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HEIDELBERG: DUSK – Tanztheater von Nanine Linning. Uraufführung

08.12.2017 | Ballett/Tanz

Heidelberg: DUSK,  Tanztheater von Nanine Linning UA   6.12.2017

Bildergebnis für heidelberg tanztheater dusk
Foto (c) Kalle Kuikkaniemi

Dusk bedeutet engl. (Abend)dämmerung und betitel das neue Tanzstück von Nanine Linning, scheidende Direktorin der Tanzsparte des Theaters Heidelberg. Es handelt sich um ein „Aufblühen“, nach und nach Erschlaffen und letztlich Vergehen und Verschwinden der der 12-köpfigen Tanzgruppe.

Es beginnt mit der von den Philharmonikern live gespielten Musik ‚Shaker Loops‘ von John Adams, einem kräftig vital geprägten allegro-Stück, wozu sich  die Truppe ganz kompakt von der rechten hinteren Bühnenecke nach vorn links bewegt. Dabei kommen auch asynchrone Arm- und Beinbewegungen vor. Die Kostüme dazu von Irina Shaposhnikova sind aus sperrigen Material wie Binsengräser, die auf den Unterkleidern angeklebt sind und bei Reibung auch eigene Geräusche verursachen. Bei gedämpftem Licht erscheinen sie altrosa.

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Foto (c) Kalle Kuikkaniemi

Im 2.Teil zur Musik aus einem moderato gespielten Symphoniesatz von Arvo Pärt haben die TänzerInnnen die Kostüme gewechselt und tanzen in Kleidern, die aus vielen Mosaikplättchen zusammengesetzt sind. Hier sind die Bewegungen nicht mehr so kompakt. Es ergeben sich Pas de deux‘ oder pas de troix‘, bei denen aber auch auf sehr große ausdrucksvolle Bewegungen geachtet wird.

Im 3.Teil zum Adagio aus der 9.Symphonie von Mahler  findet sukzessive Auflösung statt. Hier gibt es nur noch sich abwechselnde Zweierformationen, auch von einem stehenden oder sitzenden Dritten flankiert. die Bewegungen der Paare werden aber auch aggressiver, die Partner scheinen sich ineinander zu verbeißen, sich Verletzungen zufügen zu wollen. Manchmal bewegen sich einzelne hinter Stumpfglas wie schemenhaft. Zum Schluß, nach dem Abgang fast der ganzen Truppe, geht die letzte Tänzerin in eine Dampfwolke hinein, die wie eine Meereswelle auf sie zurollt, und verschwindet in ihr.

Es ist ein sehr eindrückliches Werk, das wohl zum ersten Mal von einem live Orchester unter der Leitung von GMD Elias Grandy in Heidelberg begleitet wurde, der besonders bei dem Adams-Stück das Können seiner Spieler ausreizt, und bei Mahlers Adagio versteht, ganz große Klangeruptionen zu generieren. Alle TänzerInnen und der GMD werden danach gefeiert für diese Produktion, für deren Konzept, Choreographie und Bühne die bemerkenswerte Tanzfrau Nanine Linning steht.

Friedeon Rosén

 

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