INFOS DES TAGES (SONNTAG, 22. MÄRZ 2026)
NEW YORK – WIEN / Die Met im Kino / Cineplexx Cinemas:

TRISTAN UIND ISOLDE von Richard Wagner
21. März 2025
Tristan in der Suppenschüssel
Was haben Regisseure mit Richard Wagners „Tristan und Isolde“ nicht schon alles angestellt! Bei Heiner Müller spielte die Geschichte um ein Rechteck im Boden, bei Christoph Marthaler musste Isolde im zweiten Akt ununterbrochen Lichtschalter ein- und ausschalten. Selten hatte man das Glück, dass sich wie bei Jean-Pierre Ponnelle die „Nacht der Liebe“ in aller Magie entfaltete und die Schönheit der Musik und Tiefe der Gedanken umsetzte… So ist das eben im Theater.

Fotos: MetOpera
ie Metropolitan Opera hatte mit ihrer Neuproduktion von „Tristan und Isolde“ nur partiell Glück. Regisseur Yuval Sharon, dem wir in Wien nur einmal, vor zehn Jahren noch in der Direktion Meyer, in der Wiener Staatsoper begegnet sind (damals biß er sich die Zähne an den „Drei Schwestern“ von Peter Eötvös aus) und der in Bayreuth einen sehr „blauen“ Lohengrin schuf, hat sich nicht gerade bemüht, das Werk inhaltlich in den Griff bekommen, von dem er ohnedies sagt, dass es nicht gelingen kann. Anstelle dessen entwarf er mit seiner Bühnenbildnerin Es Devlin eine surreale Mischwelt aus moderner Kunst, seltsamen Assoziationen und affektierten Formalismen, für die die Met schlappe vier Millionen Dollar investieren musste…
Zum Bericht von Renate Wagner
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Linz: „WONDERFUL TOWN“ – Premiere im Musiktheater des Landestheaters Linz, Großer Saal, 21. 03.2026
Musical in zwei Akten von Joseph Fields und Jerome Chodorov (Buch – nach deren und Ruth McKenneys Theaterstück „My Sister Eileen“), Betty Comden und Adolph Green (Gesangstexte) sowie Leonard Bernstein (Musik); Deutsch von Roman Hinze; mit deutschen und englischen Übertiteln

Ensemble. Foto: Herwig Prammer
Nach „On the Town“ von 1944 war „Wonderful Town“ das zweite Musical von Bernstein, beide Male mit Comden & Green, beide Male über New York, beide Male anhand einer Gruppe von Besuchern der Stadt. Nur waren es nun statt Matrosen, die Landurlaub von ihrem Kriegsschiff hatten, eine Gruppe von Touristen, die sich das auch schon 1935 seltsamen Vögeln Heimat bietende Greenwich Village ansehen wollen. Zwei Schwestern, Ruth und Eileen aus Ohio, bleiben in der Stadt, und ihren weiteren Spuren folgen wir. Ein Schiff, wenn auch diesmal brasilianisch, spielt ebenso eine wichtige Rolle.
Zum Bericht von Petra und Helmut Huber
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Frühlingslounge in Wien: Musikfans applaudieren Musikverein Graz zum neuen Programm bei Steinway & Sons in Wien
Intendant Michael Nemeth präsentierte die Höhepunkte der Saison 2026/27 bei Steinway & Sons – und machte Lust auf ein Jahr voller musikalischer Highlights.

Dr. Irmgard Griss, Dr. Michael Nemeth. Foto: Musikverein Graz
Wien/Graz (LCG) – Große Namen ein starkes Programm und viel Vorfreude: Mit der traditionellen Frühlingslounge in Wien gab der Musikverein Graz am Donnerstagabend einen eindrucksvollen Ausblick auf die Saison 2026/27. In den Räumlichkeiten von Steinway & Sons am Wiener Opernring präsentierte Intendant Michael Nemeth die kommenden Highlights – und zeigte einmal mehr die künstlerische Bandbreite eines der führenden Konzertveranstalter des Landes. Im Mittelpunkt des Abends stand die Musik: Das Wiener Publikum erhielt einen kompakten Einblick in eine Saison, die internationale Stars, thematische Schwerpunkte und innovative Formate vereint.
