Herbsttage Blindenmarkt: Das Wolgalied im Lehárschlössl

Intendant Micharel Garschall über der Originalpartitur des Wolgaliedes. Foto: Herbsttage Blindenmarkt

Wolfgang Dosch im Park des Lehárschlössel. Foto: Herbsttage Blindenmarkt
Mit ihrem heurigen „Zarewitsch“ und dessen „Sonja“, also: mit ihren Stars und ihrem Team machten Michael Garschalls Herbsttage Blindenmarkt am zweiten Junisonntag einen Ausflug nach Nussdorf. Und baten als Herbsttagevorschau zur beschwingten Frühsommermatinée – ins Schlössl, in dem Franz Lehár gut zwölf Sommer lang gelebt hatte.
Ein Librettist an der Fassade, eine Königin der Nacht an der Decke, ein Dirigent in Öl – und zwischendrin: der nächste „Zarewitsch“. Der sang am 14. Juni nicht in der Volksoper und (noch) nicht in Blindenmarkt. Sondern in Nussdorf. Dort, wo sein Komponist (der das Libretto erst wieder weggelegt hatte – um dann daraus seinen „nächsten Welterfolg“ zu machen) zwölf Jahre gelebt und gearbeitet hatte. Wo ein anderer Librettist, nämlich der von Mozarts „Zauberflöte“, 130 Jahre vorher ein „Schlössl“ gekauft hatte („als Emanuel Schikaneder ein reicher Mann war“, so Lehár-Experte Wolfgang Dosch). Und wo einst ein Privatmuseum an beide erinnerte und das auch in Zukunft wieder tun soll („das soll auch wieder ein Museum werden“, so Dosch).

Clemens Kerschbaumer und Maja Triler. Foto: Herbsttage Blindenmarkt
Dort, im so genannten Lehár-Schlössl in Wien-Döbling, marschierten am Sonntag erst die Tambourmajore (zu Léhars „Nechledil-Marsch“) ein und flirteten dann Mascha und Iwan (zu Lehárs „Heute Abend komm‘ ich zu dir“) mit einem entzückenden Buffo-Paar aus Laura Palden und Jan Tobias Moser, bevor ein eindrucksvoller Alexej mit einer mindestens ebenso eindrucksvollen Stimme (Blindenmarkt-Star Clemens Kerschbaumer als Zarewitsch) sein melancholisches Wolgalied schmetterte und eine hinreißende Sonja mit einer ebenso hinreißenden Stimme (eine Entdeckung: Elina Garancas ZukunftsStimmen-Preisträgerin Maja Triler) ihre ahnungsvolle Zukunftsarie (mit Lehár „Einer wird kommen“) sang.
Dazwischen erzählte man von einem „magischen Ort“ (so Intendant Michael Garschall) wie von einer „meisterhaften Operette“ (so Regisseur Wolfgang Dosch, der in Blindenmarkt auch schon Léhars „Graf von Luxemburg“ – mit dem diesjährigen „Zarewitsch“ Clemens Kerschbaumer als Grafen – in Szene gesetzt hatte), von Rollen- und Herbsttagen-Debüts – wie dem von Kammerschauspielerin Marianne Nentwich, die in Blindenmarkt eine wahrhaft fürstliche Großfürstin geben wird („als ich das Kostüm gesehen habe, habe ich nur gesagt: Wow!“), von Kostümen von Julia Pschedezki „wie in Jane Austen-Romanen“, von einem Bühnenbild von Marcus Ganser mit einem „Meer aus Licht“ und von einer Tonsprache wie bei Puccini („ich liebe diese Musik“, so Dirigent Thomas Böttcher, der sich zur Matinée im Lehár-Schlössl ans Klavier gesetzt hatte). Und Lehár selbst? Der soll „immer nur“ und „immer wieder“ nach „der Melodie“ gesucht haben.
‚
K.Sch. Marianne Nentwich. Foto: Herbsttage Blindenmarkt
Mehr von Lehárs „Melodien“ ab 2. Oktober bei den Herbsttagen Blindenmarkt, wenn „Der Zarewitsch“ in der Ybbsfeldhalle Premiere feiert. www.herbsttage.at
Martha Kapfinger
Herbsttage Blindenmarkt 2026
DER ZAREWITSCH
Operette von Franz Lehár
bis 26. Oktober 2026
Ybbsfeldhalle Blindenmarkt
www.herbsttage.at

