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INNSBRUCK: FIDELIO – Eröffnungspremiere ohne Glanz

28.09.2015 | Oper

Innsbruck: FIDELIO“ 26.9. Premiere.Eröffnungspremiere ohne Glanz

Fidelio von der Burg Innsbruck 26.9.15
Susanna von der Burg als Leonore. Foto: Rupert Larl

In Ludwig van Beethovens hohem Lied auf die Freiheit und Gattenliebe tauchen immer wieder die Worte Feuchtigkeit, Kälte und Dunkelheit auf. Ein Grund für den Regisseur Ansgar Haag, den Originalschauplatz Sevilla und Umgebung in das ferne Sibirien zu verlegen (als ob es in Spanien nicht auch unwirtliche Gegenden gäbe). Trotz Fantasie-Sibirien der 50er Jahre heißen die dort agierenden Personen Leonore, Rocco, Pizarro, Florestan…. Während der vom Tiroler Symphonie-Orchester Innsbruck sehr ruppig vorgetragenen Ouvertüre zeigt Haag, wie eine fein gekleidete Dame (Leonore) vor einem Gefängnis auf demonstrierende Frauen trifft. Die hübscheste der Demonstrantinnen wird von vorübereilenden Soldaten von der Gruppe entfernt, die Dame nimmt sich deren vorsorglich hinterlassener Oberbekleidung an, um diese selbst anzulegen. Der Vorhang fällt, das Orchester bekommt seinen an dieser Stelle unüblichen Beifall. Wie lange noch glauben viele Regisseure, Ouvertüren auf Teufel komm raus bebildern zu müssen? In den seltensten Fällen kommt etwas Gescheites dabei raus und das Publikum ist auf derartige Belehrungen nicht angewiesen.

Ansonsten bringt Haags Arbeit nicht viel erleuchtend Neues (Marzelline bügelt wie eh und je, Rocco ist der Nette mit der Ausstrahlung eines Kachelofens). Unverständlich, warum der Regisseur Leonore im finalen Teil ihrer ohnehin schwierigen Arie über eine steile Stiege nach oben laufen lassen muss. Im Jubelfinale tröstet sich Marzelline nach Leonores Enttarnung schnell mit Don Fernando – eine Frau will nach oben und den Mief verlassen. Kerstin Jacobssens beeindruckende Bühnenlösung lässt die Drehbühne fleißig rotieren, um den Schauplätzen zu Stimmigkeit zu verhelfen. Die Kostüme vom bewährten Michael D. Zimmermann bestechen durch Stilsicherheit. Dass der sehr gut singende Chor und Extrachor des TLT (Kompliment an die präzise Einstudierung durch Michel Roberge) zum Finale dann in bunten T-Shirts (wir sind in Sibirien!) auftritt, ist dann doch etwas zu dick aufgetragen.

Nicht sehr glücklich wird man mit Francesco Angelicos Partitur-Auslegung. Die Mischung von Pseudo-Originalklang, Spielopernbehaglichkeit und sehr breit ausgewälzten, dann wieder rasant genommenen Tempi ergeben ein äußerst inhomogenes Klangbild. Unter diesen Umständen ist das Fehlen der 3. Leonoren-Ouvertüre zu verschmerzen.

Susanna von der Burg (Leonore) verströmt stimmlich viel Edles, kommt aber an den exponierten Stellen doch an ihre Grenzen. Scott MacAllister hat das vokale Format für einen hoch achtbaren Florestan. Sebastian Holecek (Pizarro) sticht als überlegener Pizarro besonders hervor, den jungen, stattlichen Michael Hauenstein als Rocco möchte man gerne wieder einmal hören. Susanne Langbein bezaubert erwartungsgemäß als Mega-Blondie Marzelline, Joshua Lindsay gibt einen soliden Jacquino, dem es an Sprachkultur mangelt. In Daniel Raschinskys salbungsvolle Worte mischt sich so manch flackernder Ton. Die Chorsolisten William Tyler Clark und Peter Thorn entledigen sich ihren Aufgaben gut.

Die Begeisterung des Publikums hielt sich an diesem Premierenabend doch in Grenzen. Verständlich, eine Großtat ist diese Produktion nicht.

Dietmar Plattner

 

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