Weltstars und große Meister im Fokus
Die neue Saison bringt internationale Klassikgrößen nach Graz: Plácido Domingo, Lisette Oropesa, Rudolf Buchbinder, Anna Lapwood, Jonathan Tetelmann und Fazıl Say stehen für musikalische Höhepunkte im Stefaniensaal.
Mit Ludwig van Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozart rücken zwei der bedeutendsten Komponisten in den programmatischen Fokus – interpretiert in unterschiedlichsten Formaten: von klassischen Konzerten bis hin zu neuen künstlerischen Zugängen. Ein besonderer Akzent liegt zudem auf dem Thema „Natur in der Musik“, etwa mit Fazıl Says Klavierkonzert „Mother Earth“, das der Komponist selbst zur Aufführung bringt.
Internationale Klangvielfalt und besondere Jubiläen
Auch in der kommenden Saison setzt der Musikverein Graz auf internationale Exzellenz: Ensembles wie das Estonian National Symphony Orchestra, das Jerusalem Quartet, die Philharmonix und das Quatuor Ébène bringen globale Klangfarben nach Graz. Ein besonderes Highlight bildet das Jubiläum des Landesjugendsinfonieorchesters Steiermark, das gemeinsam mit jungen Musikern aus Prag Werke von Bedřich Smetana und Antonín Dvořák interpretiert.
Neue Zugänge zur Klassik
Ein besonderes Augenmerk gilt der Vermittlungsarbeit: Konzerte für Schulen und Familien sowie begleitende Programme wie Workshops, Einführungen und Führungen ermöglichen einen niederschwelligen Zugang zu klassischer Musik und sprechen gezielt neue Zielgruppen an.
Ein Abend für Musik und Begegnung
Neben klassischen Meisterwerken standen an diesem Abend auf Einladung von Präsidentin Irmgard Griss und Intendant Michael Nemeth sowie Tobias Schröter (Steinway & Sons) auch Begegnungen und Gespräche im Mittelpunkt. Unter den Gästen: Thomas Angyan (Musikmanager), Erich Arthold (Wiener Sängerknaben), Mechthild Bartolomey (Attergauer Kultursommer), Andreas Bayerle (Helvetia), Cathrin Chytil (Bechstein), Otto Biba (Musikwissenschaftler), Bernhard A. Böhler (Kunstexperte), Maximilian Eiselsberg (Jurist), Martina Fasslabend (Kinderschutzpreis), Wolfgang Fischer (DDSG Blue Danube), Alexander Granat (Granat Executive Search), Matthias Gruber (Carinthischer Sommer), Paul Halwax (Wiener Philharmoniker), Hans Hammerschmied (HHP Steuerberatung & Wirtschaftsprüfung), Magdalena Hankus (Hankus 3sixty), Birgit Hinterholzer (Jeunesse), Johannes Ifkovits (Künstler), Karl Jurka (Politikberater), Christine König (Galeristin), Herbert Lippert (Grammy-Preisträger und Maler), Marion Schaflechner (Liechtensteinische Landesbank), Jan Nast (Wiener Symphoniker), Aki Nuredini (Restaurant „Il Sole“), Richard Panzenböck (Regisseur), Jaroslav Pehal (Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor), Ilona Perrot (Atout France), Julian Pölsler (Regisseur), Vinzenz Praxamer (Dirigent), Markus Pubek (Eventim Austria), Maria Rauch-Kallat (Bundesministerin a.D.), Birgit Sarata (Vizehonorarkonsulin), Dominik Schrott (Abgeordneter zum Nationalrat a.D.), Alexander Steinberger (Wiener Philharmoniker), Ulrike Sych (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien), Theresa Thompson (Wiener Symphoniker), Christoph Thun-Hohenstein (Klimawerkstätte), Stefanie Traunig (Steinway & Sons), Teresa Vogl (ORF) sowie Claudia Wittmann (Vienna’s English Theatre) und Geogr Zanger (Zanger Lantai & Partners).
