Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

HANS MAKART. Werkverzeichnis

06.01.2014 | buch

BuchCover Makart

Gerbert Frodl:
HANS MAKART
Werkverzeichnis der Gemälde
Belvedere Werkverzeichnisse Band 3 (ed. Agnes Husslein-Arco)
374 Seiten. Verlag Bibliothek der Provinz, 2013

Intelligente Museumsdirektoren wissen, dass sie es nicht dabei bewenden lassen können, spektakuläre Ausstellungen auszurichten. Genau so wichtig ist die wissenschaftliche Arbeit, das Aufarbeiten von Beständen, die Forschung, die Zusammenschau. 2010 wurde im Belvedere das „Instituts für die Erstellung von Werkverzeichnissen“ gegründet. In dessen Rahmen ist Josef Danhauer erschienen, gearbeitet wird an Martin van Meytens, Franz Xaver Messerschmidt, Franz Xaver Petter, Friedrich von Amerling, Olga Wisinger-Florian, Tina Blau-Lang, Carl Moll, Koloman Moser, Jean Egger, Gerhart Frankl, Walter Eckert, Curt Stenvert und Marc Adrian.

Wenn nun als Band 3 das Buch über Hans Makart (1840 – 1884) vorliegt, so wird der umstrittene Künstler des Historismus so komplett erfasst, wie derzeit möglich ist, was alle Arbeit an ihm und seinem Werk in  der Zukunft enorm erleichtert. Gerbert Frodl, früher Direktor des Hauses (als es noch „Österreichische Galerie im Belvedere“ hieß), hat damit eine Forschung vollendet, mit der er mehr als 40 Jahre beschäftigt war. Keine Ausstellung der Welt kann je leisten, was hier auf 374 großformatigen Seiten zu sehen ist: Makarts Werk komplett, alle Gemälde vom Porträt seiner Mutter Katharina, das der Zehnjährige (!) 1850 mit zartem Biedermeier-Pinsel malte, bis zur letzten bekannten Ouevre-Nummer 523, dem Monumental-Werk „Der Frühling“, an dem Makart noch im Jahr seines frühen Todes arbeitete (er starb 44jährig an Gehirnhautentzündung, die als syphilitisch bezeichnet wird). Darüber hinaus führt Frodl noch Werke bis zu Nr. 657 an, von denen man aus der Literatur weiß, aber von denen kein Foto und keine nähere Angabe über die gegenwärtigen Besitzverhältnisse existiert.

Mit Zeit und Ruhe wandert man anhand des Buches durch Makarts Werk, wobei es Frodl gelungen ist, zu den meisten Bildern (mit genauer Beschreibung ihrer Technik und Größe) Entstehung, Kommentar, Ausstellungen, Erwähnungen in der Literatur und Provenienz zu bieten – eine schier unglaubliche Arbeitsleistung. Bilder, deren gegenwärtiger Standort gesichert ist, sind farbig abgebildet, wo es nur Fotos aus der Vergangenheit gibt, greift man auf Schwarzweißbilder alter Literatur zurück, und nur gelegentlich bleibt die Fläche für ein Bild, von dem man weiß, dann doch leer.

Mit Porträts begann es, anfangs nur Gesichter, aber schon der Zwanzigjährige malte Damen in glanzvollen Gewändern. Dann erweiterte er seine Sujets – Landschaft, Stillleben, historische Szenen, wobei Bilder aus der Geschichte im Trend der Zeit lagen. Der 23jährige malte mit einer kleinformatigen „Ruhenden Bacchantin“ seine erste bekannte „Nackte“ (später eine Spezialität), ein Selbstbildnis aus dieser Zeit zeigt ihn lächelnd. Tatsächlich hat Makart schon in seinen frühen Zwanzigern seine Spezialität gefunden – und seien schwelgerischen Stil, der Farbe, der Bewegung und immer der Schönheit verpflichtet, zu früher Meisterschaft gebracht. In Variationen auch die großen Meister zitierend, entsprach sein Werk dem Zeitgeist einer Ringstraßen-Ära, die sich im großen Stil der Vergangenheit bediente und die Gegenwart damit schmückte.

Man erlebt ihn in einer Vielfalt, die ohne weiteres unter den Mantel seines hervorragenden handwerklichen Könnens schlüpfte – lieblich (Kinderbilder), sinnlich-erotisch, gewaltig (in Deckengemälden und Werken, die immer überdimensionaler wurden). Das Buch zeigt neben seinen bekannten, immer wieder abgebildeten Meisterwerken eine schier unglaubliche Fülle des Geschaffenen, so dass man sich fragt, wie er all das leisten konnte. Allein die Idee, die zehn Meter breite, vier Meter hohe „Caterina Cornaro“ nicht nur zu entwerfen, sondern auch auszuführen, wirkt wie eine Arbeit von Jahren  – tatsächlich war er 1872/73 damit beschäftigt, schuf aber in diesem Zeitraum noch genügend anderes mehr, darunter ein Porträt von Kaiser Franz Josef, das er gewissermaßen „gemeinsam“ mit Franz Lenbach und Arnold Böcklin malte, was das Wissen des Lesers wiederum biographisch bereichert. Später hat Makart dann auch Kronprinzessin Stephanie als Ganzporträt verewigt und schöner gemacht, als sie vermutlich je war. Damenporträts, ob Fürstinnen, ob Burgschauspielerinnen, machten ihn  damals auch reich – so, wie sein Pinsel sie umsetzte, wollten die Frauen aussehen.

Nicht nur die antike Mythologie, nicht nur Kleopatra, der Hof der Medici oder der herrschende Orientalismus (in Gestalt seiner berühmten „Japanerin“, später eine dämonische „Ägypterin“), auch das Werk Richard Wagners lieferte ihm damals Motive – „Siegmund und Sieglinde in Hundings Hütte“ gelangten später in das „Führermuseum“… Und doch stößt man auf Unangepasstes: eine Dame mit Federhut nicht frontal, sondern als Rückenansicht. 1875 schuf er Hauptwerke – Burgschauspielerin Charlotte Wolter als Messalina, den Einzug Karls V. in Antwerpen in verschiedenen Varianten – bis zur Größe von 5,2 mal 9,5 Metern…Der Festzug zum Kaiser-Jubiläum war ein dermaßen ausgefeiltes,  detailreich gearbeitetes, gewaltiges Werk, dass die Welt es heute noch nur „Makart-Festzug“ nennt.

Punktuell durchziehen vereinzelte Selbstporträts Makarts  Schaffen, das von Frauenporträts wohl dominiert wird, manche – wie etwa das Porträt von Clothile Beer – geradezu Klimt-verwandt. Ob eine Innenausstattung für die Hermesvilla der Kaiserin Elisabeth (ihr Schlafzimmer wurde nach seinen „Sommernachtstraum“-Entwürfen ausgeführt), ob die Fassade eines „Palasts der Künste“, die Lunetten für das Kunsthistorische Museum – Makart, der ein Jahr vor seinem Tod wieder ausführlich zu Richard Wagner zurückkehrte, muss in einem ewigen Schaffensrausch gelebt haben. Es ist anzunehmen, dass er seine Kräfte einfach vorzeitig verbraucht hat, so dass er der Krankheit keinen Widerstand entgegensetzen konnte. Was er in einem knappen Vierteljahrhundert geleistet hat, liegt nun zwischen Buchdeckeln vor und kann nur Bewunderung hervorrufen.

Renate Wagner  

 

Diese Seite drucken