses Rollendebüt eigentlich bedeutete, die ganze Dimension dieses Debüts an diesem Haus war mir erst einige Tage später wirklich bewusst. Auch die Schwierigkeiten dieser Partie waren mir anfangs nicht wirklich klar. Eine gute Sängerin kann zwar den ersten und den zweiten Akt problemlos bewältigen, aber wirklich entscheidend ist der dritte Akt mit seiner Dramatik und dem Tod Violettas. Zwar zählt immer auch die Stimme, aber es ist die Interpretin und Schauspielerin, die letztendlich über allem stehen muss.


Violetta in Torino 2013. Copyright: von Ramella&Giannese

Die Violetta führte mich nach dem Debüt an der Scala innerhalb der letzten elf Jahre über die ganze Welt. An der Scala trat ich auch im Jahr 2008 in der Partie auf, sowie 2013 in der Neuproduktion Dmitri Tcherniakovs dirigiert von Daniele Gatti. In zwei verschiedenen Inszenierungen an der Scala erfolgreich die Traviata zu singen ist schon etwas Besonderes, und darauf bin ich auch ein wenig stolz! In Italien habe ich die Violetta an vielen wichtigen Bühnen gesungen: Am La Fenice in Venedig in der Inszenierung Robert Carsens, am Teatro Regio von Turin, am Teatro San Carlo in Neapel oder am Teatro dell’Opera in Rom. In Rom übrigens in einer Inszenierung Franco Zeffirellis, der mit mir an der Partie arbeitete. Und auch international hat mir die Rolle immer viel Glück gebracht. Sei es bei meinen Hausdebüts an der Berliner Staatsoper und an der Deutschen Oper Berlin oder am Teatro Real Madrid, wo ich übrigens im Jahr 2014 meine 100. Vorstellung als Violetta feiern konnte.


Violetta in Venedig. Copyright: Michele Crosera

In Wien trat ich im Jahr 2012 erstmals als Violetta auf, bei den Wiener Festwochen in einer Neuproduktion von Deborah Warner dirigiert von Omer Meir Wellber am Theater an der Wien. Und am 9. September 2015 durfte ich dann mit der Violetta einen weiteren Meilenstein in meiner Karriere beschreiten. Endlich gab ich mein langersehntes Hausdebüt an der Wiener Staatsoper, in Jean-Francois Sivadiers Inszenierung und dirigiert von Michael Schönwandt. Ich konnte mir keine besseren Umstände für dieses Debüt wünschen. Mein Alfredo war (wie auch in der jetzigen Vorstellungsserie) Pavol Breslik und Carlos Alvarez mein Germont.


Immer wieder Mailand: Irina Lungu an der Scala. Copyright: Brescia e Amisano/Teatro alla Scala

Kurz nach meinem Debüt an der Wiener Staatsoper gab ich als Violetta innerhalb weniger Monate meine Hausdebüts an der Staatsoper Hamburg und am Opernhaus Zürich und sang die Rolle an der Deutschen Oper Berlin und an der Pariser Oper. Nach so vielen Traviatas in nur einer Saison wollte ich die Rolle etwas ruhen und weiter reifen lassen und sang sie fast eineinhalb Jahr lang nicht mehr. In dieser Zeit gab ich vier Belcanto-Rollendebüts: Giulietta in „Capuleti“, Elvira in „Puritani“, Anna Bolena und Corinna in „Il viaggio a Reims“. Ich habe mich dann Ende letzten Jahres sehr darauf gefreut, die Violetta endlich wieder zu singen und gab mit der Rolle ein weiteres wichtiges Hausdebüt, am Bolschoi-Theater in Moskau. Diese Spielzeit habe ich die Partie außerdem anlässlich meine Hausdebüts am New National Theatre in Tokyo sowie in Seoul gesungen und freue mich nun darauf, wieder als Violetta nach Wien zurückzukehren. Dirigiert von Marco Armiliato und wieder mit Pavol Breslik als Alfredo sowie an der Seite Plácido Domingos, der auch vor zwei Jahren in Paris mein Germont war.“

24.5.2018
A.C.

 

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