Die Programmhöhepunkte der Saison 2026/27 kurz zusammengefasst (AI)
Große Namen und neue Klangwelten: Der Musikverein Graz präsentiert für die Saison 2026/27 ein Programm voller Stars, Entdeckungen und kreativer Formate. Im Mittelpunkt steht der Orchesterzyklus „Musik und Natur“ mit großen sinfonischen Werken von Mahler bis Fazıl Say – interpretiert von internationalen Spitzenorchestern und den Grazer Philharmonikern.
Ein starker Fokus gilt der Wiener Klassik: Ein facettenreiches Mozart-Fest trifft auf eine umfangreiche Beethoven-Reihe anlässlich des Beethovenjahres 2027. Hochkarätige Solisten, renommierte Ensembles und namhafte Dirigenten prägen diesen Schwerpunkt. Daneben setzt der Musikverein bewusst auf Neues und Ungewöhnliches. Werke von Komponistinnen, zeitgenössische Musik, „Klassik um 6“, Jazz Lounges oder Formate wie „Cuban Christmas“ öffnen den Konzertsaal für neue Perspektiven. Liederabende, Kammermusik, Solistenkonzerte sowie ein breites Familien- und Vermittlungsangebot runden das Programm ab.
Über den Musikverein Graz
In der 211. Saison 2024/25 erlebten rund 31.000 Besucher insgesamt 48 Konzerte. Der Musikverein zählt rund 2.100 Mitglieder und verkauft jährlich 2.300 Abonnements. Informationen und Tickets auf musikverein-graz.at
Tickets für die Programm-Highlights des Musikvereins Graz sind auch über das neue Klassik-Portal von Eventim Austria auf klassikticket.at erhältlich.
Musikverein Graz stimmt in Wien auf neue Saison ein
Die Wiener Innenstadt wurde am Donnerstagabend zum Treffpunkt der Klassikszene: In den Räumlichkeiten von Steinway & Sons am Opernring lud der Musikverein Graz zur traditionellen Frühlingslounge. Intendant Michael Nemeth gab dabei einen Ausblick auf die Saison 2026/27 vor Gästen aus Kultur, Wirtschaft und Medien. Die kulturellen Bande zwischen Wien und Graz sind seit Jahrzehnten eng geknüpft. Mit seiner traditionellen Empfang am Wiener Opernring brachte Steiermark diese Verbindung erneut in die Bundeshauptstadt.
Musikverein Graz stimmt in Wien auf neue Saison ein
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Wien/ Musikverein: Lukas Sternath-Zyklus (14. April 2026)
Am Dienstag, dem 14. April 2026 um 19h30 gibt Lukas Sternath im Rahmen seines „Lukas-Sternath-Zyklus“ im Musikverein gemeinsam mit der österreichischen Mezzosopranistin Sophie Rennert einen Liederabend im Brahms-Saal.
Auf dem Programm steht in der ersten Hälfte Robert Schumanns Liederzyklus „Dichterliebe“, der die Geschichte eines jungen Mannes erzählt, der in der Liebe zurückgewiesen wird und seinen Verlust durch Versöhnung und Vergebung überwindet. Nach der Pause erklingen zuerst sechs Brahms-Lieder, die sich durch eine tiefe Verschmelzung von poetischem Text und musikalischer Stimmung auszeichnen. Und zum krönenden Abschluss folgen dann Gustav Mahlers „Rückert-Lieder“, fünf Vertonungen nach Gedichten von Friedrich Rückert, die wohl zu den großartigsten Liedern der Zeitenwende von der Spätromantik zum 20. Jahrhundert zählen. Alles in allem ein wunderschönes Programm, dass man sich nicht entgehen lassen sollte!
Karten für dieses Konzert können unter https://musikverein.at/konzert/?id=0007e221 oder telefonisch unter +43 1 505 8190 oder per Email unter tickets@musikverein.at erworben werden.
Informationen zu weiteren Konzerten von Lukas Sternath finden sich auf seiner Homepage www.lukassternath.com.
