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GYÖR/ Ungarn: Ein Jubiläumsjahr für das Györi Balett  – mit aller Hingabe an den Tanz

11.07.2019 | Ballett/Tanz

Ein Jubiläumsjahr für das Györi Balett  – mit aller Hingabe an den Tanz (Juli 2019)


Foto: Györi Ballet/Tamavölgyi Zoltán

Györ, die alte Festungsstadt der Habsburger am halben Weg zwischen Wien und Budapest, ist eine Schulstadt mit regem kulturellen Leben. Und hat sich als ein Zentrum in Ungarn für klassischen, modernen wie folkloristischen Tanz etabliert. Mehrer Jubiläen werden in diesem Kontext heuer gefeiert. Mit einem noch nicht ganz bewältigtem Problem: Im 1976 als Mehrspartentheater erbautem stattlich aufragenden wie geräumigen Nationaltheater Györ – teils von Victor Vasarely modern gestylt – muss im Frühjahr des nächsten Jahres der Spielbetrieb komplett umstellt werden, da das Gebäude entweder renoviert werden soll oder gar einem Neubau weichen muss. So oder so, offensichtlich scheint vorläufig noch beides offen zu sein.

Das kulturelle Aushängeschild der Stadt ist das renommierte Györi Balett (oder auf Tournee: Ballet Company of Györ). Gegründet wurde es 1979 vom charismatischen, auf Stil und Perfektion achtenden Ivan Marko, zuvor ein Solotänzer in Maurice Béjarts Ballet du XXe siècle, der sich auch als Choreograph international zu profilieren vermochte. Die Kompanie feiert nun in der kommenden Saison ihr vierzigjähriges Bestehen. Ein Wegbegleiter als Tänzer im Ensemble von der ersten Stunde an war Janos Kiss , der nun als verantwortlicher Direktor mit viel Energie und psychologischem  Geschick das Györi Balett zu einer international gastierenden und auch mit internationalen Tänzern besetzten Kompanie geformt hat. Janos Kiss: „Wir sind in vier Jahrzehnten gewachsen, wachsen mehr und mehr, haben in unserer Stadt den richtigen Weg zu einem eigenständigen Kulturleben gefunden. Aufschwung ist gegeben, das Renomee ist gestiegen.“ Auch Sponsoren helfen mit. Wie etwa die Automarke Audi Hungaria, welche in Györ eine große Fabrikationstätte betreibt.  

Die stilistische Ausrichtung der Kompanie ist in erster Linie auf eine Balance zwischen Klassik und Moderne ausgerichtet. Basierend auf klassischer Ausbildung wird auf ein zeitgenössisches Tanztheater hingearbeitet, welches nicht nach Extremen sucht, sonder in einer moderat modernen Tanzsprache psychologisch sublime Erzählungen zu vermitteln vermag. Der künstlerische Leiter László Velekei ist ein Meister in solch einer Feinarbeit. Und mit einer von ihm choreographierten neuen Version von „Anna Karenina“ wird im November die Jubiläumsgala zelebriert. Dazu feiert Janos Kiss seine nun schon ganze drei Jahrzehnte andauernde Verantwortlichkeit als Direktor, unermüdlicher Motor, Ideenbringer für die Kompanie (und feiert noch einen runden Geburtstag dazu).  

Das heuer im Juni zum 15. Mal durchgeführte, auch international ausgerichtete Magyar Tánczfesztivál, das große Ungarische Tanzfestival, hat sich vor einem dankbaren Publikum erneut als großer Erfolg erwiesen. Und eine Kostprobe aus Györ wird am 21. Juli bei der Ballettgala des „8. Vienna International Arts Festival“ im Wiener MuTh-Theater neben anderen arrivierten Solisten serviert: Luigi Jannone und Eszter Adria Herkovics tanzen den modernen Pas de deux „Piano Plays“ von László Felekei auf Klaviermusik von Franz Liszt.   

Meinhard Rüdenauer

 

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