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HELSINKIZ Finnish National Oper: THE (R)EVOLUTION OF STEVE JOBS von Marc Campbell (Libretto) und Mason Bates (Musik)

20.09.2026 | Oper international

HELSINKI/ FINNISH NATIONAL OPERA: THE (R)EVOLUTION OF STEVE JOBS von Marc Campbell (Libretto) und Mason Bates (Musik) am 18.9. 2026 (Premiere)

jobs
Foto: Ilkka Saastomoinen

„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert;  es kömmt aber darauf an, sie zu verändern.“ sagte Karl Marx.

Viele Menschen haben das seither versucht, meistens zum Schlechten und zum Allerschlechtesten. Der Einzige, der unsere Welt und unser Leben bis heute zum Positiven verändert hat, war Steve Jobs.

An der Finnischen Nationaloper hatte nun eine Oper über diesen früh verstorbenen,  so einflussreichen Technik-Visionär Premiere: The (R)evolution of Steve Jobs von Marc Campbell (Libretto) und Mason Bates (Musik). Kevin Newsburys Produktion stammt aus Santa Fé und war dort so sehr erfolgreich, dass sie danach auch noch in mehreren amerikanischen Städten gezeigt worden ist.

Campbell und Bates begehen nicht den Fehler, ein vertontes Bio-Pic abzuliefern. Sie konzentrieren sich vielmehr auf den Konflikt zwischen seinem Genie (Apple I, Ipod, Iphone etc.) und seinem Charakter (Verleugnung seiner Tochter, schlechte Behandlung seiner Mitarbeiter, Bruch mit seinem Freund Wozniak etc.). Erzählt wird das alles nicht chronologisch, sondern quasi in Rückblicken auf sein Leben nach dem Erhalt der tödlichen Bauchspeicheldrüsenkrebs-Diagnose. „Geführt“ wird er dabei vom „Geist“ eines Zenmönchs (Jobs war in seiner Jugend tatsächlich Mitglied einer Zen-Buddhismus-Gemeinschaft). Anhand des persönlichen Schicksals von Steve Jobs wirft die Oper aber darüber hinaus gehende, allgemeingültigere Fragen auf: über den Preis, den der flammende Ehrgeiz, die Leidenschaft für den Beruf, das kompromisslose Streben nach absoluter Perfektion am persönlichen Glück und an der Gesundheit eines Menschen einfordern.

Das Libretto von Marc Campbell ist nicht anders als genial zu nennen: es ist lakonisch, prägnant und witzig. Bates‘ Musik wiederum (in der amerikanischen Tradition von Copland, Gershwin, Bernstein und Steve Reich) folgt dem Geist und dem Credo von Steve Jobs, indem sie zwar hochkomplex, aber kundenfreundlich ist.

Das Ensemble ist ganz wunderbar: dem auf der Bühne eigentlich dauerpräsenten John Moore als Steve Jobs gelingt es, für diesen nicht gerade extrovertierten und eigentlich unsympathischen Nerd doch unser Interesse und Mitgefühl für sein Innenleben zu erwecken.

Sarah Zieba ist Jobs zweite Frau, die es mit ihrer Weiblichkeit, Zärtlichkeit, aber auch Härte schafft, aus dem bösen Buben Steve mit der Zeit einen zumindest angenehmeren Zeitgenossen zu machen. Der exzellent besetzte Miko Puhjonem hat als Steve Wozniak eine große Szene, in der er seinem Jugendfreund ordentlich Kontra gibt und gehörig die Leviten liest. Und Wu Wei als Kobun Chino Otagawa ist ein Guru, dem man in seiner Weisheit und Wärme, aber auch mit seinem Humor nur allzugern sofort folgen würde.

Michael Christie leitet Chor und Orchester der Finnischen Oper souverän, und sie folgen ihm in diesem doch ungewohnten Reportoire mit großer Überzeugung und Einsatzfreude.

The (R)evolution of Steve Jobs – vielleicht die beste zeitgenössische Oper der letzten 10 Jahre.

Wenn die Wiener Festwochen noch ein wenig an Kunst interessiert wären, müssten sie dieses Meisterwerk nächstes Jahr nach Wien einladen. Und es wäre hier garantiert ein ebenso bejubelter großer Erfolg wie in Helsinki.

Robert Quitta, Helsinki

 

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