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GYÖR / Ungarn: MAGYAR TÁNCFESZTIVÁL 2018 in Györ. Teil 2

ein von ungarischer Freude am Tanz geprägtes Fest

25.06.2018 | Ballett/Tanz

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MAGYAR TÁNCFESZTIVÁL 2018 in Györ (18. bis 24.6.) – ein von ungarischer Freude am Tanz geprägtes Fest. Teil 2

Eine Woche reich an Veranstaltungen. Auch in seiner zweiten Hälfte hat das Ungarische Tanzfestival 2018 in Györ ein überreiches Programm geboten. In einem Mix an Folklore und modernem Tanz wie an jungen und auch hingebungsvollen Interpreten in reiferen Jahren. Auffallend auch, ungarisch: Die jüngeren Choreographen (jedenfalls nicht wenige von ihnen – es ist jedoch ein internationaler Trend) lassen sich nicht von starker Musik inspirieren, klassischer oder zeitgenössischer, sondern sie benutzen diverse Klangteppiche (so gängig: Sounds) zur Stimmungsmache, um sich mit ihrem jeweils gegebenen Bewegungsrepertoire über diese Klänge locker hinweg bewegen zu können.

Eine „Antigone“, frei nach Sophokles, lässt sich auf diese Weise nicht seriös bewältigen, bleibt dramaturgisch hilflos wie unverständlich gedacht. Oder eine gewisse Variante von trostlosen Geräuschen zu einer Art von Travestie-Spiel in „FA_UN“ der kleinen Pál Frenák Company mit einem endlosen Anrennen und Verfangen in einem von der Bühne herab hängenden Riesennetz kann ebenfalls kaum überzeugen.

„A Streetcar Named Desire“ als noch frischer Beitrag des Ungarischen Nationalballetts (das Budapester Opernballett) hat da schon einen weit nachhaltigeren Eindruck hinterlassen. In einer sorgfältig erarbeiteten Choreographie von Marianna Venekei vermochte diese getanzte Interpretation von Tennessee Williams US-Klassiker „Endstation Sehnsucht“ als zweiaktiges Tanzdrama die Emotionen anzusprechen. Der Musik von Jazzer Lászlo Dés gelingt es mit angepassten Stilmittel die richtige Atmosphäre zu schaffen, Cristina Balaban führt als sensible Blanche die ausdrucksstarken Mitglieder des zur Zeit viel reisenden Nationalballetts an – auf Tournee, da wegen Renovierungsarbeiten die Budapester Oper geschlossen ist. 

Anders, wenn sich die ungarischen Tänzer ihrer Tanzfreude hingeben dürfen. Faszinierend ist, dass sich in den vergangenen Jahren eine eigene Tanzsprache durch die originäre ungarische Musik geprägt hat. Durch Volksmusik in ihren diversen Ausdrucksformen. Als echtes populäres Erfolgsstück durch zwei Jahrzehnte erweist sich „Thousand & One Years“, welches Sándor Román im Jahr 2000 für seine Budapester The Experidance Production betont humoristisch und tänzerisch einfallsreich erarbeitete. Oder doch ein bisschen kitschig? Wohl nicht, wenn sich im bunten Lichterspiel der Creator mundi vulgo der leicht überhebliche liebe Gott im Hickhack mit Luzifer trifft. Weißes gegen schwarzes Gefolge. Adam und Eva werden von Gott auf die Welt gesetzt, der Böse verhext Eva – und dann zieht in kurzweiligen Sketches Ungarns tausendjährige Historie als Groteske vorbei. Mit Engerln und Teuferln, mit dem Heiligen Stephan, mit barbarischen Türken und anderen Okkupanten des Landes. Gehüpft und gesteppt und immer munter drauf los. Alle nur möglichen Element der Tanzkunst sind verknüpft und somit wird ein echt kurzweiliges Tanzvergnügen geboten. Es knirschte und federte aber auch bei allen anderen Events im Folklore-Look: Volkstanz-Nachmittag & Abend, Nationales Hargita  Székely Volksensemble, Tanzhaus, Duna Dance Workshop …. nun, diese ungarische Szene wirkt ausgesprochen lebendig und gesund. 

Ein ‚European Gala Evening‘ darf bei solch einem Tanzfest wohl nicht fehlen. Klassisches altes Ballett war dabei ein bisschen zur Seite geschoben. Doch kultivierte klassische Moderne wie Antal Fodors Choreographie zu J.S.Bachs E-Dur Violinkonzert, von der Ungarischen Tanzakademie ästhetisch einstudiert, hat ihr edles Format bewahrt. Gut gefallen konnten das Europaballett St. Pölten mit Renato Zanellas frühem „Empty Place“ in einer überarbeiteten Fassung, der Egribiancodanza Compagnia mit einem spielerisch augenzwinkerndem „Beyond Water Borders“ von Raphael Bianco. Oder auch, diesmal auf unterhaltsam, Maurice Ravels „Bolero“, in dem die ihrem Meister Dracula ausgelieferten Mädel-Vampirchen schrullig herumgeistern (Dora Barta für das Kecskemét City Ballet

Und, als Draufgabe dazu: Gyermek Táncfesztivál heißt es noch auf einer dem Györer Theater benachbarten kleineren Bühne – im Festival-Programm neue Tanzstücke, genau den Kindern angepasst, reichlich der Reihe nach.

 

Meinhard Rüdenauer

 

 

 

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