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Helga Peham: DIE SALONIÈREN UND DIE SALONS IN WIEN

24.11.2013 | buch

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Helga Peham: 
DIE SALONIÈREN UND DIE SALONS IN WIEN
200 Jahre Geschichte einer besonderen Institution
328 Seiten, Styria Premium Verlag, 2013 

Das Thema ist so dankbar wie reichhaltig, wenn auch ziemlich bekannt: Es geht in „Die Salonièren und die Salons in Wien“ um jene Damen, denen es gelang, zwischen Biedermeier und Zwischenkriegszeit das zu führen, was man einen „Salon“ nannte: zwanglose, aber doch auch wieder stringente Treffpunkte von vordringlich Künstlern, aber auch Wissenschaftlern, Politikern – wer „jemand“ war oder sein wollte, fand sich hier ein. (Später haben Herrenstammtische diese Funktionen, die natürlich auch „Börsen“ waren [für Informationen, Jobs oder Intrigen] übernommen…)

Autorin Helga Peham, die sich schon auf die Spuren der Habsburger Leopold II. und Maria Theresia gesetzt hat und über Frank Stronach ein Buch schrieb, als noch nicht die Rede davon war, dass er in die österreichische Politik einsteigen wollte (Schwamm darüber), hat nun in Einzelporträts die berühmten Wiener „Salons“ aufgearbeitet. Tatsächlich gibt es unter den ganzen Namen nur einen einzigen, der sich nicht allgemeiner Popularität erfreut: Rosa von Gerold (1830-1907), aus Thüringen stammend, verheiratet mit dem Verlagsbuchhändler Moriz Gerold. Sie reiste gerne, war auch eine erfolgreiche Reiseschriftstellerin, und versammelte in der Luxusvilla, die Carl von Hasenauer in Neuwaldegg für sie gebaut hatte, zahlreiche Gäste. Allerdings weiß man, wenn man die Namen liest – auch wenn sich ein Rudolf von Alt, eine Ebner-Eschenbach darunter finden -, dass sie sich mit dem „Namens-Luxus“ der jüdischen Salons, auf die sie vielleicht nicht ohne Eifersucht blickte, nicht messen konnte…

Die Chronologie der Damen, die alle große geistige Selbstständigkeit auszeichnete, wobei in manchen Fällen die im Hintergrund bleibenden Ehemänner das sicher nicht billige gesellschaftliche Leben finanzierten, beginnt wie üblich mit Charlotte von Greiner, die sich der Gunst von Maria Theresia erfreute, einen hohen Beamten heiratete und jenen Salon der spätbarocken Welt führte, der nahtlos in den Biedermeier-Salon ihrer Tochter Karoline Pichler überging, bei der Grillparzer verkehrte. Karoline Pichler ist die erste der Damen (selbst Schriftstellerin), die sich wichtig genug nahm, ausführliche Memoiren zu verfassen (ihre „Denkwürdigkeiten“), mit der sie den eigenen Ruhm zementierte. Später haben, nicht minder von sich überzeugt, Berta Zuckerkandl oder Alma Mahler-Werfel (deren Bildnis den Umschlag ziert, weil sie ganz einfach in ihrer Jugend die schönste aller Damen war) ähnlich umfangreiche Bücher über ihre Welt (und die eigene Wichtigkeit) hinterlassen.

Die jüdischen Salons begannen mit der legendären Fanny Arnstein, die von Berlin nach Wien geheiratet hatte und bei der Politik im Mittelpunkt stand, und auch hier war es eine Tochter, Henriette Pereira, die ebenso einen Salon führte (hier herrschte Musik vor) wie Fannys Schwester, Cäcilie von Eskeles. Die Wichtigkeit der jüdischen Familien spiegelte sich in der Gesellschaft, die bei ihnen verkehrte, auch die Damen Wertheimstein (wieder Mutter und Tochter) waren von großer Bedeutung. Vergleichsweise bescheiden hat die Autorin den Beitrag der Pauline Metternich gehalten.

Berta Zuckerkandl, Alma Mahler-Werfel (in bescheidenem Ausmaß ihre Tochter Alma Mahler, die mit allem verheiratet war, was in Wien einen Namen hatte) und Eugenie Schwarzwald sind Schwerpunkte gewidmet, dazu kommen kleiner betrachtet (obwohl nicht minder interessant) die Damen Marie Lang, Lina Loos, Gina Kaus und Grete Wiesenthal. Geschriftstellert haben ja die meisten von ihnen – Grete Wiesenthal war Tänzerin und versammelte vor allem die Theaterwelt bei sich. Sie, die erst 1970 starb, hat die an sich mit dem Zweiten Weltkrieg verstorbene Salonkultur in ihrem letzten Abglanz bis in die Nachkriegszeit getragen.

Die Autorin schildert die Biographien der im Mittelpunkt stehenden Damen, die Salons mit ihrer Ausrichtung und ihrer „Bestückung“, zitiert viele Originalquellen. Dazu hat man für gutes Bildmaterial gesorgt und ein schönes, gut lesbares Stückchen Kulturgeschichte am Rande der großen Ereignisse vorgelegt. (Interessanterweise mit Anmerkungen – solche Bücher werden nur noch selten gemacht…)

Renate Wagner

 

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