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GSTAAD/ New Year Musical Festival: Michael Spyres, Anastasia Bartoli und Vincenzo Scalera (2. Januar 2026) Lovers Forever Arias 

03.01.2026 | Konzert/Liederabende

Gstaad New Year Musical Festival 2025/2026

gstaa

Das Gstaad New Year Musical Festival geht auf eine Initiative von Prinzessin Caroline Murat zurück, die das Festival 2005 gründete. Ziel war es, internationale Künstlerinnen und Künstler sowie junge Talente in der festlichen Winterzeit zusammenzuführen. Murat brachte dafür umfassende Erfahrung aus ihrer Tätigkeit für das Verbier Festival und die Verbier Academy mit. Seit seiner Gründung ist das Festival kontinuierlich gewachsen und steht heute unter dem Patronat von Fürst Albert II. von Monaco. Mehr als 300 Konzerte mit über 1000 Mitwirkenden haben seither stattgefunden.

Die zwanzigste Ausgabe, die vom 26. Dezember 2025 bis zum 10. Januar 2026 stattfindet, bietet eine breite Palette aus Liederabenden, Kammermusik, Barock, Chormusik und Jazz. Zahlreiche renommierte Künstlerinnen und Künstler prägen das Programm. Die Konzerte finden überwiegend in den Kirchen der Region statt, deren Akustik für viele Aufführungen ein wesentlicher Bestandteil des Erlebnisses ist.

Zu den herausragenden Namen der diesjährigen Ausgabe zählen unter anderem Anna El-Khasem, Yesong Sophie Lee, Vittorio Grigolo, Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Marina Viotti, Asmik Grigorian, Jakub Józef Orliński sowie mehrere international profilierte Ensembles. Ergänzt wird das Programm durch Jazzabende und barocke Spezialprogramme, etwa zum 350. Geburtstag Clérambaults. Den Abschluss bildet ein Mozart-Klavierkonzertabend mit Elizabeth Sombart und dem Quatuor Résonance.

Als Rezensent widme ich mich den Konzerten vom 2., 3. und 4. Januar 2026, also Michael Spyres und Anastasia Bartoli, Asmik Grigorian und Jakub Józef Orliński. 

 

Michael Spyres, Anastasia Bartoli und Vincenzo Scalera (2. Januar 2026)

Gstaad New Year Music Festival, Internationales Festival für klassische  Musik in Gstaad, Rougemont, Saanen, Lauenen, Glion, Château-d'ŒX (Schweiz),  vom 26 bis 12

Lovers Forever Arias 

Das Konzert von Michael Spyres und Anastasia Bartoli zählte zu den stimmlich fordernden Programmen des Festivals. Das Repertoire spannte einen weiten Bogen vom italienischen Fach über Verdi und Puccini bis hin zu Operette und neapolitanischem Lied.

Michael Spyres zeigte sich stimmlich sicher und flexibel. Seine kraftvollen Höhen und der sauber geführte Tenor kamen besonders in Rossinis „Largo al factotum“ aus Il barbiere di Siviglia sowie in Leoncavallos dramatischem „Vesti la giubba“ eindrucksvoll zur Geltung. Auch in Verdis „Parigi, o cara“ aus La traviata überzeugte er mit kontrollierter Technik und klarer Linienführung.

Anastasia Bartoli beeindruckte mit einem tragfähigen, warm timbrierten Sopran. In Rossinis „Una voce poco fa“ gestaltete sie Rosinas Koloraturen präzise und beweglich, während sie in Puccinis „O soave fanciulla“ und Catalanis „Ebben, ne andrò lontana“ ihre Stärke in den lyrischen Passagen ausspielte und Ausdruck mit technischer Präzision verband.

Den Schwerpunkt des Abends bildeten die Duette. Neben Puccinis La Bohème gehörten dazu Lehárs „Lippen schweigen“ aus Die lustige Witwe sowie das temperamentvolle „O sole mio“von Eduardo Di Capua. Beide Sänger agierten musikalisch eng aufeinander abgestimmt und gestalteten die gemeinsamen Szenen mit spürbarer Aufmerksamkeit füreinander. Die Kontraste zwischen leisen, kantablen Linien und exponierten Höhepunkten prägten die Gesamtwirkung des Programms.

Für Auflockerung sorgten solistische Klavierbeiträge von Vincenzo Scalera, der mit dem Intermezzo Nr. 1 von Manuel María Ponce Cuéllar und Lecuonas virtuoser Mazurka Glissando auch solistisch Akzente setzte. Darüber hinaus bestätigte er sich als verlässlicher Partner der Sänger, der mit feinem Gespür für Tempo und Ausdruck den vokalen Spannungsbogen zusammenhielt.

Mit Ausflügen in die Operette und das Musical – etwa Lehárs „Freunde, das Leben ist lebenswert“ sowie „I Could Have Danced All Night“ aus My Fair Lady – zeigte das Programm seine stilistische Vielfalt. Den Abschluss bildeten neapolitanische Klassiker wie Rossinis La danza und Torna a Surriento, die vom Publikum mit anhaltendem Applaus aufgenommen wurden. Insgesamt bot der Abend einen konzentrierten, dramaturgisch schlüssigen Querschnitt durch das vokale Repertoire. 

Als Zugabe gab es aus Bernsteins Westside Story, „tonight“ welche beide im Duett gesungen haben, dann „o mio babbino caro“ von Puccini vorgetragen von Anastasia Bartoli und anschliessend aus Massenets Werther „pourquoi me reveiller“ einfühlsam vorgetragen von Michael Spyres. Den Schluss bildete das „Libiamo“ aus der Traviata welche sie ebenfalls im Duett gesungen haben. Das Publikum feierte zurecht die Solisten mit grossen Ovationen. Ein grosser Abend der tollen Stimmen. 

Marcel Emil Burkhardt

 

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