Schumann-Tschaikowsky-Festival der NDR Radiophilharmonie Hannover
Konzerte am 20. und 27. Februar im Großen Sendesaal des NDR Konzerthauses
Nach zwei Festivals in den letzten Jabren, bei denen jeweils ein Komponist im Zentrum stand – Beethoven 2019 und Brahms 2023 – stellte die NDR Radiophilharmonie in Hannover in diesem Jahr nun zwei Komponisten in den Mittelpunkt einer Festivalwoche: Robert Schumann und Peter Tschaikowsky. Zum Auftakt erklärte Orchestermanager Matthias Ilkenhans, dass vor allem Tschaikowskys explizite Bewunderung für die Kompositionen Robert Schumanns der Grund für diese Gegenüberstellung sei. Chefdirigent Stanislav Kochanovsky habe bei der Zusammenstellung der Programme bewusst darauf verzichtet, die allzu bekannten “Schlager” beider Komponisten, vor allem aber Tschaikowskys, auf das Programm zu setzen. Das zeigte sich bereits beim Auftaktkonzert.
Schumanns Ouvertüre zu Schillers Die Braut von Messina ist selten zu hören, sie stammt aus der Zeit, als der Komponist als städtischer Musikdirektor an den Rhein, nach Düsseldorf, ging und ist in unmittelbarer zeitlicher Nähe zu seiner dritten Sinfonie, der Rheinischen, entstanden. Die gehört sicher zu seinen bekanntesten Werken, und ihr galt Tschaikowskys besondere Wertschätzung. Mit Leichtigkeit und Transparenz führte Kochanovsky die Radiophilharmonie durch beide Werke, Präzision und Klangschönheit des Orchesters brauchen mittlerweile kaum noch einen Vergleich zu scheuen, jedem kleinsten Zeichen ihres Chefdirigenten folgten die Musikerinnen und Musiker voller Spannung und Aufmerksamkeit.
Eine wahre Rarität ist Tschaikowskys Bühnenmusik zu Alexander Ostrowskys Märchendrama Schneeflöckchen. Stanislav Kochanovsky hat eine Auswahl daraus zusammengestellt, Tschaikowsky vertont das Märchen, vor allem in den Gesangspartien, sehr volksliedhaft, wahrscheinlich durch den ebenfalls recht volkstümlichen Text inspiriert. Die Solisten Bella Adamova, Mezzosopran, Sergey Radchenko, Tenor, sowie die Capella St. Crucis Hannover brachten die Geschichte lebhaft zum Klingen, Tschaikowskys Komposition bleibt insgesamt recht gleichförmig, es fehlt ein wenig an Ecken und Kanten.
Im weiteren Verlauf der Festivalwoche gab es die Möglichkeit, eine relativ selten zu hörende Klavierkomposition Schumanns kennenzulernen, das Konzert-Allegro mit Introduktion für Klavier und Orchester op. 134. Es ist ein spätes Werk Schumanns, ein Geburtstagsgeschenk an seine Frau Clara und zugleich eine Hommage an Johannes Brahms. Vor allem ist es aber ein sehr konzentriertes, verinnerlichtes Werk, das weit weg von äußerer Virtuosität ist. Pierre-Laurent Aimard spielte es mit der nötigen Innigkeit und Ruhe. Raum für große Gesten hatte er anschließend, als er Schumanns a-Moll-Klavierkonzert mit perlender Leichtigkeit und Präzision intonierte, vor allem in den Ecksätzen zeigte er, wie sehr bei Schumann Virtuosität und kammermusikalische Sensibilität beieinanderliegen. Die Radiophilharmonie und Stanislav Kochanovsky waren ihm bei beiden Werken kongeniale Partner in der ganz spezifischen Schumann’schen Klangatmosphäre.
Dass Tschaikowsky ein Komponist ist, der Stanislav Kochanovsky in besonderer Weise am Herzen liegt, offenbarte sich dann abermals in der zweiten Konzerthälfte. Voller Verve und Freude an Tschaikowskys Melodik und seiner eindringlichen Art, auch ohne Worte Geschichten in Tönen zu erzählen und erlebbar zu machen, brachten die Radiophilharmonie und ihr Chefdirigent die erste Sinfonie Winterträume zur Aufführung. Ihr fehlt es sicher noch an der Reife und Dichte der späteren Sinfonien, dennoch ist Tschaikowsky als Komponist bereits ganz bei sich und zeigt sich besonders in der Farbigkeit der Instrumentation voller Inspiration.
Das Publikum bedankte sich für beide Konzerte mit begeistertem Beifall.
Christian Schütte

