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IASI/ Opera Națională Română Iași/Rumänien: TOSCA. Elena Moșuc: Erfolgreiches Debut als Tosca

04.11.2025 | Oper international

Giacomo Puccini: Tosca • Opera Națională Română Iași • Vorstellung: 03.11.2025

(Premiere am 03.11.2011)

Elena Moșuc: Erfolgreiches Debut als Tosca

In der diesjährigen Festvorstellung zur Gründung der Nationaloper Iaşi debütiert Elena Moșuc mit grossem Erfolg als Tosca. Ihre souveräne Interpretation der Rolle überzeugt mit superber Technik und tiefer Emotion.

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Elena Mosuc. Foto © Luca Iuriciuc

Das in der Moldau gelegene Iaşi ist für die rumänische Theatergeschichte ein eminent wichtiger Ort: 1816 wurde hier das erste Theaterstück in rumänischer Sprache gegeben, 1833 mit «La dame blanche» die erste Oper gespielt, hier wurde das erste Nationaltheater Rumäniens gegründet und 1876 nahm das erste jüdische Theater der Welt an den Ufern des Bahlui seinen Betrieb auf. Am 1. Januar 1956 wurde dann, nach jahrzehntelangen Bemühungen, das Opernhaus Iaşi als Institution gegründet und im Nationaltheater Vasile Alecsandri, einem Bau des Wiener Architektenbüros Fellner & Helmer (740 Plätze), beheimatet. Die erste Vorstellung des am 8. Juli 2003 zur nationalen Institution erhobenen Hauses fand am 3. November 1956 mit einer Aufführung von Puccinis «Tosca» statt. Und so wird in Iaşi jeweils am 3. November Puccinis «Tosca» gegeben.

Ognian Draganoffs Inszenierung folgt weitgehend dem Libretto von Giacosa und Illica und so ist «Tosca» sofort als solche zu erkennen. Rechts die Madonna, links das Gemälde der Maria Magdalena und im Hintergrund ein stilisiertes Bild eines Kirchenraums (Bühnenbild: Boris Stoynov). Hier läuft nun das Geschehen grundsätzlich ab, wie man es kennt, und die Solisten nutzen den Raum um ihre Partien zu gestalten. In einigen Details weicht Draganoff vom «klassischen» Bild einer «Tosca» ab. Cesare Angelotti tritt im Frack auf und hat sich auf der Flucht gut gehalten. Cavaradossi braucht dann doch seine Zeit ihn zu erkennen. Der Mesner ist für einmal nicht der Mürrische Alte, sondern ein junger Franziskaner, der in seinem Auftreten an den Fra Melitone aus Verdis Macht des Schicksals erinnert. Und wenn Tosca auftritt, legt sie ihre Blumen tatsächlich zu Füssen der Madonna ab und kniet für ein kurzes Gebet nieder. Die Schlussszene mit dem Te Deum ist dann vom grosszügigen Einsatz von Weihrauch (Trockeneis) geprägt. Im zweiten Akt nimmt ein Tisch praktisch die ganze Breite der Bühne ein. Die seitlichen Stellwände sind mit Bilderzyklen dekoriert, die von Scarpias Vorliebe für üppige bis üppigste Formen künden. Als sich der Vorhang hebt, schleppen Scarpias Schergen gerade den gefangenen Cavaradossi herbei und bringen Scarpias letztes Opfer weg. Rund um diesen Tisch, an dem Scarpia auch isst und Dokumente abfasst, spielt sich dann der Konflikt zwischen der Diva und dem Polizeichef ab. Zum Mordinstrument wird hier nicht wie so häufig ein Brieföffner, sondern das Messer aus der Schinkenkeule von Scarpias «povera cena». In Iaşi ist die Rolle des Hirten doppelt besetzt und der Hirtenruf so, quasi nach alpinem Vorbild, als kommunikativer Vorgang gezeigt. Gänzlich ungewohnt ist das Finale gestaltet. Während im Vordergrund sechs Choristen mit grossen, blutverschmierten Kreuzen auftreten und an das Leiden Christi erinnern, sammeln sich im Hintergrund die Geister der Opfer Scarpias, die Tosca in ihre Mitte aufnehmen. Der finale Sprung fehlt hier also. Die Kostüme von Tzvetanka Petkova Stoyanova bewegen sich in klassischen Bahnen.

Gheorghe Victor Dumănescu hat das Geschehen fest im Griff, arbeitet wunderbar die Farben der Partitur heraus, koordiniert souverän zwischen Graben und Bühne und ist den Solisten ein sensibler Begleiter. Er ist – im positiven Sinn – ein Kapellmeister alter Schule: Hier ist Toscas Gesang in der Kantate deutlich zu hören. Das Orchestra Operei Naționale Române Iaşi spielt klangschön einen klaren, gut konturierten, etwas herben Puccini. Der Corul Operei Naționale Române Iaşi erledigt seine Aufgaben tadellos. Besonderes Lob verdient der gross besetzte Kinderchor (Corul de Copii Operei Naționale Române Iaşi): Mit beeindruckender Disziplin, natürlicher Spielfreude und kompaktem, sattem Wohlklang absolviert er seine Auftritte.

Mit der Floria Tosca hat sich Elena Moșuc eine für diesen Moment ihrer Karriere ideale Partie erschlossen und gibt ein fulminantes Debut. Ihre superbe Technik erlaubt es ihr die Rolle bis in die letzte Faser zu durchdringen und mit grosser Farbpalette und weit ausschwingender Stimme bewegende Spannungsbögen zu gestalten. Moșuc ist Tosca, sie erlebt deren Qualen so intensiv am eigenen Leib, dass dem Zuschauer Angst und Bange werden kann. «Verismo» steht hier für wahre, echte, tief empfundene Emotionen. So wird das «Vissi d’arte», gesungen im Spotlight, zum wahren Höhepunkt. Florin Guzgă gibt den Mario Cavaradossi mit jugendlich strahlendem, leicht metallischem Tenor und guter Bühnenpräsenz und bestätigt so den vor Jahresfrist in Galati hinterlassenen positiven Eindruck. Lucian Petrean gibt den Scarpia mit klar fokussiertem Bariton mit reicher Farbpalette. Das Böse liegt bei diesem Scarpia in leicht outriertem Spiel. Cezar Octavian Ionescu nutzt die von der Regie vorgegebene Änderung, der Sakristan ist hier nicht ein älterer Zivilist, sondern ein junger Franziskaner, und wertet die Rolle mit erfrischend natürlichem Spiel sympathisch auf. Stimmlich überzeugt er mit einem agil geführten, hellen Bass. Cesare Angelotti hat in dieser Produktion von Gefangenschaft und Flucht nur wenig Blessuren davongetragen und Teodor Busnea erfüllt das Bild des ehemaligen Konsuls szenisch wie stimmlich tadellos. Ovidiu Manolache als Spoletta, Marius-Mădălin Munteanu als Sciarrone, Victor Zaharia als Schliesser und Petru Pavel als Roberti komplettieren das Ensemble. Casiana Ștefana Țuțu und Alexie Puiu geben die beiden rundum überzeugenden Hirten.

Moșucs fulminantes Rollendebut überzeugt mit superber Technik und aussergewöhnlich tiefer Emotion.

Keine weiteren Aufführungen bekannt.

05.11.2025, Jan Krobot/Zürich

 

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