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HEIDELBERG: PYM von Johannes Kalitzke. UA -Premiere

19.02.2016 | Oper

Heidelberg: Pym von Johannes Kalitzke  18.2. 2016 UA  Premiere

 Pym ist eine durchkomponierte Oper von Johannes Kalitzke , nach den „Besessenen“ wohl seine zweite große, und sie hat  den einzigen E.A.Poe-Roman „The Narrative of Arthur Gordon Pym of Nontucket“ in einem von Christoph Klimke verfaßten Libretto mit Texten von Benjamin und Pessoa zur Vorlage. Pym  begibt sich aus nicht näher genannten Überlebensgründen auf dem Schiff ‚Grampus‘ als blinder Passagier in einer Kiste im Unterdeck mit seinem Freund Augustus auf Südseereise. Er überlebt die irrsten Gefahren, Augustus aber stirbt nach einer Verletzung am Wundfieber. Das Meer wird in der Inszenierung von Johann Kresnik nur durch einen blauen wallenden Vorhang symbolisiert, ein Schiff, bzw. das 2.Schiff nach dem Schiffbruch, kommt bei Kresnik auch gar nicht vor. Besonders zu Beginn und am Ende wird dargestellt, wie es sich um eine Reise ins Innere der Seele Pyms handelt, indem er in Tücher quasi verkapselt erscheint.  Zum Schluss nimmt ihn eine weiße Gestalt, die ihn unaufhaltsam anzieht, quasi in sich auf. Das soll die Rückkehr in seine Kindheit symbolisieren. In ihr ist die  Sehnsucht begründet, die ihn von Ort zu Ort forttreibt. Dazwischen arbeitet des Regieteam (Bühne: Marion Eisele, Kostüm Erika Landertinger) aber ziemlich exakt die 26 Szenen ab, die musikalische Namen oder Überschriften wie Schwere See, Meuterei, Rotationen, Malstrom, La belle est la bete, Scherzo di Speranza oder Ritual-Explosion tragen. Zu häufigem Einsatz kommen beim Choreographen Kresnik TänzerInnen, die in blauer Ganzkörperbemalung z.T wilde Tänze exekutieren. Die Musik arbeitet sich gekonnt an dem Idiomen der Neuen Musik ab und hat auch einen hohen Anteil an zugespielten elektronische Klängen. Diese ahmen oft Naturlaute und die ganzen anderen (Schiffs)geräusche nach. Das Orchester unter Elias Grandy ist seinerseits stark gefordert und trägt sein Gutteil zum Gelingen des Abends bei.

 Die sehr athletischen nackten Tänzerkörper stammen von Yoshiko Waki, Sylvana Seddig, Charlie Fouchier, Andrew Pan, Osvaldo Ventriglia, und Juan Corres Benito. Ein Vocalquartett vom linken Proszenium, das aber nur manchmal kommentierend und eher blass zum Einsatz kommt, wird von Rinnat Moriah, Elisabeth Auerbach, Young- O Na und Zachary Wilson gestellt. Die weiße Gestalt gibt mit wenigen verhauchten Tenortönen Namwon Huh. Am besten gelungen erscheint der Tanz der Inselbewohner, bei dem auch die Musik auf ‚jazzy‘ Momente recurriert. Der Kapitän des ‚Retterschiffes‘ (Ks. Winfied Mikus) tauscht mit den Einheimischen blaue Müllsäcke, wird von ihnen dafür aber auch ganz schön aufs Kreuz gelegt. Der Baßbariton Ipca Ramanovic (Augustus), später der Baß Wilfried Staber (Peters) stehen Pym, dem Countertenor Kangmin Justin Kim zur Seite, der einen Irrenden Romantiker mit schmelzend umflortem, teils larmoyanten Gesang gibt.                                                            

Friedeon Rosén

 

 

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