Adolf Müller: Wiener Blut • Operettenbühne Hombrechtikon • Premiere: 05.09.2026
«Na! Des kommt net vom Champagner, des kommt vom Wiener Blut!»
Nach dem Ausflug zur Berliner Operette (Linckes «Frau Luna» im vergangenen Jahr) kehrt die Operettenbühne Hombrechtikon mit «Wiener Blut» (Musik von Johann Strauss arrangiert von Adolf Müller jun.) höchst erfolgreich zur «klassischen» Wiener Operette zurück.

Foto © Dennis Yulov
Nach dem letzten Erfolg mit «Der Zigeunerbaron» 1885 und dem Scheitern mit «Ritter Pásmán» verlor Johann Strauss zunehmend das Interesse an Bühnenwerken. Im Frühling 1899 reifte bei Franz von Jauner, Direktor des Carltheaters, der Wunsch eine Operette von Johann Strauss zu bekommen. Um die Erfolgschancen zu erhöhen, schlug der Librettist Victor Léon ein Pasticcio aus Straussschen Tanzmelodien vor, die der erste Kapellmeister des Theaters an der Wien, Adolf Müller jun., arrangieren sollte. Der Meister stimmte zu und wählte die zu verwendenden Stücke aus. «Victor Léon und Leo Stein schrieben inzwischen das Buch fertig – «Wiener Blut» – eine artige Geschichte aus der Kongresszeit. Die Schauplätze sind die Straussischen: Döbling, Hietzing; der grosse Festball nimmt die Mitte ein wie in der Fledermaus; und wie in der Fledermaus werden die Personen durcheinandergewirbelt, Gräfin, Tänzerin, Probiermamsell … Gattin und Geliebte. Werden verkannt, verwechselt, richtiggestellt: – am Schluss «stärkt Wiener Blut den Mut»» (Zitat aus: Decsey, Johann Strauss). Verwirrungen und Entwirrungen haben nun eine andere Ursache als in der Fledermaus: «Des kommt net vom Champagner, des kommt vom Wiener Blut!».
Trotz seiner Rückschau auf die «gute alte Zeit» (und seiner Rolle als Prototyp der «Alt-Wien-Operetten») hat das Werk, als Pasticcio mit der Verwendung bewährter «Hits» ein früher Vorläufer der Revue-Operetten und vor allem der «Recycling-Musicals», mit der «offenen» Ehe von Graf und Gräfin Zedlau ein für seine (und unsere) Zeit fortschrittliches Gesellschaftsmodell zu bieten.
Stefan Wieland (Regie und Textfassung) legt bei seiner Inszenierung das Hauptgewicht auf die «Süssigkeit des Steffl, die Schönheit seiner [des Wieners] Stadt, die Goldigkeit seines Herzens» (Zitat: Ralph Benatzky, Tagebuch) und bringt diese luftig und leicht auf die drei Gärten der Bühne. Die Grundanlage mit einer Freitreppe über die ganze Bühnenbreite und vier Pavillons (Bühnenbild: Dave Leuthold) erlaubt mit verschiedener Bepflanzung auf dem Prospekt des Hintergrunds rasche Szenenwechsel und damit einen kontinuierlichen Handlungsfluss, so dass Wieland die Geschichte gut verständlich erzählen kann und die Solisten genügend Raum zur Gestaltung ihrer Figuren haben. Die farbenprächtigen Kostüme hat Sabrina Claudia Moser gestaltet; Anna Ilg choreographiert das Wiener Ballett.
Das Orchester der Operettenbühne Hombrechtikon unter Caspar Dechmann (Musikalische Gesamtleitung) bringt nach kurzer Einspielzeit die wunderbare Musik von Strauss luftig, leicht und beschwingt zu Gehör und trägt die Solisten auf Händen durch den Abend. Der Chor der Operettenbühne Hombrechtikon beeindruckt mit Wohlklang und grosser Spielfreude.
Erich Bieri gibt den Fürsten Ypsheim-Gindelbach mit sonorem, perfekt fokussiertem Bassbariton und höchst idiomatischem Sächsisch. Christoph Waltle überzeugt als Balduin Graf Zedlau klarem, kräftigem Tenor. Tereza Kotlánová gibt seine Gattin Gabriele, Gräfin Zedlau, mit klar konturiertem, in exponierten Passagen zu leichten Schärfen neigendem Sopran. Anna Gitschthaler begeistert als Demoiselle Franziska Gagliari mit perfekt geführtem, farbenreichem Sopran und unnachahmlicher Bühnenpräsenz. Marcel Zehnder triumphiert mit unglaublich nuanciertem Spiel in der Rolle ihres Vaters, des Karussellkönigs Kagler. Musikalisch wie szenisch vollendet gibt Tom Muster den Josef, Kammerdiener des Grafen Zedlau. Anna Gössi überzeugt trotz Indisposition in der Rolle der Probiermamsell Pepi Pleininger. Andreas Schiller gibt den Grafen Bitowski mit etwas zuviel Klischee als betrunkenen Slawen. Nach einer rundum gelungenen Premiere darf man sich auf die weiteren Vorstellungen freuen.
Die Operettenbühne Hombrechtikon spielt in Zukunft nur noch alle zwei Jahre und wird 2028 Kálmáns «Gräfin Mariza» aufführen.
Weitere Aufführungen:
- September 2026, 19.00; 12. September 2026, 19.00; 13. September 2026, 15.00;
18. September 2026, 19.00; 19. September 2026, 19.00; 20. September 2026, 15:00;
25. September 2026, 19.00; 26. September 2026, 19.00; 27. September 2026, 15.00;
2. Oktober 2026, 19.00; 3. Oktober 2026, 19.00; 4. Oktober 2026 15.00.
07.09.2026, Jan Krobot/Zürich