Sibylle Sternath
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Heinz Sichrovsky in „News“: Cringer Bildungsminister
Einen Link hätte ich für Sie: Der brillante ORF-Satiriker Peter Klien hat im ORF-Format „Gute Nacht, Österreich“ den Bildungsabbau des Fachministers Wiederkehr thematisiert. Der Politiker will demnächst seine Absichten zum Lateinunterricht präsentieren. Nach meinen Informationen liegt vorläufig ein gerade noch akzeptabler Konsensvorschlag auf dem Tisch: Die Schulautonomie soll gestärkt werden, es können dann je nach Standort statt der bisherigen 12 sogar 13 oder mehr Stunden Latein gelehrt werden. Die Formierung schulinterner Bürgerkriegsparteien – Natur- gegen Geisteswissenschafter, um Stunden raufend – erscheint mir zwar wenig erstrebenswert. Aber dafür dürften, dem Vorschlag entsprechend, in keiner Variante weniger als 10 Stunden Latein gelehrt werden. Wiederkehrs acht Stunden sind damit obsolet. Und noch schöner: Die ÖVP beharrt meinen Informationen zufolge auf den bisherigen zwölf.
Ob Wiederkehr nun zustimmt oder gegen die gesamte Fachwelt, gegen die Elite der Kunst und der Wissenschaft eine Koalitionskrise herbeiführt, wird sich zeigen. Ausschließen will ich es nach Kliens Psychogramm nicht. Dem Minister Starrsinn nachzusagen, trifft nämlich das Problem nicht: Starrsinn bedingt Härte und den Willen zur Konfrontation. Der Minister hingegen gibt einen autistisch in sich gekehrten, jegliche Weltwahrnehmung von sich weisenden Avatar seiner selbst. „Cringe“, würden meine klassisch gebildeten Töchter das nennen.
Heinz Sichrovsky in „News.at“
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BERLIN / CHAMÄLEON „BELLO!“ – Die italienische Kompanie FABBRICA C mit einer poetisch-witzigen bewegungs- sprech- und musiktheatralischen Erkundung des Schönen; Premiere 19.3.2026
Bella Italia: Moderner Zirkus kreativ vielschichtig, innovativ gedeutet

Foto: Luca Quaia
Die Italiener kommen! Cicero sagte „dum spiro, spero“. „Solange wir atmen, dürfen wir hoffen“. Im heutigen Italien drückt das Sprichwort „Finché c’è vita, c’è speranza“ (=“Solange es Leben gibt, gibt es Hoffnung“) in etwa dasselbe aus. Von genau diesem vitalen Lebensgefühl durchdrungen, präsentierte gestern zum ersten Mal eine italienische Kompanie ihre Kunst im legendären Berliner Chamäleon. Gründer und Regisseur von Fabbrica C, Francesco Sgrò, hat es in kurzen Dankesworten nach dem tosenden Schlussapplaus auf den Punkt gebracht, als er sagte: „The show is the revolutionary act of being together.“ So einfach kann ein künstlerisches Ziel gesteckt sein, so kunstfertig und berührend seine Ausführung.
Ja, Zusammensein und nicht gegeneinander, nicht eindimensional polarisieren, sondern neugierig das Wesen und die Vielgestaltigkeit im anderen erkunden, ist das Motto von „Bello!“ Nicht in schwarz-weiß Kategorien denken, sondern das Wunder der Schöpfung und des Menschseins in unendlichen Zwischentönen und fließend organischer Wandlung freudig, stets unvoreingenommen, zu begreifen.
Bello! bedient sich der Mittel der Akrobatik, des Ausdruckstanzes, der Slapstick Comedy. Dabei geht es im ersten Teil feinfühlig poetisch zur Sache, im zweiten Teil herrschen Situationskomik, Klamauk und physische Aktionen mitten im und mit dem Publikum vor.
Kleine Geschichten durchziehen locker den Abend, erzählt in englischer Sprache von der Schauspielerin Judith Shoemaker. Aber wir dürfen uns dabei keine Moderation als Art steriler Zwischentexte vorstellen. Text und Bewegung überschneiden sich, überlagern und durchdringen einander. Die Schauspielerin wird nolens volens zur Mitakteurin und ist selber mittendrin über die Wirkung von gestischen Worten, übersetzt in sehnsuchtsvolle bis virtuos akklamierte Körpersprache, verblüfft.

