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INNSBRUCK/ Tiroler Landestheater „DON QUICHOTTE“  von Jules Massenet –  Volltreffer zu Saisonende

22.06.2026 | Oper in Österreich

Innsbruck/Landestheater „DON QUICHOTTE“  –  Volltreffer zu Saisonende 20.6.2026

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Foto: Barbara Palffy für Landestheater

Es bedarf nicht immer Gastsänger, um eine Aufführung, eine Produktion zum Glänzen zu bringen. An so manche „Besetzungs-hoppalas“ in den letzten Jahren darf dezent hingewiesen werden. Diesmal stand also „nur“ das Hausensemble im Einsatz und das Ergebnis hätte beglückender nicht ausfallen können. Sämtliche Rollen waren sorgfältig ausgesucht, die Regie (immer wieder Anlass zu Stirnrunzeln bis hin zum Ärgernis) verzichtete diesmal auf modernistische „Umschreibungen“ der Textvorlage, sowie ein Dirigent, der an die betörend schön-melancholischen Musik Massenets glaubte. Das Erfolgsrezept für einen schon lange mit mehr erlebten gesamtheitlichen Operngenuss war gegeben.

Der mit Werken wie „Manon“, „Werther“, „Le roi de Lahore“, „Le Cid“ und vielen anderen mehr äußerst erfolgreiche Jules Massenet (1840 – 1912) ging als bereits Endsechziger an die Arbeit zu seiner neue Kreation, der als„comédie histórique“ bezeichneten Oper „Don Quichotte“. Als Titelheld war der legendäre russische Bassist Fjodor Schaljapin ausersehen. Die Uraufführung am 19.2.1910 in der Operá Monte Carlo gestaltete sich zu einem wahrenTriumph für beide. Schaljapin zog mit seiner neuen Paraderolle rund um die Welt, doch nach dessen Tod ließ das Interesse an diesem Meisterwerk nach. Erst mit Einsetzen der nur kurz aufflackernden Massenet-Renaissance ab 1970 setzten sich wieder Bassgrößen wie Kurt Moll, Nicolai Ghiaurov und vor allem der kürzlich verstorbene José van Dam vehement für diese wirkungsvolle Oper ein.

Das Tiroler Landestheater ist in der glücklichen Lage, im hauseigenen Ensemble  über einen jungen, aufstrebenden Bassisten zu verfügen, der das Ebenbild des nach Idealen strebenden Ritters auf perfekte Weise erfüllt. Der knapp 30jährige Oliver Sailer, der seit 2021 dem Hause angehört und seither behutsam aufgebaut wird, ersang und erspielte sich mit seiner ersten Hauptrolle  einen Riesenerfolg bei Publikum und Presse. Zu seinem ausdrucksstarken, edel timbrierten Bass und der perfekten französischen Diktion gesellt sich eine wahrlich ritterliche Erscheinung. Als sein treuer Knappe Sancho begegnete der vielseitig einsetzbare Benjamin Chamandy seinem Herren stimmlich und darstellerisch auf Augenhöhe. Mit seinem schönen, biegsamen Bariton punktete er vor allem in der zu Herzen gehenden Arie im 4. Akt, in welcher er den von der Gesellschaft verspotteten Edelmann  verteidigt. Mit blendender Erscheinung und erotisch aufgeladenen Mezzotönen becircte Camilla Lehmeier in prächtiger roter Gewandung als „belle Dulcìnee“ nicht nur Don Quichotte, sondern auch das Auditorium. Nach ihrem Ariadne-Komponisten, dem Idamente in dieser Saison eine weiterer Beweis ihres breiten aufgestellten Rollenspektrums. Auf ihr Carmen-Debüt in der nächsten Saison darf man sich schon jetzt freuen!

Als dem nach Idealen strebenden Ritter arg zusetzenden Ganoven Pedro, Garcias, Rodriguez und Juan sowie die Räuber 1 – 4 waren Hazel Neighbour, Qiong Wu, Jakob Nistler und Julien Horbatuk zu hören, das Dienerduo wurde von den Chorsolisten Seongchan Bahk und Il Young Yoon verkörpert. Neben dem wie immer von Michel Roberge bestens einstudierten Chor und Extrachor des Hauses bevölkerte das Tanzensemble des TLT (Choreografie Cameron McMillan) die von  Cécile Trémolières überwiegend dunkel gehaltene Bühne. Die atmosphärische Lichtregie von Raphael Fuchs sorgte für faszinierende Abend- und Morgenstimmungen. Die von Andrea Kuprian entworfenen, die Darsteller optimal kleidenden Kostüme fügten sich nahtlos in die Szenerie. Die überaus gelungene Arbeit der Gastregisseurin Julia Burbach ist mit einem Zitat aus dem „Tannhäuser“ zu würdigen: „Dir töne Lob, gepriesen sei dein Name“.Eine derart schlüssige Inszenierung mit bestechender Personen- und Chorführung hat heutzutage Seltenheitswert.

Aus dem Orchestergraben war keine Spur von saisonalem Finale zu vernehmen. Matthew Toogood hat das blendend disponierte Tiroler Symphonieorchester Innsbruck auf Massenets schwelgerisch-melodiöse Musiksprache eingeschworen und das Publikum verzaubert. Begeisterter Applaus für sie, das Regieteam sowie zu Recht jubelnde Bravochöre für das herrliche Trio Sailer-Lehrmeier-Chamandy.

Folgedaten: 26.6, 28.6., 4.7., 5.7., 25.10., 31.10., 18.11., 22.11., 26.11 und 18.12.

                                                                                                          Dietmar Platttner

 

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