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HEIDELBERG: WRITING TO VERMEER von Louis Andriessen. Premiere

12.05.2018 | Oper

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Louis Andriessen, geb. 1939. Foto: Wikipedia

Heidelberg: Writing to Vermeer von Louis Andriessen 11.5. 2018 – Premiere

Auch diese um 2000 entstandene Oper des Holländes Louis Andriessen ist als deutsche Erstaufführung die szenische Zweitaufführung, die das Theater in Heidelberg verdienstvoller Weise unternimmt. „Writing to Vermeer“ setzt sich, ohne dass die Person des berühmten Barockmalers überhaupt vorkommt, mit Briefen der an ihn schreibenden Frauen, Ehefrau, Schwiegermutter und Magd bzw. Modell, auseinander. Heutige Kinder finden diese Briefe beim Spielen, lesen sie auch vor, mutieren dann aber gleichzeitig zur Kinderschar der großen Vermeer-Familie. In den Briefen geht es eigentlich nur um Fragen des Alltags und die sehnliche Rückerwartung des Ernährers. Die Schwiegermutter wünscht sich, daß die „Edelmagd“ Saskia de Vries wieder in den Schoß der Familie zurückkehrt. Dazu gibt es noch einen Frauenchor, dessen Mägde hauptsächlich mit Wäsche waschen und aufhängen beschäftigt sind. Die Musik Andriessens kann als gemäßigt (post)modern bezeichnet werden und splittert sich in vielerlei magische Gestalten auf, was zumeist schön anzuhören ist. Besonders werden aber auch Sweelink und Cage zitiert. Das Libretto stammt von dem Filmemacher Peter Greenaway, der auch die Idee hatte, Vermeer selber außen vor zu lassen. Wenn 1672 der Krieg gegen England in die Idylle einbricht, werden dazu signifikante elektroakustische Einschübe von Michel van der Aa, eines Schülers von Andriessen, zugespielt


Irina Simmes (Saskia de Vries), Hye-Sung Na (Catharina Bolnes), Damenchor. © Sebastian Bühler

Die Regie von Johannes von Matuschka macht einen sehr feinen und gelungenen Eindruck. Die Kinder, über das gesamte Theater geführt, werden, zu Protagonisten, indem sie die die Räume erkunden. Der dunkle Raum, durch weiße Lichtlinien abgegrenzt, ist von hinten durch ein Bullauge einsehbar wie eine Camera obscura, durch eine solche auch Vermeer geschaut haben soll, um noch sensibler zu malen. In dem Bullauge sind auch häufig seine Bilder wie etwa das Mädchen mit dem Perlohrring zu sehen. Auf der Szene befindet sich ein großer runder Vexierspiegel, der von Kindern verschoben wird, sowie ein kleines Theater auf dem Theater, das aber nur zum ‚Verstecken‘ des gesamten Personals dient.(Bb.: Magdalena Gut) Die Choristinnen sind in schwarz-weiße holändische Trachten gewandet. Die Ehefrau ist mit Oberteil blau, Unterteil gold, die Schwiegermutter beige lila, und die Magd gelb-blau-rot historisch gekleidet, um die eminente Wichtigkeit der Farben für Vermeer hervozuheben (Kost.: Florence von Gerkan).

Der Kinderchor erzielt mit schönen Stimmen eine hervorragende Wirkung. Auch der Damenchor setzt sich als Klangkörper markant in Szene (E.: Ines Kaun). Dietger Holm bringt die Stärken der Musik mit den Philharmonikern aus dem Graben optimal zur Geltung. Die Catharina Bolnes singt mit ihrem starken schmelzenden Sopran Hye-Sung Na, Maria Thins mit getragenem schönstimmigen Mezzo Elisabeth Auerbach. In der Rolle der Saskia de Vries kann Irina Simmes mit schönen Stimmfarben changieren und feinen Abtönungen aufwarten, mal leichte Liedchen trällern, aber auch mit sattem zupackendem dramatischen Sopran ihren Gefühlen Ausdruck verleihen.

Friedeon Rosén

 

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