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HEILBRONN/ Theater: LAZARUS – Musical von David Bowie. Leben zwischen Himmel und Erde

12.04.2026 | Operette/Musical/Show

Musical „Lazarus“ von David Bowie am 11. April 2026 im Theater/HEILBRONN 

Leben zwischen Himmel und Erde

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Foto: Candy Welz

„Manchmal hatte er das Gefühl, verrückt zu werden, so wie die Menschen, und doch war es theoretisch unmöglich, dass ein Antheaner verrückt werden konnte“, heißt es in Walter Tevis‘ Roman „Der Mann, der vom Himmel fiel“. Die biblische Figur des Lazarus erfährt hier eine neue Variante, die den Zuschauer durchaus berührt und auch nachdenklich zurücklässt. 

„Look up here, I’m in heaven, I’ve got scars that can’t be seen…“ Diese Liedzeilen stammen aus David Bowies Eröffnungssong „Lazarus“. Niemand ahnte, dass die Uraufführung dieses Musicals am 7. Dezember 2015 in New York Bowies letzter öffentlicher Auftritt wurde. Kurze Zeit später starb er. Seit Bowie die Hauptrolle in dem Film „The Man who fell to Earth“ gespielt hat, beschäftigte ihn der Stoff. Der Außerirdische Thomas Jerome Newton wird auf die Erde gesandt. Die Bewohner seines hochtechnologisierten Heimatplaneten drohen nämlich zu verdursten. Mit Patenten verdient er nun auf der Erde sehr viel Geld. Damit kann er mit der Konstruktion eines rettenden Raumschiffs beginnen. Doch er leidet an Einsamkeit und verfällt dem Alkohol. Dann verliebt er sich in die Erdenfrau Mary-Lou und wird schließlich von der Regierung festgenommen und qualvoll untersucht. Sein Raumschiff wird zerstört. Die farbenreiche Inszenierung von Thomas Winter entwickelt die Handlung konsequent weiter. Newton, der sich als Sterbender beschreibt, verlässt kaum seine Wohnung. Kontakt zur Außenwelt sucht er nur über das Fernsehen, wobei ihm seine Assistentin Elly hilft. Sein alter Arbeitsfreund Michael und andere Figuren besuchen ihn. Das Mädchen, die Teenage Girls und Valentine lassen ihn nicht in Ruhe.

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Foto: Candy Welz

Dieses Musical ist so tatsächlich eine Meditation über Sterblichkeit und Tod. Zuletzt hat Newton als Außerirdischer mit Mary-Lou doch wieder eine Zukunft. Es ist auch die Geschichte eines zerfallenden Bewusstseins, wie der Dramatiker Enda Walsh beschreibt, der mit Bowie den Stoff nach dem Roman „The Man who fell to Earth“ von Walter Tevis entwickelte. In der opulenten Ausstattung von Sebastian Ellrich und der subtilen Choreografie von Lidia Melnikova (Video: Konrad Kästner) schafft Thomas Winter als Regisseur hier sehr viele aktuelle Bezüge. So sieht man auch Aufnahmen von Politikerinnen wie Ursula von der Leyen oder Alice Weidel. Das Ganze bekommt dadurch sogar einen gewissen ironisch-satirischen Unterton. Im Mittelpunkt stehen hier natürlich auch 17 Welthits von David Bowie, die die Darsteller zusammen mit der fulminanten Band eindringlich interpretieren. Neben Lazarus fesseln dabei vor allem Nummern wie „This is not America“, „It’s no game“, „The man who sold the wold“, „No plan“, „Love is lost“, „Changes“, „Where are we now?“, „Absolute beginners“, „Dirty boys“ oder „Killing a little time“. „Life on Mars?“ hat dann direkte Bezüge zum Planeten-Bühnenbild. „All the young dudes“ und „Always crashing in the same car“, „Valentine’s day“, „When I met you“ und „Heroes“ illustrieren diese überirdische Welt sehr passend und eindrucksvoll. Unter der kompetenten musikalischen Leitung von Heiko Lippmann überzeugt von den Darstellern vor allem Nikolaj Alexander Brucker als wandlungsfähiger Newton. Oliver Firit als Valentine, Cosima Fischlein als Mädchen, später Marley, Juliane Schwabe als Elly, Janice Rudelsberger als Teenage Girl 1, Lisanne Hirzel als Teenage Girl 2, Larissa P. Hartmann als Teenage Girl 3 sowie Pablo Guaneme Pinilla als Zach, Lennart Olafsson als Ben und Stefan Eichberg als Michael beleben das Geschehen aufgrund ihrer reichen Charakterisierungskunst und Bühnenpräsenz. Dies gilt ebenso für Juliette Lapouthe, die die Rollen der Maemi und Japanerin übernommen hat. Die virtuos musizierende Band mit Heiko Lippmann/Florian Kiessling (Piano/Keyboard 1), Markus Herzer (Keyboard 2), Steffen Münster/ Eugen Aniskewitz (Gitarre 1), Werner Acker (Gitarre 2), Sebastian Schiller (Bass), Christoph Sabadinowitsch (Drums), Dirk Rumig (Reed, Saxophon) und Ulrich Röser/Florian Seeger (Posaune) gewinnt der Musik von David Bowie viele Klangfarben und Nuancen ab. Einmal wird sie sogar wie in einem Aufzug aus der Tiefe nach oben gefahren, was eine durchaus reizvolle akustische Wirkung hat.

Bei den Zuschauern kam die Vorstellung gut an. Es gab viele „Bravo“-Rufe. 

Alexander Walther  

 

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