Theater Heidelberg; Rusalka, 3.10.2022 WA

Die drei Elfen. Foto: Youtube
In einer blitzsauberen Inszenierung bringt Axel Vornam RUSALKA, Antonin Dvoraks einzige Oper von internationalem Rang, in der Wiederaufnahme (Premiere 4.6.22) auf die Bühne des Theater Heidelberg. Es geht um eine namenlose Rusalka (Rusalka ist in dem epischen Gedicht von Alexander Puschkin Gattungsname der Wassernixen), die sich in einen Prinzen verliebt und von der Hexe Jezibaba Menschenbeine erhält aber keine Sprechorgane. Bei Untreue des Prinzen soll sie verdammt sein, als Natur-oder Zwischenwesen eines Irrlichts umherzugeistern. Beide können dann nur durch einen letzten Kuß Erlösung von dem irdischen Fluch finden.
Dvorak komponiert dazu eine höchst inspirierte romantische Musik, die sich aber an die hergebrachte Nummernoper hält und in den Arien auch Strophenlieder wie bei dem berühmten Mondlied Rusalkas zu Beginn des 1.Aktes bringt. Die Heidelberger Philharmoniker spielen alles mit großer Verve unter dem Taktstock von GMD Elias Grandy, der die spannenden Phrasen der Partitur musikalisch ausformt und in allen Verästelungen auskostet.
Die Bühne von Tom Musch deutet den See in einer kreisrunden Scheibe an, deren Mittelkreis auch händisch gedreht werden kann, was die Aufgabe des Wassermanns ist. Darüber konzentrisch ein Rundvorhang, hinter dem besonders im 1. Akt Videos mit Wasserstrudeln abgespielt werden (Stefan Bischoff). Nachdem der Prinz als Jäger seine ‚Rehgeiß‘ mit aufs Schloß genommen hat, stellt sich schnell heraus, daß es sich um eine Mesalliance handelt. Rusalka, unsicher auf den Beinen, in schwarzweißem Kostüm und weißblonden Haaren (Kostüm Cornelia Kraske) fällt als extrem leidenschaftslos auf. Eine Fremde Fürstin nützt bei der Hochzeit diese Situation gnadenlos aus und macht ihr den Prinzen abspenstig. Die derb komische Szene zwischen Jäger und Küchenjungen ist ervorragend inszeniert. Trotz der Intervention des Wassermannes kann Rusalka aber dann nicht mehr ins Wasser zurückkehren. Das Ende erscheint aber doch wie ein fast versöhnlicher Liebestod und wird von einer sarkastisch witzigen Chorszene vorher noch kontrastiert.
Den Prinzen singt Nenad Cica mit wundersamem lyrischem Tenor, großer Hingabe und und glaubwürdiger Reue. Als Rusalka erscheint Alyona Rostovskaya nahezu perfekt in ihrer Sehnsucht nach der Menschenwelt und der Liebe zu einem Menschen, später als emotionsloser ‚kalter Fisch‘. Dabei strahlt sie einen wunderbar sich öffnenden Sopran aus und kann alle ihr von Dvorak mitgegeben Sopran-Eskapaden und -Finessen ganz stark umsetzen.
Die fremde Fürstin gibt Sarah Marie Kramer rollen- und stimmgerecht in einer karminroten Robe. Als Wassermann brilliert auch in dieser Rolle, in der man ihn kaum wiedererkennt, Ks. Wilfried Staber mit leuchtendem Baß. Die Hexe ist Almerija Delic erst im capeartigen schwarzen Umhang, später in einem raffinierten beinfreien Kleid. Ihren jungdramatischen (Mezzo)sopran setzt sie mit größter Chuzpe ein, um Rusalka Lösungen, aber mit den folgenreichen Kehrseiten, anzubieten.
Den Jäger gibt Ipca Ramanovic mit flexibel metallischem Bariton, als Küchenjunge brilliert Katarina Morfa in allen möglichen Stellungen und gestaltet auch die 2.Elfe stimmschön. Als 1.Elfe ist die drahtige Elina Kim, als 3.Elfe Kylee Slee im Einsatz. Friedeon Rosén