Foto: Luca Quaia
Die an dem Abend aus zwei Frauen (Camille Guichard, Natalia Koskela) und vier Männern (Francesco Gemini, Antonio Panaro, Lucas Chacon Rodriguez, Mario Kunzi) bestehende Truppe gibt sich ungeachtet ihrer italienischen Verwurzelung und künstlerischen Identität wahrlich international. Dennoch ist es eine universelle Sprache des Zueinander und Miteinander, die die „Glorreichen Sieben“ auf der Bühne so hinreißend nah mit kleinen ironischen Seitenblicken verkörpern. Das Publikum erlebt eine frohe Feier der Leichtigkeit des Seins, forsch und frech, scheinbar unangestrengt und erfindungssprudelnd.
Banale Alltagssituationen – wie Schlangestehen, Im Kaffeehaus oder Alte Filme wiedersehen – skurrile Momente in der Art von ‚Was, wäre wenn?‘, Laufstegkapriolen, knisternde Nachtcluberotik à la Toyboy werden durch Regisseur Sgrò auf ihren melancholischen bis überwiegend humorigen Urgrund in körperskulpturalen Formationen abgetastet. Dabei gleitet der lose Handlungsstrang immer mehr ins befreiende Absurde und köstliche Schrille.
Natürlich wäre es nicht Italien, wenn sich nicht auch noch das wüsteste Grimassieren, Beschimpfungen („Du siehst widerlich aus, wenn Du isst“), clowneske „Körperbesteigungen“ bzw. die ständige Suche nach Körperkontakt sich in Wohlgefallen, Lächeln und Harmonie auflösen wollten.
„Altezza mezza bellezza“ = „Größe ist die halbe Schönheit“ darf als eine der augenzwinkernden Postulate an diesem Abend gelten. Denn auch Äußerliches wird auf die Schippe genommen, persifliert und komisch verwurstet. Natürlich werden im Hintergrund in ständigen Versuchsanordnungen existenzielle Fragen wie die Bedürfnisse nach Distanz und Nähe, Zuneigung und Zugewandtheit, das Spannungsverhältnis von Gruppe zum Einzelnen oder Behutsamkeit versus Aggression erörtert.
Sgrò schafft dazu kinetisch-akrobatische Wunderkammern, er lässt Konstellationen gefrieren und taut sie wieder auf. Erhitzt die Gemüter mit der Lava des Lachens und kühlt sie behutsam wieder ab. Auf die Schnauze fliegt dabei keiner und keine.
Die ästhetische Lebensauf- und anfassung ist von essenzieller Bedeutung der Produktion. Schönheit – in all ihrer umfassenden metaphorischen Tiefe begriffen – als Elixier und Freudenspender, als Grundprinzip und Leitfaden hat schon so manches Problem relativiert.
Der Melomane erfreut sich zudem, wenn er zwischen elektronischen Sounds von Max Richter, Sato Somei, Niklas Paschburg oder Angiuli Giorgia Maria Callas als Lauretta in Giacomo Puccinis „Gianni Schichhi“ und Casta Diva aus Vincenzo Bellinis „Norma“ hört oder zu den Klängen von Pergolesis Stabat Mater (Dolorosa) bzw. Jean-Philippe Rameaus „Les Indes galantes“, ‚Forêts paisibles‘ atemberaubende Akrobatik vom Feinsten erleben darf.
Jubel und Dankbarkeit nach einem grandiosen, im Verhältnis zu den oftmaligen Ensembles aus Australien und Kanada sensitiveren multidisziplinären Abend. Respektvoll sei angemerkt, dass Regisseur und die tolle Kompanie in nur wenigen Tagen die Aufführungsdauer von 67 auf 90 Minuten ausbauen konnten. Vielleicht ist es auch ein wenig das dadurch improvisatorisch Kirschblütenduftige und Zartkecke, das den positiven Eindruck noch einmal multiplizierte. Zeitgenössischer Zirkus in seiner besten und elementarsten Form!
Gespielt wird in den Hackeschen Höfen; Rosenthaler Straße 40/41, 10178 Berlin bis 31. Mai 2026.
Nähere Informationen: chamaeleonberlin.com/de/shows/bello/
Dr. Ingobert Waltenberger

