Wagner und Nachwuchsförderung
Das Solistenensemble D´Accord spielt „Tannhäuser“ und unterrichtet junge Musiker*innen aus aller Welt (August 2022)

Copyright: Moritz Liebknecht
Das Solistenensemble D´Accord scheint mit seinen eigenen Wagner-Paraphrasen mit bekannten Schauspielern an besonderen Orten eine (beeindruckend präsente) Nische gefunden zu haben. War die Formation zuletzt in der Hamburger Elbphilharmonie mit Tatort-Star Sascha Nathan zu Gast (s. onlinemerker vom 4.10.2021) und jährlich in Wagners Haus Wahnfried in Bayreuth während der dortigen Festspiele, gab sie nun einen „Tannhäuser“ im Streichseptett mit TV-Schauspieler Frederic Böhle: Der Schlosshof Hohenschwangau war Bühne für Musik und Moderation, eine traumhafte Kulisse mit Wagner-Hintergrund: Hier war der Komponist zu Gast um König Ludwig Unsummen aus dem Kreuz zu leiern, niemals aber im in Sichtweite liegenden Schloss Neuschwanstein. Nun also dessen „Tannhäuser“, nach Auftritten mit dem Werk eben wieder in Haus Wahnfried und bei den Opernfestspielen in Heidenheim. Böhle führte launig und etwas ausschweifend durch Geschichte, Hintergrund und seine eigenen Wagner-Anekdoten, war offenbar nur für dieses Konzert zwischen den neuen „Ring“-Vorstellungen auf dem Grünen Hügel und erstmals in diesem Format „eingeflogen“ worden. Die einmal mehr packend-gelungene Paraphrase selber stammt wie die anderen von der ersten Geigerin Martina Trumpp, die mit gewohnt exzellenten Kolleg*innen aufwarten konnte. Die Idee, die drei Aufzüge in jeweils einer 20-minütigen Paraphrase zu spielen und davor ein paar Musikbeispiele plus unterhaltsam-informative Moderation zu bringen, funktioniert ausgezeichnet und ist nicht nur dazu angetan, neues Publikum für die große Oper zu begeistern, sondern auch Wagner-Kennern einen genussvollen Abend zu bereiten.
Auf dem Flyer von „Hohenschwangau Klassik“ finden sich weitere Konzerte auch mit anderen Programmen, vor allem aber offenbar erstmals eine Akademie für den Nachwuchs. Auf Nachfrage berichten Trumpp und Stephan Knies, die das Ensemble künstlerisch und geschäftsführend leiten, dass zwei Dutzend Student*innen aus aller Welt per Vollstipendium ins dem Schloss nahe gelegene Murnau eingeladen worden waren, wo sie von renommierten Dozent*innen Unterricht nicht nur für ihr jeweiliges Instrument, sondern auch Probespieltraining, Kammermusikstunden u.a. bekommen haben. Sogar die Patronin der Villa Riedwies in Murnau, Annemarie Speermann, Mitglied des legendären Bartholdy-Quartettes und emeritierte Professorin der Musikhochschule in Karlsruhe, habe einige Stunden übernommen. In mehreren Konzerten auf dem Gelände der Murnauer Seidl-Villa wurden im Rahmen dieser „D´Accord Academy“ Studentenkonzerte aufgeführt, darunter für die Begabtesten der Nachwuchskräfte auch zusammen mit den Profis – ein idealer nächster Schritt auf dem Weg ins Musikerleben. Wenn man das Logo der „Neustart Kultur“-Initiative auf Plakaten, Flyern und der Webseite sieht, kommt man nicht am Eindruck vorbei: Diese Fördergelder der Bundesregierung sind in diesen Projekten optimal eingesetzt worden. Für die Akademie, aber sicher auch für die Konzerte, deren eines den Rezensenten noch lange beglückt ins fast kitschig schöne Sommerabendrot während des dritten Aufzuges träumen hat lassen. Genau bei Wolframs am Solocello famos gespieltem und von den Pizzicati der anderen delikat begleitetem „Lieds an den Abendstern“. Ad multos annos!
Moritz Liebknecht

