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INNSBRUCK/ Tiroler Landestheater: MADAMA BUTTERFLY“  – Cio-Cio-Sans fataler „American dream“. (Premiere)

30.03.2026 | Oper in Österreich

Innsbruck / Tiroler Landestheater

„MADAMA BUTTERFLY“  28.3.2026  (Premiere) Cio-Cio-Sans fataler „American dream“

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Christiana Oliveira. Foto: Cordula Treml

Das Beste des Abends vorweg: Gastdirigent Enrico Calesso entlockte dem bestens disponierten Tiroler Symphonieorchester Innsbruck die ganze Klangpalette von Giacomo Puccinis meisterhafter Partitur. Aus dem Orchestergraben erklang ein brillantes Tongemälde ohne falsches Sentiment. Zurecht wurde diese herausragende Leistung nach Fallen des Schlussvorhanges besonders gewürdigt.

Auf der Bühne waren bewährte Kräfte des Hauses sowie zwei Gastsänger für die zentralen Rollen zu erleben. Mit stimmlicher Wärme  und berührender Anteilnahme am Schicksal ihrer Herrin überzeugte Bernarda Klinar als Suzuki. Prägnant in Spiel und Gesang präsentierte sich Jacob Phillips als weltmännischer, in der Begegnung mit Butterfly auch einfühlsamer Konsul Sharpless. Mit Oliver Sailer (Standesbeamter und kaiserlicher Kommissär) und Johannes M. Wimmer (Onkel Bonzo) waren die kurzen, aber für die Handlung wichtigen Rollen trefflich besetzt. Federica Cassati (Kate Pinkerton), Elissophie Davli (Mutter), Ana Akhmeteli (Tante), Qiong Wug (Cousine), Michael Gann (Fürst Yamadori) sowie der schwach gezeichnete Goro des Jakob Nistler rundeten das Ensemble ab. Viel Zustimmung erhielten der wie immer von Michel Roberge bestens vorbereitete Chor des TLT sowie Milo Jaindl als Butterflys Sohn.

Der Pinkerton zählt bekannterweise nicht gerade zu den Sympathieträgern in der Opernliteratur. Der attraktive Adam Sánchez spielte den präpotenten „ugly American“ vorzüglich aus. Seine gesangliche Leistung war tadellos, ein wenig mehr an tenoral-sinnlichem Schwelgen hätten dem großen Liebesduett gut angestanden. Christiana Oliveira als tragische Titelheldin unterwarf sich mit Haut und Haar dem Regiekonzept und durchlebte die fordernde Partie mit beeindruckender Hingabe. Ihr farbenreicher, eher herb timbrierter Sopran erreichte nach der Pause ihre volle Wirkung.

Das Regieteam (Jasmina Hadziahmetovic, Susanne Gschwender, Katia Bottegal ) verzichtete – abgesehen vom Auftritt des Onkel Bonzos – gänzlich auf japanisches Flair und stellten stattdessen Cio-Cio-Sans Ideal vom amerikanischen „way of life“ auf die Bühne. Gschwender schuf eine durchgehend zuckerlrosa eingerichtete Villa mit einem tipptopp gepflegten Garten samt Kunststoffhecke – Barbie würde sich hier wohlfühlen. Die ausnehmend geschmackvoll angefertigten Kostüme (Bottegal) im westlichen Zeitgeschmack der 50er/60er Jahre verdienen Anerkennung.  Hadziahmetovics Stärken liegen vor allem in den intimeren Szenen des 2.und 3. Aktes, dort baut sich Anteilnahme und Spannung auf. Vor der Pause wird zu oft mit Klischees gespielt (z. B. Pinkerton mit ständig kreisendem Becken als stets „Rammelbereiter“).

Eine Produktion, die auf so manch liebgewonnene Sehgewohnheit verzichtet, aber dank der musikalischen Qualität ihr Publikum finden wird. Viel Jubel für Sänger und Musiker, einiges an Ablehnung für den szenischen Beitrag.                                                                                                                                                                                                    

Dietmar Plattner

 

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