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GOTHA/ Augustinerkirche: MUSIKALISCHER LITERATURZIRKEL – Das Ausnahmekonzert einer Ausnahmesängerin

30.10.2021 | Konzert/Liederabende

„Musikalischer Literaturzirkel“ – Das Ausnahmekonzert einer Ausnahmesängerin in der Augustinerkirche Gotha am 29. Oktober in Gotha

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Die Sopranistin Diana Schnürpel im Konzert/Foto: Carl Osch

Am Freitag den 29. Oktober 2021 fand in der Augustinerkirche der „Musikalische Literaturzirkel“ statt. Im Mittelpunkt des Liederabends standen Werke, die von berühmten Komponisten auf Basis von Gedichten bekannter deutschsprachiger Dichter verfasst wurden. Es war das Abschlusskonzert der Sopranistin Diana Schnürpel für ein Stipendium der Kulturstiftung des Freistaats Thüringen. Die KulTourStadt Gotha GmbH war Veranstalter dieses außergewöhnlichen Liederabends. Großen Dank muss man beiden Institutionen aussprechen, dass sie so schöne Veranstaltungen ermöglichen. Die Augustinerkirche gab ihre ausgezeichnete Akustik dazu.

In virtuoser und anspruchsvoller Art und Weise interpretierte, sich am Flügel selbstbegleitend, die in diesem Jahr mehrfach ausgezeichnete Sopranistin Diana Schnürpel.

Das Liedprogramm begann mit Werken von Robert Schumann mit „Und wüssten‘s die Blumen“ (Op. 48.8/Text Heinrich Heine) und „Widmung“ (Op. 25,1/Text Friedrich Rückert). Über Hugo Wolf mit „Verborgenheit“ (aus den Mörike-Lieder 12) wurden Werke von Franz Schubert geboten. „Gretchen am Spinnrade“ (Op.2/D118, Text Johann Wolfgang von Goethe), „Nacht und Träume“ (Op.43,2, Text Matthäus von Collin). In „Nacht und Träume“ erlebte das Publikum einen ersten Höhepunkt und hörte geschwungene Gesangslinien von außergewöhnlicher Schönheit. „Die Forelle“ (Op. 32/D550, Text Christian Friedrich Franz Schubart) sang die Sopranistin mit einer großen spielerischen Leichtigkeit. Mit „Du bist die Ruh“ (Op. 59,3, Text Friedrich Rückert) und „Heimliches Lieben“ (Op.75,2, Text Caroline Luise von Klenke) rührten wohl auch den letzten Hörer*in aus dem Publikum.

Das Programm widmete sich nun Ludwig van Beethoven, dessen Ehrenjahr auch von der Pandemie stark beeinträchtig wurde. Ein Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe sollte es sein – „Neue Liebe, neues Leben“ (Op. 75,2). Den Liederzirkel setzen Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy mit Gedichten wiederum von Johann Wolfgang Goethe fort: „Suleika“ (Op. 34,4) und „Die Liebende schreibt“ (Op. 86,3). Richard Strauss durfte nicht fehlen. „Freundliche Version“ (Op. 48,1, Text Otto Julius Bierbaum) und das Gedicht von dem in Schottland geborenen John Henrik Mackay „Morgen“ (Op. 27,4) rundeten den brillanten Liederabend ab.

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Der Komponist Oliver Gruhn hilft der Sopranistin beim Notenblättern in der 2. Arie „Der Hölle Rache kocht in meinen Herzen“/Foto Carl Osch

Nun widmete sich der Abend Ricarda Huch, die viele Jahre in Thüringen lebte. Das Gedicht „Wie liebten wir so treu“ wurde von dem bei Rostock lebenden Komponisten Oliver Gruhn vertont. Seine Musik fügte sich klanglich nahtlos in den Abschluss des Liederzirkel ein. Man verspürte hier auch die gefühlvolle Auseinandersetzung mit dem Lied, was Diana Schnürpel dankbar umsetzte.

Das Publikum zeugte Diana Schnürpel mit langanhaltendem Applaus und einigen „Bravos“ die ihr gebührende Achtung. Die Sängerin dankte es mit einem Ausflug in die Oper. Nach dem doch schweren und anspruchsvollen Liederabend sang sie, als ob sie eben erst in die Augustinerkirche gekommen sei, beide Arien der Königin der Nacht aus Mozarts „Zauberflöte“ sensationell und ließ das Kirchenschiff mit einer Spur künstlerischen Wahns erzittern. 

Da der Komponist Oliver Gruhn selbst neben Vertretern der Kulturstiftung des Freistaates Thüringen anwesend war, möchte ich diesen Liederabend mit seinem Eindruck beenden:

„Ein solcher Liederabend wird einem selten geschenkt. Dass Gesang und Begleitung aus einer Hand kommen ist allein schon phänomenal, diese Musik so feinsinnig und facettenreich in solch schön geschwungenen musikalischen Bögen zu hören ist etwas ganz Besonderes. Diese Spannung zog sich über den ganzen Abend. Da schließe ich auch mein Lied mit ein, das so klang, als hätte Diana Schnürpel es schon immer in ihrem Liedprogramm gesungen. Man kann auf weitere Konzerterlebnisse mit dieser Künstlerin wirklich gespannt sein.“

Carl Osch

Gotha, den 30. Oktober 2021

 

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