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GSTAAD/ New Year Musical Festival 2025/26: Asmik Grigorian und Tommaso Lepore am Klavier Great Romantic Opera Arias

04.01.2026 | Konzert/Liederabende

Gstaad New Year Musical Festival 2025/2026 – Konzert vom 3. Januar 2026

Asmik Grigorian und Tommaso Lepore am Klavier

Great Romantic Opera Arias

Great romantic opera arias - Gstaad New Year Music Festival – offizieller  Ticketverkauf

Ein klug gebautes Lied- und Arienprogramm verlangt mehr als vokale Brillanz: Es fordert stilistische Flexibilität, dramaturgisches Gespür und die Fähigkeit, emotionale Extreme glaubwürdig zu durchmessen. Asmik Grigorian stellte sich dieser Herausforderung mit beeindruckender Selbstverständlichkeit. Begleitet von Tommaso Lepore am Klavier entfaltete sich ein Abend, der nicht auf blosse Effektsteigerung setzte, sondern auf innere Spannungsbögen und psychologische Tiefe.

Bereits mit Puccinis „Un bel dì, vedremo“ liess Grigorian erkennen, dass sie Cio-Cio-San nicht als lyrisches Opfer, sondern als innerlich gefestigte Figur versteht. Die Stimme blieb kontrolliert, der Klang schlank geführt, das Hoffen tastend und doch von stillem Stolz getragen. Ganz anders die Musetta der Bohème: „Quando m’en vo“ sprühte vor Ironie und kalkulierter Koketterie, ohne je ins Oberflächliche zu kippen. Grigorian spielte mit Farben und Akzenten, liess die Arie funkeln, statt sie auszusingen.

Die klug platzierten Klaviersoli gaben dem Abend nicht nur formale Gliederung, sondern auch atmosphärische Tiefe. Tommaso Lepore gestaltete Ravels Menuet aus Le Tombeau de Couperin mit feiner Transparenz und eleganter Zurückhaltung. Das Spiel wirkte nie blossbegleitend, sondern dialogisch – eine Qualität, die auch in Brahms’ Intermezzo op. 118 Nr. 2 deutlich wurde: warm phrasiert, ohne Sentimentalität, mit ruhigem Atem.

Im zweiten Puccini-Block erreichte Grigorian eine neue emotionale Dichte. „Vissi d’arte“ war weniger opernhafter Aufschrei als existenzielles Innehalten – leise Verzweiflung statt Pathos. In „Sola, perduta, abbandonata“ steigerte sie diese Spannung zu schmerzhafter Intensität, getragen von einer Stimme, die auch in extremer Lage ihre innere Balance behielt.

Mit Tatjanas Briefszene aus Tschaikowskis Eugen Onegin gelang Grigorian ein weiterer Höhepunkt des Abends. Die Szene wurde nicht als grosse Arie, sondern als innerer Monolog gestaltet: tastend, verletzlich, zunehmend entgrenzt. Lepore folgte dieser Entwicklung aufmerksam, reagierte flexibel.

Dvořáks „Lied an den Mond“ brachte schliesslich lyrische Verklärung, mit schwebendem Pianissimo und grosser Klangruhe. Den dramatischen Abschluss bildete Verdis „Vienit’affretta“, in dem Grigorian ihre Fähigkeit zur Charakterzeichnung noch einmal zuspitzte: eine Lady Macbeth von kalter Entschlossenheit, vokal scharf konturiert, ohne plakative Effekte. Mit den Zugaben begeisterte Asmik Gregorian das Publikum mit Puccinis „o mio babbino caro“ und Verdis Otello „Ave Maria“ .

Dieser Abend überzeugte nicht durch Lautstärke oder blosse Virtuosität, sondern durch interpretatorische Intelligenz und stilistische Genauigkeit. Asmik Grigorian und Tommaso Lepore präsentierten ein Programm, das grosse Oper in konzentrierter Form erfahrbar machte – intensiv, differenziert und nachhaltig wirkend.

Das Publikum war hoch erfreut von diesem Arienabend und applaudierte frenetisch den beiden Solisten zu. 

Marcel Emil Burkhardt

 

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