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HAMURG/ Elbphilharmonie: „Tristan und Isolde“ und „Tannhäuser“ in moderierten Konzertparaphrasen

06.02.2023 | Konzert/Liederabende

Elbphilharmonie, Hamburg / 4. und 5.2.2023: „Tristan und Isolde“ und „Tannhäuser“ in moderierten Konzertparaphrasen

soli
Solistenenesemble „D´Accord“ im Kleinen Saal der Elbphilharmonie im Konzert am 4.2.2023 („Tristan und Isolde“) (c) Martin Rothe

Eine Wagner-Oper in anderthalb Stunden – mit diesem Konzept war das süddeutsche „Solistenensemble D´Accord“ bereits 2021 zu Gast im kleinen Saal der Elbphilharmonie (wir berichteten im Onlinemerker). Jetzt sind die Musiker:innen zurück gekommen, dieses Mal als Septett (das bisherige Streichsextett plus ein Kontrabass) – eine kleine Änderung, die dem Ensembleklang eine fast symphonische Tiefe verleiht. Am Freitag gab man wie damals „Tristan und Isolde“, als Gast-Sprecher hatte man dieses Mal Holger Wemhoff eingeladen, den langjährigen Moderator von Klassik Radio – und am Samstag dann neu den „Tannhäuser“, hier mit TV-Schauspieler und Hörbuch-Sprecher Frederic Böhle. Es wäre sicher interessant, die Text-Vorlagen für die Moderationen zu vergleichen – denn Wemhoff mit jovial-informativer, souveräner Einführung über Saalmikrofon und Böhle mit raumgreifendem, performativem und die Musiker fast etwas überrollendem Zugriff ohne Verstärkung hätten ihren jeweiligen Part unterschiedlicher nicht interpretieren können.

Sehr ähnlich hingegen der musikalische Ansatz beider Abende: Jeder Akt – oder Aufzug, wie es bei Wagner ja heißt – wird in rund 20 Minuten paraphrasiert, die Auswahl der Passagen konzentriert sich jeweils klug auf die Musik, die für das Ensemble klingt und abseits der vielen assioziativen Sprünge der Partitur syntaktische Bögen bildet. Geschrieben hat sie die erste Geigerin und Leiterin des Ensembles Martina Trumpp. Eingeladen hat sie überwiegend Musiker:innen aus dem Staatsorchester in Stuttgart, denen Wagner ja sozusagen in die Berufs-DNA eingeschrieben ist (gerade kam dort die „Götterdämmerung“ heraus, s. entsprechender Beitrag). Besonders die ersten Stimmen in Bratsche und Cello sowie der neu hinzugekommene Bassist konnten (wie auch Trumpp) mit den für sie geschriebenen Solo-Passagen ihr beachtliches instrumentales Können zeigen. Am wandelbarsten musste die erste Bratschenstimme (Daniel Schwartz) sein, die Tristan, Isolde, die Schalmei und auch die Holztrompete vor Isoldes Ankunft, und andere Figuren und Instrumente darzustellen hatte. Musikalisch gelang bei „Tristan“ der dichtere Abend, unterhaltsamer war tags drauf dann der „Tannhäuser“.

Das Format „Wagner in 90 Minuten“, eine typische Geburt der Pandemiezeit, hat sicher das Potenzial, auch im „normalen“ Konzertbetrieb zu bestehen – dafür spricht alleine schon, dass „Tristan und Isolde“ am Samstag ausverkauft war. Nach „D´Accord“-Konzerten im Haus Wahnfried in Bayreuth, auf dem Königsschloss Hohenschwangau und an anderen exquisiten Orten haben nun auch andere Ensembles Trumpps Bearbeitungen programmiert, darunter Mitglieder des Iceland Symphony Orchestra und des L.A. Philharmonic Orchestra. Wieviel der dichten, packenden Atmosphäre des Konzertes sich dann auf dem im Sommer erscheinenden Album (Coviello Classics) überträgt, wird sich dann zeigen. Welche Oper bringt das Ensemble als nächstes in Hamburg mit? Das wolle man auf Nachfrage noch nicht verraten, nur soviel: Man wolle wieder kommen. 

Moritz Liebknecht

 

 

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