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IM ARM DER LIEBE: JULIANE BANSE singt Orchesterlieder von Marx, Braunfels, Korngold und Pfitzner – BR Classics CD

22.12.2017 | cd

IM ARM DER LIEBE: JULIANE BANSE singt Orchesterlieder von Marx, Braunfels, Korngold und Pfitzner – BR Classics CD

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Die deutsch-schweizerische Sopranistin Juliane Banse ist im Opernrepertoire mittlerweile bei der Marschallin im Rosenkavalier angekommen. Im Lied- und Konzertfach hat sie sich mit großem Erfolg gleichermaßen für Zeitgenössisches (Reimann, Henze, Rihm) wie Raritäten (Hartmann, Koechlin, Schoeck, Hindemith) eingesetzt. Nun legt die Künstlerin in Zusammenarbeit mit dem Münchner Rundfunkorchester unter der musikalischen Leitung von Sebastian Weigle eine Sammlung von Liedern vor, die alle zwischen 1910 und 1920 geschrieben wurden. Mit dem Münchner Rundfunkorchester hat die Sopranistin in Konzert und Aufnahmestudio bereits mehrfach zusammengearbeitet, wie etwa bei der Verkündigung von Walter Braunfels unter der Leitung von Ulf Schirmer.

 

Genuine Orchesterlieder gibt es seit dem 19. Jahrhundert (Wagner, Berlioz), doch erst das Fin-de-siecle und Komponisten wie Gustav Mahler, Richard Strauss oder Hugo Wolf krönten diese Kunstgattung mit berückend schönen Schöpfungen. Wolfgang Stähr spricht in seinem klugen Aufsatz „Stille Kammer, weite Welt“ von der glücklichen Doppelnatur des Orchesterliedes, das – wie die Epoche, der es angehört – das Ätherische mit dem Exaltierten, die intime Seelenerkundung mit der schwelgerischen Schönheit, den verführerischen „großen Apparat“ mit der fragilen Individualität verbindet, vereint und versöhnt. Juliane Banse hat sich nicht die Vier letzten Lieder gewählt, sondern verwöhnt den Hörer mit Raritäten des Grazers Joseph Marx, drei „Chinesischen Gesängen“ von Walter Braunfels, den Sechs einfachen Liedern Op. 9 des Erich Wolfgang Korngold sowie fünf ausgewählten Kompositionen von Hans Pfitzner.

 

Juliane Banse verbindet das schwelgerisch üppige Timbre einer Renée Fleming mit einer exquisiten Textdeutlichkeit und deklamatorischen Akkuratesse. Das ist besonders wichtig, weil sonst die menschliche Stimme in den orchestralen Fluten ertrinken würde. Das renommierte Münchner Orchester ist in diesem Repertoire naturgemäß zu Hause und kann unter der flexiblen und aufmerksamen Stabführung Sebastian Weigles viel instrumentales Gold beisteuern. Ob man diese CD in einem in Dunkelheit getauchten Raum, von leisen Düften durchzogen bzw. mit sacht an- und abschwellenden Lichtakkorden illuminiert hört, wie das eine Flugschrift im Jahr 1900 zur Verteidigung des gefährdeten Feinsinns der Liedkunst rät oder einfach pur ohne Beiwerk, sei jedem Musikfreund überlassen. So oder so wird das Album garantiert Freude bereiten.

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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