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HAMBURG/ Elbphilharmonie/Gastspiel der Barocktage an den Staatsoper unter den Linden Berlin: MÉDÉE vonMarc-Antoine Charpentier. Konzertant

23.11.2023 | Oper international

Marc-Antoine Charpentier: Médée • Elbphilharmonie Hamburg • Konzertante Vorstellung: 21.11.2023

(Gastspiel der Barocktage an den Staatsoper unter den Linden Berlin • Premiere in Berlin am 19.11.2023)

Gastspiel der Barocktage an den Staatsoper unter den Linden Berlin

Gleich nach der Berliner Premiere gastieren die Barocktage der Staatsoper mit der Produktion von Charpentiers «Médée» in der Elbphilharmonie. Die im Vorfeld nahezu omnipräsenten Stars sind Sir Simon Rattle und Magdalena Kožená.

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Magdalena Kozena. Foto © Julia Wesely

Sir Simon Rattle hat Charpentiers einzige Tragédie lyrique auf «allgemeinverträgliche» dreieinhalb Stunden gekürzt und die Instrumentierung und den Basso Continuo, ganz dem Usus der Zeit entsprechend, frei eingerichtet. Die Einrichtung für ein grosses Orchester und die Stimmung des Freiburger Barockorchesters auf a=392 H, ungefähr einen Ganzton unter dem heutigen Kammerton, nivellieren die Melodik, Farbigkeit und Geschmeidigkeit des Klangs, der dann deutlich an die Beweglichkeit des Namensgeber des Konzertsaals erinnert.

Diese «Tinta» betrifft alle Beteiligten, so auch den phänomenalen Staatsopernchor Berlin (Leitung: Dani Juris), der das Publikum mit seinem kompakten, fein differenzierten Klang und mustergültiger Textverständlichkeit begeistert.

Magdalena Kožena mag eine der führenden Interpretinnen von Charpentiers «Médée» sein: an diesem Abend gelingt ihr eine atemberaubende Interpretation, aber Emotionen kommen in der Elbphilharmonie nicht zustande. Zu deutlich macht sich das Fehlen der szenischen Komponente bemerkbar. Luca Tittoto als König von Korinth (Créon) gibt mit strahlendem Bass einen würdigen Monarchen. Carolyn Sampson als Créuse bleibt stilistisch perfekt eher unauffällig. Reinoud van Mechelen befindet sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Den hervorragenden Eindruck seiner CD-Reihe «Haute-Contre» bestätigt er und vermag seine Interpretation trotz der «widrigen Umstände» ansatzweise emotional zu verankern. Gyula Orendt ist als Oronte nicht minder überzeugend besetzt. Jehanne Amzal als Cléone und L’Amour, Markéta Cukrová als Nérine und Bellone, Gonzalo Quinchahual als Arcas und La Jalouisie und Dionysios Avgerinos als La Vengance ergänzen das Ensemble.

Die Einführung der Hamburger Musikwissenschaftlerin Esther Dubke war, auch wenn grossteils völlig am Thema vorbei, erkenntnisreich.

Französisches Musiktheater aus dem Barock bleibt ein schwieriges Felds.

Szenische Aufführungen an der Staatsoper unter den Linden Berlin: 30.11.2023, 02.12.2023.

 

26.11.2023, Jan Krobot/Zürich

 

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