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GRAUPA/ Richard Wagner-Stätten/ Schloss: KLAVIERNACHMITTAG MIT PETER RÖSEL

23.01.2017 | Konzert/Liederabende

Graupa/Richard-Wagner-Stätten, Schloss: KLAVIERNACHMITTAG MIT PETER RÖSEL – 22.1.2017

Wie immer bei den Konzerten mit Peter Rösel war auch der angekündigte Klaviernachmittag mit Kompositionen von J. S. Bach, W. A. Mozart, C. M. v. Weber und Franz Schubert nach Bekanntwerden in kürzester Zeit ausverkauft. Ein musikalischer Nachmittag in den Richard-Wagner-Stätten Graupa ganz ohne Richard Wagner? Nicht direkt, denn es gibt zahlreiche Bezüge und Verbindungen Wagners zu diesen Komponisten.

Von Bach sagte er bewundernd: „Nicht Bach, Meer sollte er heißen“. Mozart bewunderte er ebenfalls. Seine erste und letzte Symphonie, die er 18jährig schrieb, hat neben Beethoven, Schubert und Brahms auch Mozart als geistigen Vater. 1833 im Leipziger Gewandhaus uraufgeführt, war es das Letzte, was er dirigiert hat – nach langer Zeit leicht überarbeitet, 1882 in Venedig für Cosima. Als seinerzeit in Dresden die Kapellmeisterstelle an der Hofoper vakant war, entschloss er sich nach der Aufforderung: „Das sind sie Weber schuldig!“ die Stelle anzunehmen. Franz Schubert wurde im gleichen Jahr geboren wie Wagner, nur sein Stil ist ein ganz anderer, aber der Vergleich angesichts dieser Tatsache allemal interessant.

Peter Rösel betrat wie immer schlicht und unspektakulär den Festsaal des Schlosses. Er setzt sich still an den Flügel, verzichtet auf alle pianistischen Gesten und vertieft sich ganz in die Musik, so als spielte er für sich oder im engen Freundeskreis und lässt das Publikum teilhaben an den Intentionen der Komponisten und ihrer Kompositionen. Es waren alles bekannte und sehr beliebte Werke, die so mancher unter den Zuhörern selbst gespielt haben mochte, aber unter Rösels Händen entstanden sie wieder neu mit einem tiefen Blick in die geistige Welt des jeweiligen Komponisten.

Bei der „Partita D-Dur“ (BWV 828) von J. S. Bach musste man nicht überlegen, ob Cembalo oder Klavier. Rösels differenzierter, wohlklingender Anschlag auf dem Bösendorfer-Flügel, die Durchdringung der melodischen Strukturen, die deutliche Führung der einzelnen Stimmen und musikalischen Linien ließen die Frage gar nicht erst aufkommen. Bei jedem (Tanz-)Satz kamen dessen Spezifik, besonderer Rhythmus und Charakter zum Ausdruck, von der „Ouvertüre“ über „Allemande“, „Courante“, die „Aria“ bis hin zu „Sarabande“, „Menuet“ und „Gigue“.

 

  1. A. Mozarts bekannte „Sonate A‑Dur“ (KV 331) mit dem beliebten „Alla turca“ ließ die Herzen der Zuhörer höher schlagen, so frisch und liebevoll entstand sie unter seinen Händen und man meinte, sie wieder neu zu entdecken.

Als Einführung der „Aufforderung zum Tanz“ (op. 65) von C. M. v. Weber zitierte Rösel die erläuternden Worte, die Weber an seine Frau Caroline richtete, als er ihr das Stück überreichte, um sie dann anschließend fast bildhaft in einer „anderen Sprache“, der Musik, wiederzugeben. Der Nachspann mit dem Dank des Tänzers an die Tänzerin ging fast unter im vorfristigen Beifall – schade, aber fast verständlich bei dieser begeisternden Interpretation.

Wer von den begeisterten Hobby-Pianisten hätte sie nicht gespielt, die „Impromptus“ in „B‑Dur (D 935)“, „Es‑Dur (D 899) “ und „As‑Dur“ sowie das vorangestellte „Klavierstück es‑Moll (D 946)“von Franz Schubert, aber wohl kaum so qualitätsvoll mit differenzierendem, klangvollem Anschlag und geistiger Durchdringung wie Rösel.

Leichte Kost zum Nachmittag? – Vielleicht, wenn es um den Bekanntheitsgrad der Stücke geht, aber in dieser einzigartigen Interpretation waren sie alle wieder neu zu entdecken.

Mit den Worten „noch mehr Schubert“ und einem weiteren „Impromptu“ aus dessen Feder bedankte sich Peter Rösel für den besonders herzlichen Applaus, und mit einer zweiten und, wie er betonte, „letzten Zugabe“, einer fein „getupften“ „Gavotte“ von J. S. Bach verabschiedete er sich endgültig von den begeisterten Zuhörern.

 Ingrid Gerk

 

 

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