HILDESHEIM/ Theater für Niedersachsen : DIE GÖTTIN DER VERNUNFT von Johann Strauss Sohn am 10.11.2025

Copyright: Theater für Niedersachsen Hildesheim
Was Roland Geyer mit seinen 22 Mega-Millionen (von denen er vielleicht 2€20 übriglässt) im Strauss-Jahr nicht geschafft hat, schafft jetzt das kleine Theater im bei uns eigentlich unbekannten niedersächsischen Städtchen Hildesheim: die erste szenische Wiederaufführung von Johann Strauss Sohns letzter Operette Die Göttin der Vernunft.
Ein äußerst witziges Libretto von Alfred Maria Willner (immerhin auch Autor von Der Graf von Luxemburg !), eine naturgemäß grossartige und sehr homogene Musik von unser aller Schani mit mehreren Arien, die durchaus auch Hitpotential haben…es ist ein Verbrechen und vor allem eine unfassbare und unverständliche Dummheit, dass dieses späte Meisterwerk von einem der größten Operettenmeister aller Zeiten bis heute vergessen war.
Die Ausgangssituation ist eine sehr ungewöhnliche: im letzten Jahr der französischen Revolution wurde versucht, den „Kult der Vernunft“ einzuführen, in dessen Verlauf man eine nackte Frau als „Göttin der Vernunft“ in die Kathedrale Notre-Dame hineintrug. Tolles Bild! Tolle Action ! Sollte man wieder einmal zu machen versucht, jetzt wo die Kathedrale wieder renoviert ist…
Ebenjene „Göttin der Vernunft“-Darstellerin, eigentlich eine Schauspielerin, muss auf Grund des Skandals daraufhin nach Châlons flüchten , wo sich mehrere Verwechslungen, Vertauschungen und Verirrungen ergeben.
Als eingebildeter und hochnäsiger Wiener will man zuerst gar nicht wirklich wahrhaben, was für ein großartiges, sing-und spielfreudiges und perfekt besetztes Ensemble im entfernten Hildesheim am Werk ist: z,B. Gabriele Jocaite als leider nicht ganz nackte, aber trotzdem super sexy Ernestine ( alias Göttin der Vernunft), Neele Kramer als ihre Doppelgängerin Comtesse Mathilde de Nevers und der phänomenale Tobias Hieronimi als der gutmütig-melancholische Gutsbesitzer mit dem bezeichnenden Namen Bonhomme, sozusagen der Angelpunkt der gesamten Intrige.
Die rasante Inszenierung von Christian von Goetz ist vielleicht ein wenig zu ADHS-mäßig und karikatural überdreht, aber ansonsten: Chapeau! Chapeau !! Chapeau !!! Alle (nicht existenten) Johann Strauss-Ehrenmedaillen und zumindest den Goldenen Rathausmann für diese historisch verdienstvolle Meisterleistung!
Weiters fordere ich die sofortige Übernahme dieser Produktion oder zumindest dieses Stücks an die Volksoper (ausgeschlossen) oder ans Musiktheater an der Wien – die haben im Strauss-Jahr immerhin die unbekannte Operette Das SPITZENTUCH in einer sensationell gelungenen Inszenierung herausgebracht.
Die Göttin der Vernunft läuft im Niedersächsischen Landestheater noch die ganze Spielzeit. Also, liebe Wiener Operettenliebhaber, charterts Busse nach Hildesheim, Neumünster, Nienburg oder Itzehoe etc…Und genießt dieses exilierte Johann Strauss-Meisterwerk dort in vollen Zügen !
Ihr überdotierten ignoranten Straussmuffel, Roland, Lotte und all die anderen hingegen aber: schämts euch in der Zwischenzeit in Grund und Boden. Schande über Euch !
Robert Quitta, Hildesheim

