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HILDESHEIM/ Theater für Niedersachsen: DIE PANTÖFFELCHEN von Piotr I. Tschaikowsky

Von kranken Sängern und kranken Bühnen

12.02.2019 | Oper

Piotr I. Tschaikowsky: Die Pantöffelchen, Theater für Niedersachsen, Hildesheim, 11.02.2019

 (6. Vorstellung seit der Premiere am 09.12.2018)

Von kranken Sängern und kranken Bühnen

Gerade in dieser Jahreszeit beginnen Vorstellungen oft mit einer Ansage. In diesem Fall war glücklicherweise kein Sänger zu vermelden, der ins Bett gehört, das Publikum aber trotzdem beglücken will. Indisponiert war für einmal die Bühne, genauer die Hubpodien. In der Vorstellung war davon nichts zu bemerken, es kann also nicht so schlimm gewesen sein.

Die Pantöffelchen (Tscherewitschki) sind Tschaikowskys vierte Oper und die Erste, der der an permanenten Minderwertigkeitskomplexen leidende Tschaikowsky selbst akzeptierte. Die Autographen der ersten beiden, der Wojewode und Undina, vernichtete er, den Autograph der dritten Oper, der Opritschnik, gab er nie zum Druck frei. Tschaikowskys vierte Oper, «Wakula, der Schmied» wurde am 06.12.1876 in St. Petersburg in erster Fassung uraufgeführt. Nach 18 Aufführungen wurde die Oper, die kein Erfolg war, abgesetzt. Dem Komponisten lag sein Werk aber am Herzen und so überarbeitete er grundlegend. Da mittlerweile auch andere Komponisten die Vorlage Gogols verwendet hatten, änderte Tschaikowsky den Titel in «Die Pantöffelchen», unter dem die Oper am 31.01.1887 uraufgeführt wurde. Auch in dieser Fassung war das Werk kein Erfolg, wurde nach sechs Aufführungen abgesetzt und zu Tschaikowskys Lebzeiten nie mehr gespielt.

Dank dem Theater für Niedersachsen in Hildesheim ist die Rarität nach 30 Jahren wieder in Deutschland zu erleben. Gesungen wird eine anonyme deutsche Übersetzung von etwa 1898.

Regisseurin Anna Katharina Bernreitner bedient sich in ihrer Inszenierung dem Stilmittel der Verfremdung und vermeidet so simplen  Realismus oder gar plakativen Folklorismus. Die Ausstattung von Hannah Rosa Oellinger und Manfred Rainer ist ebenso verfremdet. Die Dorfbevölkerung, wir befinden uns in den winterlich kalten Weiten Russlands, trägt Ski-Anzüge, Norweger-Pullis oder alte Militärkleidung. Das Märchen kann so Märchen bleiben.

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©Theater für Niedersachsen

Die weisse Bühne ist fast leer, nur auf der linken Seite erhebt sich ein Hügel, der Hintergrund ist schwarz. Noch während der Ouvertüre hat der Teufel seinen ersten Auftritt und bringt ein stilisiertes Modellhaus auf die Bühne. In Matrioschka-Art enthält dieses Haus weitere Häuser, so dass am Schluss das Dorf Dikanka auf der Bühne nachgebildet ist. Mit Zauberhand beleuchtet der Teufel die einzelnen Hütten.

Nach einigen Irrungen und Wirrungen erklärt sich Oxana, vom Schmied Wakula verehrt und begehrt, dass sie nur bereit sei ihn zu heiraten, wenn er ihr die Pantöffelchen der Zarin bringe. Nun muss Wakula erst einmal der Lockungen der Rusalken, die hier mit langem her doch recht indifferent bleiben, wiederstehen.

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©Theater für Niedersachsen

Als Wakula dann keinen Ausweg mehr sieht und Suizid begehen will, erscheint der Teufel und bietet, natürlich im Tausch gegen Wakulas Seele, seine Hilfe an. Wakula gelingt es nun aber den Teufel zu überlisten und so muss dieser ihn auf seinem Rücken zum Zarenhof tragen und die Pantöffelchen beschaffen. Der Zarenhof ist nun das Paradies, wie es sich die Dorfbevölkerung vorstellen könnte: ein Dutzend Wärmestrahler mit aufgesteckten Palmwedeln. Es kommt wie es kommen muss: Wakula bekommt die Pantöffelchen, bringt sie nach Dikanka und bekommt nun seine Oxana.

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©Theater für Niedersachsen

Pantöffelchen? Üppig vergoldete Turnschuhe mit Leuchtdioden in der Sohle…

Unter Leitung von Achim Falkhausen bewältigt die TfN-Philharmonie die oft doch wesentlich moderner als das Folgewerk „Eugen Onegin“ klingende Partitur mit grosser Spielfreude und legt so die Basis für einen höchst interessanten Opernabend. Opernchor und Extrachor des TfN wie auch die Tänzer (Choreographie von Natascha Flindt) setzen Bernreitners Konzept hervorragend um. gibt die Prägende Figur des Abends und auch immer wieder beschäftigt, wenn er nichts zu singen hat, ist Peter Kubik als Teufel. Die Sopranistin Katja Bördner gibt die Oxana und jedem Zuschauer wird sofort klar, warum Wakula (an diesem Abend etwas verhalten Wolfgang Schwaninger) sie begehrt. Mezzosopranistin Neele Kramer ist Wakulas Mutter Solocha und will irgendwie gar nicht wie eine Hexe wirken. Uwe Tobias Hieronimi (Tschub/Ein alter Saporoger), Levente György (Pan Golowa/Durchlaucht), Julian Rohde (Panass/Schulmeister) und Jesper Mikkelsen (Der Zeremonienmeister) komplettieren das Ensemble.

Die Provinz lebt! Lohnende Begegnung mit einem Werk, dessen Raritätenstatus nicht so ganz klar werden will.

Weitere Aufführungen: Samstag 23.02.2019, 19.30 Uhr, Freitagtag 05.04.2019, 19.30 Uhr und Montag 08.04.2019, 19.30 Uhr.

14.02.2019, Jan Krobot/Zürich

 

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