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HEIDELBERG: HÄNSEL UND GRETEL

11.11.2015 | Oper

Heidelberg: Hänsel und Gretel  9.11.2015

Foto: Hye Sung-Na und Elisabeth Auerbach, (c) Annemone Taake

 Das Theater Heidelberg hat pünktlich zur Vorweihnachtszeit eine Neuinszenierung von E. Humperdincks  Hänsel & Gretel  im Spielplan. Die Frage war nun, ob sie „kindergerecht“ ausfallen würde, da sie ja auch gut verkauft  werden soll, oder ob sie wie neulich in Frankfurt als Vorlage für eine Neuinterpretation dienen sollte (in Frankfurt spielte die Oper in einer Art Kinderklinik). Die Regisseurin Clara Kalus stand aber für eine sehr gediegene ‚werkgerechte‘, aber keineswegs unintelligente Inszenierung ein. Dabei wird das Hexenhaus von Anfang an ‚leitmotivisch‘ eingesetzt, wenn die Familie ihr kärgliches Mahl auf sonst freier Bühne einnimmt, und nur das kleine Knusperhäuschen dahinter präsent ist. Die Kinder tollen danach herum, tanzen aber nicht, sondern lassen eine Puppe tanzen, die sie am Ende aber zerfleddern. Was ihrem Gemütszustand besten Ausdruck verleiht. Wenn sie weggeschickt werden, legt sich das Häuschen quer (Bb.: Nanette Zimmermann) und gibt den Blick frei auf die Abendsilhouette des Waldes. Die 12 Engel, die den Schlaf von Hänsel & Gretel bewachen, sind die bei der Hexe verschwundenen Kinder, die paarweise und ähnlich wie die beiden Protagonisten gekleidet, aus dem Loch des nun auf dem Boden zusammengefalteten Häuschen hervorkommen. Der Taumann tut sich dann bereits an dem gut eingedecktem Tisch der Hexe gütlich und weckt die Kinder mit einer Waldmeisterflüssigkeit im Glaskelch auf. Eindrückliche Personenregie bei der Hexenszene bis zum Happyend mit dem Kinderchor. Die ganz kindgemäßen und märchenhaften Kostüme  steuert Maren Steinebel bei.

 Aus dem Graben kommt auch ein guter aufgeweckt gespielter Humperdinck, dem eine eine manchmal dräuende Aufbereitung weitgehend ausgetrieben wird. Somit kommen die Schönheiten besonders auch bei den (Volks)-liedbearbeitungen bestens zur Geltung. Gad Kaddosh dirigiert mit sicht- und hörbarer Emphase das Philharmonische Orchester. Mi Rae Choi, die hier bereits eine glutvolle  Barbarina sang, ist das Sand- und Taumännchen in ganz quickem Einsatz. Den Vater Peter singt Zachary Wilson mit ansprechendem gut prononciertem Bariton. Carolyn Frank stellt eine gute, in sich verschlossene Gertrud und ist in schwarzer Robe auch ganz hoheitsvoll wirkend, eine gut eingesetzte Hexe, die auch einen ätzenden Mezzo singen kann. Elisabeth Auerbach gibt  einen in der Höhe schön klingenden Sopran als Hänsel, und Hye Sung-Na ist eine agile qicklebendige Gretel, die wieder mit ihrer lieblich warmen und voluminösen Stimme überzeugt.                                                                                

Friedeon Rosén

 

 

 

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