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GÖTTWEIG/ Stift: ELINA GARANCA & FRIENDS IN GÖTTWEIG – und es blitzten die Sterne…

07.07.2016 | Konzert/Liederabende

Stift Göttweig

ELINA GARANCA AND FRIENDS IN GÖTTWEIG-UND ES BLITZTEN DIE STERNE…(6.Juli 2016)

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Elina Garanca. Copyright: AMI Promarketing

Die Veranstaltung „Klassik unter Sternen“ hat längst Kult-Status erreicht. Bereits zum 9.Mal luden die lettische Mezzo-Diva Elina Garanca und ihr britischer Ehemann Karel Mark Chichon in den ausverkauften, traumhaft schönen Barock-Hof von Stift Göttweig. Diesmal bei fast idealem sternklaren Wetter – die einzige Einschränkung: es war zu kalt als die Sterne zu blitzen begannen Dafür entschädigte ein besonders populäres Programm. Es spielte wieder das ausgezeichnete Orchester der Wiener Volksoper, nach der Pause trugen die Damen Garanca und die kanadische Sopranistin Yoyce El-Khoury Wacher Dirndln. Dritter „Freund“ war übrigens  diesmal der italienische Bariton Fabio Maria Capitanucci und das Programm reichte wieder von Oper von Verdi (Falstaff, Don Carlo) und Puccini (Butterfly) bis zu „O sole mio“ und „Granada“.

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Joyce El Khoury, Elina Garanca, Fabio Capitanucci. Copyright: AMI Promarketing

Wobei zum Auftakt  der von Barbara Rett souverän moderierten Veranstaltung die Figaro-Ouvertüre von Wolfgang Amadeus Mozart einen Österreich-Bezug herstellte. Karel Mark Chichon hat übrigens sein erfolgreiches Met-Debüt hinter sich. Und in Göttweig ist er für die Programm-Zusammenstellung  ebenso zuständig wie  für die Auswahl der Gäste. Doch das Publikum pilgert bei jedem Wetter auf den Stifts-Berg von Göttweig vor allem wegen Elina Garanca. Und sie war heuer besonders gut bei Stimme. Das bewies sie zunächst mit der Arie „Io son l’umile ancella“ aus Adriana Lecouvreur von  Francesco Cilea. Dann verwandelte sich der Gast aus Italien Capitanucci in den eifersüchtigen Ford aus Verdis Alterwerk und die dunkelhaarige Kanadierin Joyce El-Khoury geriet mit der Arie der Butterfly „Un bel di vedremo“  von Puccini an die Grenzen ihrer dramatischen Fähigkeiten. Eindrucksvoll hingegen  die Szene mit Sharpless und das „Blumenduett“ mit Elina Garanca. Nach der Pause ein Belcanto-Duett zwischen Bariton und Mezzo aus La Favorite von Gaetano Donizetti und eine Sopran-Arie aus der „Vespri Siciliani“ von Giuseppe Verdi. Fabio Capitanucci hat eine dunkle, kräftige Bass-Bariton-Stimme, die Kanadierin kommt mit den Koloraturen der Elena besser zu Rande als mit den Emotionen der Butterfly. Der Höhepunkt der diesjährigen „Klassik unter Sternen“-Veranstaltung kam dann aber mit der Arie der Eboli aus Verdi’s Don Carlo „O don fatale“. Elina Garanca in Bestform: strahlende Höhen, pastose Tiefen wie man sie noch nie von ihr gehört hat . und doch eine ausgeglichene   vokale Linienführung. Wenn die aus Riga stammende Sängerin Zweifel über den beabsichtigten Fachwechsel hegt, dann kann sie diese vergessen. Das Tor zu Santuzza, Eboli und Amneris steht  weit offen. Nach den obligaten „Gassenhauern“ mit Marechiare, O sole mio und Granada gab es  eine Zugabe der Drei  aus Lehars „Lustigen Witwe“ „Lippen schweigen“. Karel Mark Chichon bewies sein enormes musikalisches Temperament mit dem Bacchanal aus „Samson und Dalila“ von Camille Saint-Saens und zuletzt das Applaus-lose Finale: das Ave Maria von William  Gomez. Eine der schönsten Stimmen im Gebet an einem besonderen Ort. Man sollte für die 10.Folge von „Klassik unter Sternen“ am 5.Juli 1917 bald Karten bestellen. Immerhin wurde das gestrige Konzert vom ORF aufgezeichnet und am kommenden Sonntag auf ORF III ausgestrahlt. Aber die Magie des Ortes vermittelt sich wohl doch nur live in Göttweig bzw. bei der Open Air Reprise in Kitzbühel.

Peter Dusek

 

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