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INNSBRUCK/ Tiroler Landestheater: „UN BALLO IN MASCHERA“. Neuinszenierung

05.10.2026 | Oper in Österreich

Innsbruck / Tiroler Landestheater „UN BALLO IN MASCHERA“ 4.10. 2026 (Premiere 26.9.)

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Foto: Barbara Palffy

Bereits vor Giuseppe Verdis Opernklassiker von 1859 wurde Eugène Scribes Libretto von „Gustave III. o Le bal masque“ von einigen Komponisten als Vorlage für deren Werke verwendet, darunter so namhaften wie Daniel-Francois-Esprit Auber und Saverio Mercadante. Aubers gleichlautende Oper wurde 1833 in Paris mit größtem Erfolg uraufgeführt, zehn Jahre später stellte Mercadante in Turin seine „Il reggente“ genannte Neuschöpfung vor.

Bekannlich hatte Verdi wegen des Inhalts seiner neuen Oper große Schwierigkeiten mit der bourbonischen, aber auch päpstlichen Zensur auszustehen. Einen Königsmord auf offener Bühne zu zeigen, noch dazu nach dem wenige Monate zuvor erfolgten Mordanschlag auf Kaiser Napoleon III. in der Pariser Oper, war  ein absolutes Tabu. So sah sich Verdis verdienter Librettist, Antonio Somma, veranlasst, die Handlung nicht am schwedischen Königshof spielen zu lassen, sondern in das entfernte Boston zu verlegen. Aus dem schillernden Schwedenkönig Gustav III. wurde ein politisch wenig brisanter Gouverneur namens Riccardo. Seit seiner glorreichen Uraufführung  am 17.2.1859 in Rom ist der „Maskenball“ aus dem Repertoire der Opernhäuser der Welt nicht mehr wegzudenken und zählt zu den populärsten Werken des Meisters aus Busseto.

Am Tiroler Landestheater ist die aktuelle Produktion bereits die dritte seit der Jahrtausendwende. War es vor 15 – 20 Jahren noch möglich, den Großteil der anspruchsvollen Rollen aus dem Ensemble zu besetzen, scheint dies gegenwärtig nur mehr mit „Zukauf“ von Gastsolisten für gleich vier Partien machbar zu sein. Den stärksten Eindruck hinterlässt dabei Önay Köse als Renato. Der aus der Türkei stammende Sänger verfügt über einen edlen Bariton von balsamisch-einnehmender Klangkultur und einer bestechenden Bühnenpräsenz. Kazuki Yoshida (Gustavo) weist einen schön timbrierten, klang- und kraftvollen Tenor auf, dem jedoch die für diese so besondere Verdi-Rolle unentbehrliche stimmliche Eleganz abgeht. Warum er, der kunstbeflissene, schöngeistige König mit einer derart häßlichen Langhaarperücke auf die Bühne geschickt wird, ist nicht nachvollziehbar. Viktoria Kaminskaites Amelia beeindruckt durch ihre noble Erscheinung und einen schlanken, die vielen heiklen Höhen geschickt meisternden Sopran von eher kühlem Zuschnitt. Die polnische Mezzosopranistin Marta Swiderska setzt ihre strömenden stimmlichen Mittel als Ulrica gewinnbringend ein. Als Persönlichkeit fehlt der jungen Dame noch das gewisse „Etwas“. Warum ihr weder ein Szenen- noch der Schlussvorhang gewährt wird, ist unverständlich. In den mittleren und kleineren Rollen zeigen Ensemblemitglieder auf, dass sie mit den internationalen Gästen problemlos mithalten können. Anastasia Lerman wirbelt als quellfrisch singender Oscar in Damenkleidern über die Bühne – ein wenig Queerness darf halt nicht fehlen. Jacob Phillips stellt einen ausgezeichnet singenden Silvano auf die Bühne, die Verschwörer Oliver Sailer (Graf Ribbing) und besonders Stanislov Vorobyov (Graf Horn) prunken mit ihren nachtschwarzen Bässen. Als Richter  wirkt der Chorsolist William Blake durchschlagslos, als Diener Amelias ist er rollengerecht am Werk. Den musikalisch so erfreulichen Eindruck runden der bestens vorbereitete Chor und Extrachor des Hauses ab (Einstudierung Michel Roberge).

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Foto: Barbara Palffy

Der ebenfalls gastierende Dirigent Stephan Zilias und das temperamentvoll spielende Tiroler Symphonieorchester Innsbruck bringen die der reizvollen Partitur innewohnende Dramatik und Komödiantik rauschhaft zum Erklingen, an manchen Stellen wäre etwas mehr Zurückhaltung angebracht.

Für die Regie kehrte  Jasmina Hadziahmetovic erneut an das Haus ihres Wirkens als Kurzzeit-Operndirektorin zurück und das Ergebnis ihrer Arbeit kann sich absolut sehen lassen. Unterstützt von den aussagestarken, düster gehaltenen Bühnenbildern (das Ballbild hatte allerdings den Charme einer Aufbahrungshalle) von Jan Freese und den sehr kleidsamen Kostümen von Aleksandra Kica ist ihr insgesamt ein überaus packender Opernabend gelungen. Diese Saisoneröffnungsproduktion darf nachdrücklich empfohlen werden! Folgetermine: 8., 10., 18., 22., 24.10., 20.11., 6.12. und 9.1.

   Dietmar Plattner

 

 

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