13.4.2026- Interview mit KS Tomasz Konieczny in der Wiener Staatsoper.
„Wagner ist ein Welterbe, ich sehe es als meine Mission an seine Musik zu pflegen, zu bewahren und zu verbreiten!“ (Tomasz Konieczny)
Während seines derzeitigen Aufenthalts in Wien, wo er am 22.4.2026, zum ersten Mal an der Wiener Staatsoper, den Holländer in „Der fliegende Holländer“ singen wird, hatte ich die große Ehre und Freude mit KS Tomasz Konieczny, dem überaus sympathischen Weltstar, in der Wiener Staatsoper sprechen zu können.
Der Star-Bassbariton, der zu den renommiertesten und bedeutendsten Wagner-Sängern unserer Zeit zählt und in seinen Rollen weltweit für Furore sorgt und Maßstäbe setzt, ist der Initiator und künstlerische Leiter seines Baltic Opera Festivals, dessen vierte Ausgabe er am 8.4.2026 bei der Pressekonferenz in der Botschaft der Republik Polen in Wien vorstellte.
Bei einem gemütlichen Kaffee in der Kantine der Wiener Staatsoper sprachen wir über sein Baltic Opera Festival, das in diesem Jahr vom 2.-7.Juli in Gdańsk-Sopot stattfinden wird.

Fotocredit: Marta Napierala
1) Was hat Dich dazu bewogen das Baltic Opera Festival ins Leben zu rufen bzw. wiederzubeleben?
Ausschlaggebend war für mich die Pandemie, in der wir plötzlich alle keine Arbeit mehr hatten und da ist in mir die Idee geboren ein eigenes Festival zu gründen.
Mitten in der Zeit der Pandemie im Jahr 2020 hat Peter Svensson das Wagnerfestival in Mikulov in Tschechien veranstaltet und da habe ich mitgemacht. Wir haben es geschafft auf der dortigen Freiluftbühne jeweils zwei Mal den „Fliegenden Holländer“ und „Tristan und Isolde“ aufzuführen.
Ich wollte ein eigenes Festival in Polen verwirklichen. Mein Hauptmotiv dieses Festival zu gründen war Künstlern zu helfen. In der historischen Waldoper in Sopot habe ich 2009 in „Das Rheingold“ gesungen und war fasziniert von der fantastischen Akustik.
Von 2010-12 wurde die Waldoper total renoviert und weist u.a. einen wunderbaren Orchestergraben auf.
Ich habe mit dem Vizekulturminister Jaroslaw Sellin in Warschau gesprochen, der ein glühender Wagnerianer ist und seit unserem Gespräch wird das Baltic Opera Festival finanziell maßgeblich vom Ministerium in Polen unterstützt.
Weiters ist die Baltische Oper in Danzig eng mit dem Baltic Opera Festival verbunden.
2023 haben wir es zum ersten Mal geschafft das Festival zu veranstalten.
-Im ersten Jahr hatten wir ca.4000 Zuschauer in einer Vorstellung. Zusammen bei Holländer (2 Vorstellungen) waren es ca.8000 Zuschauer-
Vor dem zweiten Weltkrieg, in den 1920er Jahren wurde in diesem Freiluft-Amphitheater bereits Oper gespielt und wurde mit dem Baltic Opera Festival reaktiviert.
Am Ende der Pandemie war ich als Sänger wieder voll ausgebucht und habe im Sommer auch in Bayreuth gesungen. Während meiner Abwesenheit wurde alles nach meiner Konzeption verwirklicht.
2) Wie lässt es sich für Dich vereinbaren, Deine Karriere als Sänger, Du singst weltweit höchst erfolgreich die größten, anspruchsvollsten Wagner-Rollen Deines Fachs und gleichzeitig der Intendant des Baltic Opera Festivals zu sein?
Es ist sehr schwierig beides zu koordinieren, das muss ich schon zugeben, aber das Baltic Opera Festival ist mein „Baby“ und ich brenne für dieses Festival. Diese enorme Authentizität dieser gigantischen Waldoper mit den 5000 Plätzen in diesem, an der Ostsee gelegenen, Kurort Sopot übt eine ganz besondere Faszination aus.
