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GRÜNER WIRD’S NICHT, SAGTE DER GÄRTNER UND FLOG DAVON

26.08.2018 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 31. August 2018
GRÜNER WIRD’S NICHT, SAGTE DER GÄRTNER UND FLOG DAVON
Deutschland / 2018
Drehbuch und Regie: Florian Gallenberger
Mit: Elmar Wepper, Monika Baumgartner, Emma Bading, Ulrich Tukur, Sunnyi Melles, Dagmar Manzel u.a.

Einen Film mit dem Titel „Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon“ zu belasten, das wirkt mehr prätentiös als wirklich originell (letzteres war wohl beabsichtigt). Dennoch ist es ein sehr schöner Film, den Florian Gallenberger da vorlegt, um einiges leichter als seine politisch belasteten Geschichten „John Rabe“ und „Colonia Dignidad“. Man wird die Geschichte des Gärtners Schorsch Kemptner zwar nicht als wirklich realistisch hinnehmen können, aber als Gleichnis ist es gewissermaßen „seelenschön“. Auch wenn der Drehbuchautor / Regisseur ein bisschen viel predigen lässt…

„Das Leben ist eine Reise“, sagt Philomena am Ende frontal in die Kamera, und darum geht es wohl – wenn die Glücksfälle der Reise von Schorsch auch eher von einem Drehbuchautor als aus dem wahren Leben stammen. Das waltet am ehesten noch zu Beginn: Da ist dem potentiellen Golfplatz-Betreiber (Bernd Stegemann, strahlend unsympathisch), ein betrügerischer Hund übrigens, das Gras nicht grün genug. Und woher ein anderes Gras bekommen? Überhaupt hat Schorsch, ein echter, alter Bayer, der auch verbal saftig sein kann (auch wenn er letztendlich doch immer eine im Grunde schweigsame Seele bleibt), die Nase voll.

Er steckt mit seiner Gärtnerei bis über die Ohren in Schulden, mit seiner Frau (Monika Baumgartner) kann er sich nie einigen, die Tochter (Karolina Horster), die sich als Möchtegern-Künstlerin sieht, mag ihn offenbar nicht (und eigentlich vice versa). Schorsch, dessen Hobby das Fliegen und dessen Besitz eine uralte kleine Propeller-Maschine ist (eine „Platzer Kiebitz“ für die, die was davon verstehen), langt es. Und als man ihm gar das Flugzeug wegpfänden will  – hinter das Steuer und einfach weg.

Freilich, ohne Handy, ohne Geld und das Benzin geht auch bald aus – da muss es der Drehbuchautor mit seinem Helden schon sehr gut meinen, damit der mit seinem Fluchtversuch aus einem unerträglichen Alltag nicht auf der Stelle scheitert. Da muss der nette alte Hans, der den Gestrandeten aufnimmt (ein kleines Porträt der Einsamkeit von Michael Hanemann), ihn schon an einen wirklich reichen Mann in Düsseldorf weiterleiten, der glücklicherweise einen Gärtner sucht. Ulrich Tukur ist als Richard von Zeydlitz in orangenfarbenen Hosen und strömender Jovialität in einer Mini-Rolle zu sehen (wohl der Dank für die phantastische Rolle in „John Rabe“), und Sunnyi Melles legt als Gattin eine herrliche Zickenstudie mit Verführungsabsichten hin.

Vor allem aber begegnet Schorsch hier Philomena, der 17jährigen Tochter des Hauses (Emma Bading), die ungebärdig und etwas seltsam ist, „gestört“, wie die Eltern meinen, aber eigentlich nur unangepasst und einsam. Keine Frage, dass der Gärtner, der nun für kurze Zeit anfallende Arbeit übernimmt, und das Mädchen, das von der Umwelt nur mit Kopfschütteln behandelt wird, besser mit einander kommunizieren als alle anderen.

Allerdings will Schorsch nicht lange bleiben, denn sein Ziel ist (hat er es sich nicht ein Leben lang gewünscht?) der Nordpol. Freilich, ist die Geschichte bis jetzt schon dick, sie wird es immer mehr – natürlich findet Schorsch, als er aufbricht, im Flugzeug versteckt Philomena, dann landen sie in Sylt bei deren Oma (die modernerweise mit einer Ehegattin lebt), und auch da muss man sich im verstärkten Ausmaß Lebensweisheiten anhören, die die Geschichte absichtsvoll schwerfällig machen („Mein Vater liest Bücher, meine Oma liest Menschen“). Wie erst, wenn Schorsch dann in einem nördlichen Fliegerhorst in Hannah offenbar die Frau findet, der er eigentlich hätte früher begegnen sollen (Dagmar Manzel)…

Na, da muss doch ein Drehbuch nur noch die Dinge zuhause regeln (auch wenn das bedeutet, sich von manchem zu trennen), damit wir alle, alle glücklich werden… Und dennoch: Es ist ein schöner Film. Sehr, sehr viel liegt an Elmar Wepper – man hätte ja, um es ehrlich zu sagen, befürchten können, dass ein berühmter TV-Star wie er mit zu viel Fernseh-Schmalz verklebt ist, aber tatsächlich liefert er eine großartige Studie der Verhaltenheit, eines zutiefst unglücklichen Menschen, dem nach und nach sein daheim versteinertes Herz durch Menschen wie Philomena und Hannah aufgeht.

Ja, schön, wenn man auf einer Lebensreise so viel Glück hat. Und wenn dann – nicht zuletzt dank des atemberaubenden Hauptdarstellers – ein gewissermaßen geträumt schöner Film daraus wird, über dessen Schwächen man weiter gar nicht nachsinnen möchte… Kino ist auch Wunscherfüllung.

Renate Wagner

 

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