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HEILBRONN/Theater/Gastspiel des Pfalztheaters Karlsruhe: JESUS CHRIST SUPERSTAR. Musical von Andrew Lloyd Webber

06.06.2026 | Operette/Musical/Show

„Jesus Christ Superstar“ als Gastspiel des Pfalztheaters Kaiserslautern im Theater am 5. Juni 2026/HEILBRONN

Bewegende Szene der Kreuzigung

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Ensemble. Foto: Andreas Etter

„Jesus Christ Superstar“ war als Musical im Jahre 1970 der große Wurf des Musikstudenten Andrew Lloyd Webber, der dann der erfolgreichste Musicalkomponist der Gegenwart wurde. Webber war Anfang 20, als er zusammen mit dem Texter Tim Rice die geniale Idee verwirklichte, die Passion Jesu zu einer Rockoper zu verarbeiten. Zunächst brachten Webber und Rice „Jesus Christ Superstar“ als Konzeptalbum heraus –  mit dem Deep-Purple-Sänger Ian Gillan als Jesus und Murray Head als Judas. Aufgrund des großen Erfolges wurde das Musical dann 1971 am Broadway in New York uraufgeführt. Jesus und Judas stehen hier zentral im Mittelpunkt. Das unterstreichen auch Regie und Choreographie von Pascale-Sabine Chevroton und die monumentale Ausstattung von Monika Biegler, die jetzt im Theater Heilbronn noch bis zum 3. Juli 2026 als Gastspiel des Pfalztheaters Kaiserslautern zu sehen ist. Im Programmheft wird zudem die Verteidigungsrede des Judas Ischarioth von Walter Jens abgedruckt, der als „Stellvertreter des Teufels“ unter seiner Situation leidet. Die Geschichte der letzten sieben Tage Jesu Christi wird aus der Perspektive des Freundes und späteren Verräters Judas erzählt. Judas erlebt, wie die Massen Jesus zujubeln und ihn wie einen Superstar verehren. Dieser Personenkult  macht ihm Angst und er warnt Jesus: „Wenn du sie enttäuschst, tun sie dir weh!“ Die Massen der Anhänger weckt das Misstrauen der römischen Priester, die um ihre Macht fürchten. Dadurch wird nicht nur Jesus gefährdet, sondern auch die Menschen, die ihn umgeben. So wird Judas zum Verräter wider Willen. Er verrät den Priestern den Aufenthaltsort von Jesus im Garten Getsemani. Mit mitreissender Musik und leidenschaftlich-fetziger Harmonik und Rhythmik zeichnet Andrew Lloyd Webber hier den Lebens- und Leidenweg Jesu nach. Er lässt die Liebe Maria Magdalenas zu Jesus, das letzte Abendmahl, Judas‘ Verrat an Jesus, das Todesurteil, den Kreuzweg und Jesu Tod am Kreuz in beklemmender und höchst eindrucksvoller Weise Revue passieren. Die Uraufführung stieß damals übrigens auf Proteste christlich-konservativer Gruppen, die kritisierten, dass Judas als sympathische Figur dargestellt werde. Die Handlung kommt in der Inszenierung plastisch zum Vorschein. Die Salbung in Betanien, Die Beschließung des Todes von Jesu, der Einzug in Jerusalem, der Traum des Pilatus, die Reinigung des Tempels, der Verrat, das letzte Abendmahl, das Gebet im Garten Getsemani, die Gefangennahme und Petrus‘ Leugnen, Jesus vor Pilatus und vor Herodes, der Tod des Judas, das Verhör durch Pilatus, die Geißelung und der Tod Jesu brennen sich bei dieser packenden Aufführung geradezu ins Gedächtnis. Pascale-Sabine Chevroton ist davon überzeugt, dass es ohne Jesus keinen Judas gibt. Und so inszeniert sie das Werk von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice auch. Gleichzeitig warnt sie deutlich vor religiösem Fanatismus. Judas beendet hier die Geschichte mit dem „Superstar“-Song in bewegender Weise. Weitere Hits wie „I Don’t Know How to Love Him“ der Maria Magdalena, „I Only Want to Say“ und Herodes‘ Song „Try It and See“ werden ausgezeichnet gesungen.

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Gunnar Frietsch (Jesus), Patrick Stanke (Judas). Foto: Andreas Etter

Schon bei der Ouvertüre arbeitet die vorzügliche Pfalzphilharmonie Kaiserslautern unter der temperamentvoll-einfühlsamen Leitung von Olivier Pols die kontrapunktischen Finessen dieser Partitur heraus, die neben Rock-Elementen auch immer wieder klassische Strukturen pflegt. Rhythmisch rasante Nummern wie „What’s The Buzz/Strange Thing Mystifying“ oder „The Last Supper“ besitzen ungewöhnliche melodische Qualitäten, die mit eindringlicher Dynamik und Ausdrucksvermögen musiziert werden. „Crucifixion“ sowie „John Nineteen: Forty-One“ sind weitere Nummern, die sich hier tief einprägen! Überragend sind auch die Leistungen der Sänger – allen voran Gunnar Frietsch als Jesus und Patrick Stanke als Judas. Valerie Gels ist eine eindringliche Maria Magdalena, deren Kantilenen durch weite Intervalle fesseln. Daniel Böhm überzeugt als in der Zwickmühle steckender Pilatus, Arkadiusz Jakus ist ein sonorer Kaiphas, Chris Green gefällt als Annas. Johannes Hubmer ist ein unheimlicher Herodes, Jose Carmona überzeugt als Petrus. Andreas Neigel als dritter Priester und die drei Soulgirls Sarah Gadinger, Zoe Staubli und Janneke Thomassen vervollständigen dieses fabelhafte Ensemble. Hinzu kommen weitere Apostel: Tabea Floch, Sarah Gadinger, Yan Liu, Youngeun Kim, Jinsoo Park, Radoslaw Wielgus und Jaemin Song, Zoe Staubli und Janneke Thomassen. Chor und Extrachor des Pfalztheaters sowie das Tanzensemble des Pfalztheaters bieten hervorragende Leistungen. Insbesondere die Schluss-Szene der Kreuzigung Jesu zeigt, wie weit sich Andrew Lloyd Webber als Komponist auch in atonale Bereiche vorgewagt hat. Das monumentale schwarze Gerüst mit Jesus hebt sich zuletzt in eindringlicher Weise in die Höhe.

Jubel und Ovationen für diese sehenswerte Aufführung!

Alexander Walther    

 

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