Ich habe ein sehr gutes Team um mich, das mich tatkräftig unterstützt, wie zum Beispiel Direktor Rafal Kokot. Der andere Direktor, der für die Planung zuständig ist heißt Pawel Marzec. Außerdem bekomme ich sehr viel Unterstützung von hochkarätigen Persönlichkeiten, die im Ehrenkomitee des Baltic Opera Festivals sind und mit denen ich ständig in Kontakt stehe. Sie glauben alle fest an mein Festival.
3) Nach welchen Kriterien besetzt Du Deine Produktionen im Baltic Opera Festival?
Viele Sänger, Dirigenten und Regisseure kenne ich natürlich aus der gemeinsamen Zusammenarbeit, die dann sehr gerne in meinem Festival arbeiten. Weiters sehe ich mir viele Vorstellungen an und halte Meisterkurse ab, um auch junge, nachkommende Sänger für das Festival kennenzulernen und zu engagieren.
4) Es ist eine große Ehre in Deinem Festival arbeiten zu dürfen. Wie ist das Finanzielle für die Künstler geregelt?
Die Künstler werden natürlich entsprechend bezahlt und wir versuchen das finanzielle Weltniveau zu gewährleisten.

Fotocredit: Marta Napierala
5) Bei der Pressekonferenz hast Du über die amerikanischen Freunde des Baltic Opera Festivals gesprochen, kannst Du mir bitte etwas mehr darüber erzählen?
Ja, das sind die „American Friends of Baltic Opera Festival“. Ich habe in der Wagner-Society in New York einen Vortrag gehalten und über das Baltic Opera Festival gesprochen. Danach hat mich Diana Paine angesprochen und mir ein privates Sponsoring für das Festival angeboten. Die „American Friends of Baltic Opera Festival“ sind nun verantwortlich für die Promotion und Sponsorensuche für das Festival.
Privatsponsoring ist in Amerika ganz normal und an der Tagesordnung. In Polen ist es noch nicht möglich, da gibt es nur Staatssponsoren und das muß geändert werden.
Eine Mischung aus Privat- und Staatssponsoring wäre möglich. Die Garantie muß der Staat geben.
Promotion im Ausland lohnt sich, die Gegend um Sopot an der Ostsee ist touristisch attraktiv, ein Freiheitsgebiet, Lech Walesa lebt dort und unterstützt das Festival, es ist sehr historisch und authentisch. Außerdem gibt es tolle Restaurants und Hotels.
Man muß es einmal gesehen haben, auch wenn man kein Wagnerianer und Opernliebhaber ist. Das Erlebnis ist einzigartig.
Es ist jeder willkommen, die Karten sind nicht wahnsinnig teuer.
6) Was wünscht Du Dir für die Zukunft Deines Baltic Opera Festivals?
Ich wünsche mir vieljährige finanzielle Sicherheit, um weit voraus planen zu können.
Die deutsche Musikkultur wie Wagner und Strauss weiter verbreiten zu können.
Wagner ist Welterbe und ich sehe es als meine Mission an seine Musik zu pflegen, zu bewahren und zu verbreiten!
In diesem Sommer führen wir „Die Walküre“ in Koproduktion mit Kopenhagen auf, eine Inszenierung, in der ich schon gesungen habe und in der ich mich sehr wohl fühle.
Im nächsten Jahr wird „Der Freischütz“ aufgeführt, den Andreas Homoki zuerst in Prag inszenieren wird und dann in meinem Festival realisieren wird.
Für 2028 gibt es bereits Pläne für eine Produktion, welche die Wiener Staatsoper beim Baltic Opera Festival präsentieren wird.
Neue, unbekannte polnische Werke sollen in Zukunft zur Aufführung kommen und ein von Alexander Nowak extra komponiertes Stück. Die polnische Kultur wird selbstverständlich auch weiter gefördert werden.
In Planung ist außerdem ein konzertanter „Fidelio“ und während des Festivals stattfindende „Masterclasses“.
Lieber Tomasz, vielen herzlichen Dank für das wunderbare Gespräch!
Ich wünsche Dir das Allerbeste für Dein Baltic Opera Festival und für Deine kommenden Vorstellungen an der Wiener Staatsoper!!!
Marisa Altmann-Althausen

