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INNSBRUCK/ Tiroler Landestheater: SAMSON ET DALILA – Derniere – s‘ ist halt vorbei ….!

06.02.2020 | Oper

Innsbruck: „SAMSON ET DALILA“  5.2.20 – s‘ ist halt vorbei ….!

Nach zehn konzertanten Aufführungen hieß es Abschied nehmen von einer durchgehend hervorragenden Produktion des Tiroler Landestheaters. Trotz bester musikalischer Leistungen sowie lobreicher Kritiken in den einschlägigen nationalen und internationalen Fachmedien blieb der erwartete Publikumszuspruch in den vorangegangenen Vorstellungen unverständlicherweise eher verhalten. Zur Derniére versammelten sich Abonnenten, Neugierige sowie Vielgänger (manche brachten es auf 9 besuchte Vorstellungen dieser Serie) und füllten endlich das Haus zur Gänze. Was sie an diesem Abend zu hören bekamen war schlichtwegs sensationell. Der junge italienische Korrepititor und Kapellmeister des Hauses, Tommaso Turchetta, ist für sein umsichtiges, Orchester und Sänger zu Höchstleistungen animierendes Dirigat zu würdigen. In überlegener Manier leitete er das hochmotivierte Tiroler Symphonieorchester Innsbruck (Sonderlob wieder für die exquisite Bläserriege des Orchesters!) und brachte eine Brise Italianità in Saint-Saens teils oratiorienhafte, teils exotisch-erotisch angereicherte Partitur. Das Fundament für einen großen Abend war gelegt.

In absoluter Bestform präsentierte sich das titelgebende Paar. Nadia Krasteva ließ mit ihrem schlackenlos geführten, betörend timbrierten Edelmezzosopran die ganze Bandbreite von Dalilas Wesenszügen musikalisch ausdrücken. Ihre der Situation angepasste, nie vordergründige Gestik ließ die fehlende Bühnenoptik vergessen. Bekanntllich zählt der Samson zu den „schweren Brocken“ in der tenoralen Opernliteratur heldischen Zuschnitts des 19. Jhdt. Viktor Antipenko bewältigte diese extrem anspruchsvolle Aufgabe mit unglaublicher Mühelosigkeit und beeindruckte erneut mit seiner strahlenden, nie versiegenden Tenorpracht bei bester Wortdeutlichkeit und formidabler Diktion. In der großen Verführungsszene im 2. Akt steigerten sich Krasteva und Antipenko  derart (inklusive eines, vermutlich aus der Glut der Handlung spontan entstandenen Kusses), dass die Zuhörer beinahe zu atmen vergaßen.

Neben diesem (Welt-)Klassepaar trugen auch die restlichen Mitwirkenden  entscheidend zum heftig bejubelten Erfolg des Abends bei: Ivan Krutinov (Hohepriester des Dagon), Unnstein Àrnason (Abimelech), Johannes Maria Wimmer (alter Hebräer) sowie vor allem der in Topform singende Chor und Extrachor des TLT.

Mit Superlativen soll wohldosiert umgegangen werden – aber dieser stellare Abend wird noch lange nachwirken!                                               

Dietmar Plattner

 

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