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HEUNBURG/ Musiktheater: DIE HOCHZEIT DES FIGARO

31.08.2026 | Oper in Österreich

30.08. 2026 .: HeunburgMusiktheater – DIE HOCHZEIT DES FIGARO

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Susanna (Johanna M. Kräuter) und die Gräfin (Julia Koci), in die verliebten Verse Cherubinos vertieft © Alex Settari

Vielleicht nicht namentlich, aber optisch bekannt ist die Heunburg allen Autofahrern auf dem Weg Richtung Süden, der markante fast würfelförmige Bau auf einem Schieferfelsen, der rechts von der Südautobahn zwischen den Abfahrten Griffen und Völkermarkt Ost schroff aufragt. Die Anlage aus dem 12. Jahrhundert dient seit über dreißig Jahren als Schauplatz für renommiertes Sommertheater, seit dem Vorjahr wird sie im Spätsommer auch im Rahmen des neuen Projekts „HeunburgMusiktheater“ mit klassischer Oper bespielt. Die begrüßenswerte Initiative geht auf die engagierte junge, hauptsächlich in Wien tätige Sopranistin Johanna Maria Kräuter zurück, die selbst aus Haimburg stammt und nun zurückgekommen ist, um in ihrer Heimat Musiktheater zu machen, für „alle“, „verständlich und klar“, welches „das Herz und alle unsere Sinne öffnet“, wie sie auf ihrer Homepage schreibt. So war in dem atmosphärischen Gemäuer, wo im Sommer noch Grillparzers Ahnfrau schaurigen Schrecken verbreitete, nun Mozarts „Hochzeit des Figaro“ zu erleben.

Gespielt wurde auf Deutsch – und Italienisch (nach welchem Prinzip zwischen diesem und jenem aufgeteilt worden war, hat sich nicht ganz erschlossen, außer dass für den Grafen, dem der größte Teil des Italienischen zufiel, vielleicht angedeutet werden sollte, dass er nicht „dieselbe Sprache spricht“ wie die Gräfin, Figaro und Susanna). Die Secco-Rezitative hatte Regisseur Veit-Jacob Walter durch gesprochenen Text ersetzt – was auf den ersten Moment ungewohnt war, worauf man sich aber einstellen konnte und was bestimmt der allgemeinen Verständlichkeit (es waren auch einige Kinder und Jugendliche im Publikum) dienlich sein mochte. Gerade aus Gründen der Nachvollziehbarkeit hätte man sich da und dort allerdings etwas mehr „Input“ seitens der Regie gewünscht: die Story mit ihren immer wieder aufs Neue umdisponierten Verkleidungen, mit den kursierenden Briefchen etc. ist ja streckenweise nicht die einfachste und braucht eine entsprechende, präzise „Führung“, um sie tatsächlich zu erzählen, damit das Timing sitzt und auch die Komik der Situationen entsprechend „zündet“. Auch seitens der Bühne – die Ausstattung war auf zwei Stühle und eine große Truhe reduziert, letztere fungierte de facto auch als Sitzmöbel – hätte trotz angesagter Einfachheit ein klein wenig mehr gutgetan (und auch gereicht), ein Paravent im zweiten, vielleicht ein oder zwei Pflänzchen, hinter denen man sich pro forma verstecken könnte, im vierten Akt …

Musikalisch konnte man sich jedenfalls an einem Ensemble junger, schöner Menschen mit frischen Stimmen freuen, die mit sicht- und hörbarer Freude in ihren Rollen aufgingen – womit jedenfalls die wichtigste Voraussetzung erfüllt war, um die Sympathie und Begeisterung des zahlreich angereisten Publikums zu wecken, welches diesmal weniger Sitzfleisch als Trittsicherheit (für den Aufstieg auf den gut besonnten Burg-Hügel) unter Beweis stellen musste. Intendantin Johanna Maria Kräuter selbst verkörperte die Nöte der von den gräflichen Avancen bedrängten Susanna mit nachvollziehbarer Ernsthaftigkeit und berührte zuletzt mit ihrer tief empfundenen Rosen-Arie, während an ihrer Seite Ivo Kovrigar mit Spielfreude und Humor als präsenter Figaro die Verwechslungsspielchen vorantrieb. Ein zum Glück nicht allzu unsympathischer, dafür mit virilem Bariton ausgestatteter Graf war Thomas Tatzl, ihm gegenüber zeigte Volksopern-Star Julia Koci mit einer ihrer Würde stets bewussten, niemals larmoyanten Gräfin stilsicher und mit Eleganz in darstellerischem und gesanglichem Ausdruck ein weiteres Mal ihre große Vielseitigkeit unter Beweis: Chapeau! Aufhorchen ließ auch der markante Mezzo der Oberösterreicherin Johanna Zachhuber, der als attraktiver Cherubino einiges an Beweglichkeit abverlangt wurde. Auch die weiteren Künstlerinnen und Künstler – Verena Gunz als köstlich exaltierte Marzellina, David Jagodic als schmierig intriganter Basilio und hilfloser Don Curzio sowie Gregor Einspieler, der als gutmütig tollpatschiger Bartolo und quasi als Running Gag eines in Kärntner Landessprache durchs Geschehen polternder Antonio die Lacher auf seiner Seite hatte – trugen ihren Teil zum Erfolg des Abends bei. Die Rolle der Barbarina hatte man durch geschickte Bearbeitung eingespart, ebenso wie die beiden kurzen Chorszenen im 1. und 3. Akt.

Die große Überraschung waren die zehn Musiker, die unter der Leitung von Laszlo Gyüker den Orchesterpart zu tragen hatten und, man hörte und staunte, dies in so sensibler, ausdrucksstarker Weise taten, dass man den gewohnten Orchesterklang erstaunlicherweise gar nicht vermisste. Was man von der Arie des Grafen bzw. derjenigen Figaros im 4. Akt und vom Briefduett nicht sagen konnte, die Strichen „zum Opfer“ gefallen sind – aus Gründen der Niederschwelligkeit?: vor allem von letzterem hätte man sich doch sehr gewünscht, es gerade von den beiden Damen, die da am Werke waren, zu hören.

Valentino Hribernig-Körber

 

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